Fotografie

Die Bundesstadt aus unbekannter Sicht

Achtmal flog der Fotograf Thomas Hodel in den letzten zwei Jahren mit dem Helikopter über die Stadt Bern. Zeit, die Aussicht zu geniessen, hatte er dabei nicht. Er war auf der Suche nach Sujets für einen Wandkalender. Nun werden 20 seiner Bilder ausgestellt.

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Eigentlich hatte Thomas Hodel nur ein Geschenk eingelöst, als er vor drei Jahren einen Helikopter-Rundflug über die Stadt Bern machte. Doch der heute 26-jährige Fotograf war so begeistert von dem, was er sah, dass er beschloss, einen Kalender mit Luftaufnahmen der Bundesstadt zu gestalten. Er fragte Chris­toph Graf, Pilot und Inhaber des in Belp stationierten Helikopter-Unternehmens Mountainflyers, ob er an einer Zusam­menarbeit interessiert sei. «Er sagte ganz unkompliziert zu», sagt Hodel.

Aus dieser Zusammenarbeit entstanden Aufnahmen, die Bekanntes aus teilweise unbekannter Perspektive zeigen: Sonnenhungrige auf der Marziliwiese, die Berner Altstadt mitsamt ihren Sehenswürdigkeiten, Grand-Prix-Läuferinnen und -Läufer auf der Nydeggbrücke oder aber das beleuchtete Bundeshaus. 20 Bilder, darunter auch solche, die es nicht in den Kalender geschafft haben, werden nun in den Räumlichkeiten von PricewaterhouseCoopers im Bahnhof Bern ausgestellt.

Wetter als Unsicherheitsfaktor

Die Zusammenarbeit von Hodel und Graf begann im Sommer 2012. Während zweier Jahre flogen die beiden in unregelmässigen Abständen insgesamt achtmal über die Stadt und die Region Bern. Als grösste Herausforderung bezeichnet der Pilot die Koordination mit dem Flughafen und die Abstimmung mit dem Foto­grafen. So habe er stets schauen müssen, dass er im richtigen Winkel zum fotografierten Objekt stehe. «Und dabei musste ich natürlich die Regel ­beachten», sagt Graf.

So gelte für Heli­kopter eine Mindestflughöhe von 300 Meter. Wer tiefer fliegen wolle, brauche eine entsprechende Bewilligung. Für ­gewisse Bilder sei diese auch eingeholt worden. So zum Beispiel diesen Sommer, als Hodel und Graf während des Gurtenfestivals in der Luft waren. Nachts seien die Bestimmungen noch strenger; da sei zusätzlich eine Mindestsichtweite von acht Kilometer Pflicht.

Ein wichtiger Faktor war bei der Entstehung der Luftbilder auch das Wetter: «Spielte dieses nicht mit, mussten wir die Übung abbrechen», sagt Graf. So ­geschehen, als Hodel, der als freier Foto­graf unter anderem für den BSC Young Boys und die Bildagentur Reuters tätig ist, den Anpfiff eines YB-Spiels im Stade de Suisse bildlich festhalten wollte.

Der Fotograf hatte sich gewünscht, ein Spiel zu fotografieren, bei dem es schon dunkel ist, «das wirkt einfach besser». Doch als es endlich so weit war, fing es prompt an zu regnen. Meist gingen diese Einsätze jedoch schnell und problemlos über die Bühne: «Je nach Sujet waren wir nach zehn Minuten wieder zurück in Belp», sagt Hodel.

Keine Zeit, Angst zu haben

Damit Hodel die Sujets genau so vor die Linse bekam, wie er sich das vorgestellt hatte, war er gezwungen, sich aus dem Helikopter hinauszulehnen. Eine ziemlich grosse Herausforderung für einen, der beim Wandern entlang eines Grats «auch schon mal ein mulmiges Gefühl» bekommt. Während des Fliegens habe er aber nie Angst verspürt, sagt er. Er habe sich in solchen Momenten vielmehr auf das Sujet und den richtigen Winkel konzentriert. «Und darauf, dass ich meine sieben Kilogramm schwere Fotoausrüstung nicht fallen liess.» Vor lauter Fotografieren habe er es auch nicht geschafft, die schöne Aussicht zu geniessen.

Oftmals habe er erst beim Bearbeiten der Bilder gesehen, wo er überhaupt unterwegs gewesen war. Manchmal geriet er ob seinen Bildern auch regel­recht ins Staunen. So habe ihm die Bilderserie, die er über dem Westen der Stadt gemacht hat, gezeigt, wie gross das Freibad Weyermannshaus eigentlich sei.

Hodel und Graf haben bereits über eine mögliche weitere Zusammenarbeit gesprochen. Spruchreif sei noch nichts. Wobei: «Den Armadacup auf dem Wohlensee würde ich schon sehr gerne mal von oben fotografieren», sagt Hodel. (Der Bund)

Erstellt: 14.10.2014, 11:45 Uhr

Ausstellung

20 Bilder von Thomas Hodel werden ab Freitag, 17. Oktober, bei PricewaterhouseCoopers im Bahnhof Bern gezeigt. Die Ausstellung kann von Montag bis Freitag von 8 bis 17 Uhr besucht werden. Sie läuft bis zum 16. Januar 2015. Weitere Bilder auf: www.bern-von-oben.ch

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