Der lange Weg zum Stadttheater-Baustart

Nach Ostern geht die Sanierung des Berner Stadttheaters so richtig los. Dank dem Verzicht auf die Sanierung der Personalräume gibt es sogar wieder finanziellen Spielraum. Stadtbaumeister Thomas Pfluger geht davon aus, dass es zu keiner weiteren Verzögerung mehr kommt.

Alles bereit für den Baubeginn: Stadtbaumeister Thomas Pfluger im eingangsbereich des Stadttheaters.

Alles bereit für den Baubeginn: Stadtbaumeister Thomas Pfluger im eingangsbereich des Stadttheaters. Bild: Valérie Chételat

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wer am 24. Oktober 2015 Richard Wagners Oper «Lohengrin» im Berner Stadttheater besucht, wird stutzen: Trotz der mutmasslich kühlen Temperaturen werden die schweren Holztüren weit geöffnet sein. Als neue «thermische Barriere» dient eine Glasfront, die im Innenbereich installiert ist. Die «offenen Türen» sind eine Art Kompensation für die ursprünglich geplante Neugestaltung des Vorplatzes. Der Verzicht auf den Vorplatz ist offiziell Teil der «Massnahmen zur Kostenoptimierung», welche die Projektverantwortlichen letztes Jahr festlegen mussten, um das Kostendach von 43,3 Millionen Franken einhalten zu können.

Die Neugestaltung des Vorplatzbereiches musste aber bereits früher wegen Einsprachen von Bernmobil und Energie Wasser Bern (EWB) aus dem Projekt gestrichen werden. Dabei hatten die damaligen Projektverantwortlichen versichert, dass alle Abklärungen getroffen worden seien, um fachlichen Einsprachen vorzubeugen.

Plötzlich gibt es Geld und Zeit

Heute stehen die Chancen besser, dass es bei der Sanierung des Berner Stadttheaters nicht mehr zu gröberen Schnitzern kommen sollte: Anstelle der verblichenen Berner Stadtbauten (Stabe) hat seit Frühling 2014 Hochbau Stadt Bern (HSB) die Bauherrschaft übernommen. Thomas Pfluger, Leiter HSB und neuer Vorsitzender der Planungskommission, war gestern sichtlich um Zuversicht bemüht: «Wir sind auf Kurs», versicherte der Stadtbaumeister vor den Medien. Um mit etwas leiserer Stimme anzufügen: «Was immer das bei solch einem grossen Projekt bedeutet.»

Die Vorzeichen für die am kommenden Dienstag beginnende Bauphase 2015, bei der nebst dem Eingangsbereich auch die Bühnen- und die Haustechnik erneuert werden soll, sind jedenfalls besser als auch schon. Durch die im Januar bekannt gegebene zweite Verzögerung des Sanierungsprojektes bis zum Sommer 2017 ist der finanzielle und terminliche Spielraum stark gestiegen. So gibt es plötzlich Geld für eine neue «Raucherterrasse» fürs Personal im Bereich des Schüttetraktes, für die ein ergänzendes Baugesuch eingereicht worden ist. Und die Theaterbestuhlung, die Malerarbeiten im Innern sowie die Bühnenbeleuchtung können zum zweiten Mal ausgeschrieben werden, weil beim ersten Durchgang keine befriedigenden Angebote eingegangen sind.

Abschied vom «Ikea-Sitz»

Pikant in diesem Zusammenhang ist der zweite Durchgang bei der Ausschreibung der Bestuhlung. «Die Stühle sind ein sehr emotionales Thema», sagte Projektleiter Francis Racine. Und betonte, dass die Qualität der Bestuhlung höchsten Ansprüchen genügen müsse. Stadtbaumeister Pfluger sprach gar vom «Herzstück» der Sanierung. Diese Einschätzung ist insofern überraschend, als sie in diametralem Gegensatz zur Einschätzung von Pflugers Vorgänger an der Spitze der Projektkommission steht.

