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Bern

Der reiche Onkel aus Amerika

Von Brigitta Niederhauser. Aktualisiert am 19.04.2011 1 Kommentar

Verkauft der Berner Hansjörg Wyss sein Lebenswerk, die Firma Synthes, wird er weitere Milliarden verdienen.

Der gebürtige Berner Hansjörg Wyss ist bereits einer der reichsten Schweizer – lebt aber mehrheitlich in den USA. (Archiv: Franziska Scheidegger)

Der gebürtige Berner Hansjörg Wyss ist bereits einer der reichsten Schweizer – lebt aber mehrheitlich in den USA. (Archiv: Franziska Scheidegger)

Der Mann, der auf der Liste der Reichsten dieser Welt auf Rang 154 fungiert, ist am liebsten mit dem Zug unterwegs. Auf 6,4 Milliarden Dollar wird das Vermögen des Berner Unternehmers Hansjörg Wyss geschätzt, dessen Firma Synthes laut Forbes zu den 400 besten Unternehmen weltweit zählt. Verkauft er sein im Solothurnischen beheimatetes Medizinaltechnik-Unternehmen, wäre er um ein paar Milliarden reicher, soll doch der Multi Johnson & Johnson offenbar bereit sein, für Synthes 20 Milliarden Dollar aufzuwerfen.

Ein Geldsegen, der auch für Aufregung in der hiesigen Kunst- und Kulturszene sorgen könnte. Denn der 76-jährige Wyss ist ein Unternehmer alter Schule, der sich selber einen Lohn von weniger als einer Million Dollar jährlich auszahlen lässt – «weil kein CEO mehr wert ist» –, dafür aber viel Geld über seine Stiftung verteilt. «Wer Glück und Geld hat, muss auch etwas an die Gesellschaft zurückgeben», sagt der Milliardär. Von beidem hat der Berner reichlich. Er ist in einfachen Verhältnissen aufgewachsen, hat sich an der ETH zum Bauingenieur ausbilden lassen und macht nun das grosse Geld mit Platten, Nägeln und Schrauben, die in Operationssälen zum Einsatz kommen. Über die Hansjörg-Wyss-Stiftung vergibt er auch mal dreistellige Millionenbeträge. Harvards Präsidentin Drew Faust lobt ihn als einen extrem sachkundigen und grosszügigen Gönner. Kein Wunder: Der Elite-Uni, an der er 1965 seinen Master machte, schenkte er 140 Millionen Dollar. Mit 35 Millionen Dollar war er am grössten privaten Landkauf in den Vereinigten Staaten beteiligt. Der Erwerb hatte zum Ziel, in den Rocky Mountains die Jagdgründe von Wolf, Luchs und Grizzly zu sichern.

«Nichts ist so schwierig, wie der Stadt Bern ein Geschenk zu machen»

Dass sein Engagement in der Schweiz nicht ganz so gross ist, hat nicht nur damit zu tun, dass Wyss seit gut 35 Jahren mehrheitlich in Amerika lebt, sondern auch mit der Art und Weise, wie ihn die hiesigen Behörden behandelten. Wyss wollte seiner Heimatstadt Bern zwanzig Millionen Franken für den Ausbau des Kunstmuseums schenken. Er wäre bereit gewesen, den Umbau des Progymnasiums, in dem er einst sitzen geblieben war, in ein Museum für Gegenwartskunst zu finanzieren. Doch die Berner Behörden gingen derart ungeschickt vor, dass sich Wyss brüskiert fühlte und sein Angebot zurückzog. Sein Fazit: «Nichts ist so schwierig, wie der Stadt Bern ein Geschenk zu machen.» Geärgert haben wird ihn wohl auch die Tatsache, dass er für die Erfahrungen büssen musste, welche die Stadt Bern mit Maurice E. Müller, Chirurg und Mäzen des Zentrums Paul Klee, gemacht hatte. Mit ihm hatte Wyss einst geschäftet und sich dann verstritten. Wie gross die Kosten für die Öffentlichkeit sind, die grosse Geschenke wie das Klee-Zentrum nach sich ziehen, hatten die Behörden erst spät realisiert. Wyss musste sich dann vom damaligen Polizeidirektor Kurt Wasserfallen sagen lassen, sein Angebot sei ein «Danaergeschenk», also ein trojanisches Pferd.

Besser behandelt fühlt sich Wyss offenbar in Basel, wo er als Präsident der Beyeler-Fondation das Museum mit jährlichen Millionenbeträgen unterstützt.

Doch nicht nur die Kunstszene verfolgt Wyss, ein grosser Liebhaber der Malerei des 20. Jahrhunderts, äusserst aufmerksam. Der Hobbypilot, Tennisspieler und Kletterer hat auch ein grosses Herz für Bubenträume: Die Furka-Bergstrecke war ihm genauso ein paar Millionen wert wie der Erhalt des alten Sessellifts auf den Weissenstein im Solothurner Jura. Und im Garten der Villa, die der reiche Onkel aus Amerika auf der Prominenteninsel Martha’s Vineyard besitzt, steht eine grosse Spielzeugeisenbahn. Sie ist nicht für sein Enkelkind.

Weil Wyss auch weiterhin unerkannt mit den SBB reisen will, liegt dem eigenwilligen Unternehmer viel daran, dass sein Konterfei so wenig wie möglich in den Medien erscheint – und er schneidet dafür auch mal eigenhändig sein Foto aus dem Synthes-Geschäftsbericht. (Der Bund)

Erstellt: 19.04.2011, 06:30 Uhr

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1 Kommentar

Thomas Schaer

11.08.2011, 21:37 Uhr
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Den Grossen Herren in Bern wir die kurzsichtige und kleinkarierte Beamtenkultur halt wieder einmal mehr zum Verhaengnis. Die Arroganz mit der Herr Wyss behandelt wurde verbreitet sich ueber den ganzen Kanton; sprich Steuerpoloitik wo noch viele andere sich brueskiert sehen und aus dem Kanton abziehen. Antworten



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