Bei den Sesseln gebe es «Luxusmodelle» und es gebe «quasi den Ikea-Sitz», sagte Peter Tschanz, Generalsekretär der Direktion von Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP), im August 2013 gegenüber dem «Bund». «Vielleicht müssen wir auf den Top-Top-Top-Stuhl verzichten.» Warum die Bestuhlung nun einen völlig anderen Stellenwert einnimmt, konnte Pfluger auch nicht sagen. «Von Ikea-Stühlen kann keine Rede sein.»

Sanierungsgeld für Ersatzspielort?

Der letztes Jahr bestimmten Verzichtsplanung fiel nebst dem Vorplatz auch die Sanierung der Personalräume im Schüttetrakt zum Opfer. Konzert Theater Bern (KTB) «kann damit leben», wie Marcel Brülhart, Vizepräsident der Stiftung KTB, sagte. Der organisatorische Knackpunkt für den Theaterbetrieb dürfte die Saison 2016/2017 werden, wo KTB trotz des Ausweichens auf Ersatzspielstätten auf 70 Vorstellungen und vier Neuproduktionen verzichten muss. KTB will aber nicht auf zusätzliche finanzielle Kompensationen der Stadt für die damit verbundenen Ausfälle pochen. «Wir müssen realistisch bleiben.Wir haben immerhin 43 Millionen Franken für die Sanierung zur Verfügung», sagte Brülhart.

Er liess aber durchblicken, dass KTB für die doppelt so lange Bauzeit 2016 auch eine Verdoppelung der Mietzinsreduktion von 400'000 Franken im laufenden Jahr verlangen werde. «Entsprechende Verhandlungen sind im Gang», sagte Brülhart. In Bezug auf die Ersatzspielstätten gab sich Brülhart zugeknöpft und stellte nähere Informationen nach den Frühlingsferien in Aussicht. Finanziell werde man eventuell auf den Sanierungskredit zurückgreifen müssen. «Es könnte sein, dass es noch Geld aus dem Sanierungsbudget braucht», sagte Brülhart.

Pfluger lobt Zusammenarbeit

Der künstlerische Direktor Stephan Märki ist primär erleichtert. «Endlich gehts los.» Der gute Publikumsandrang im ersten Quartal 2015 werde nun zwar «jäh unterbrochen». Aber dafür entstehe nun etwas «für die Kunst und für die Zuschauer». Märki zeigte sich auch erleichtert, dass der publikumswirksame Eingangsbereich bis Saisonbeginn Ende Oktober erneuert wird.

Stadtbaumeister Pfluger geht «fest davon aus», dass es nicht mehr zu einer dritten Verzögerung kommen wird. Sollte es trotzdem zu Überraschungen kommen, ist zumindest für eine reibungslose Kommunikation gesorgt. «Die Zusammenarbeit zwischen Stadt, Projektverantwortlichen und KTB hat sich vertieft», sagte Pfluger. (Der Bund)

Erstellt: 02.04.2015, 07:26 Uhr

Artikel zum Thema

Stadttheater-Sanierung: Zweite Etappe beginnt

Im Stadttheater Bern beginnt am Osterdienstag die zweite Bauphase. Mehr...

Grosser Wechsel am Stadttheater

Von den elf festen Mitgliedern des Schauspielensembles von Konzert Theater Bern werden nur vier unter der neuen Leitung weiter auftreten. Mehr...

«Ich frage: Was ist das Problem, wie lösen wir es?»

Christina Daletska ist ein Aschenbrödel, aber nur im Stadttheater. Im realen Leben bekämpft sie Unrecht – als «Amnesty»-Botschafterin. Mehr...

Werbung

Immobilien

Kommentare

Promotion

Kostenlose Ebooks

Laden Sie in unserem Weiterbildungs-Channel kostenlos Ebooks herunter.

Die Welt in Bildern

Abgetaucht: In Zürich geniesst man die sommerlichen Temperaturen mit einem Bad im See. (26. Mai 2017)
(Bild: Walter Bieri) Mehr...