Der ehemalige König von Biel gehört in Bundesbern zum Fussvolk
Von Reto Wissmann. Aktualisiert am 05.10.2011 1 Kommentar
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Hans Stöckli taucht an diesem Morgen nicht auf. Fleissig verteilen die SP-Nationalratskandidaten Matthias Aebischer, Nadine Masshardt oder Flavia Wasserfallen auf dem Berner Bahnhofplatz Gipfeli an die Pendler, doch vom Stargast fehlt jede Spur. Dabei war der Wahlkampfanlass als «Gipfeltreffen» mit dem Ständeratskandidaten angekündigt. Später am Telefon fällt Stöckli aus allen Wolken: «Total verschwitzt!» Statt in Bern zeigte sich der Präsident der Tourismusdestination Jura-Dreiseenland und des Turnfests 2013 am bernischen Tourismustag in Belp.
Einer, der begeistern kann
Jeder kann einen Termin vergessen. Ein bisschen ist die Episode aber schon symptomatisch. Bereits als Stadtpräsident liess Stöckli gerne auf sich warten, und die parteipolitische Knochenarbeit überlässt er unterdessen lieber anderen. Doch die Genossen verzeihen es ihm, denn sie wissen, was sie an ihrem «Hans ins Stöckli» haben. Nicht umsonst schickten sie ihn ins Rennen um den im März an die SVP verlorenen Ständeratssitz – und nicht eine der parteiinternen Gegenkandidatinnen.
Stöckli kann begeistern, ist witzig, schlagfertig, engagiert, bodenständig, und er kann einem Adrian Amstutz Paroli bieten. Ausserdem hat der 59-jährige Fürsprecher nach seinem Rücktritt als Stadtpräsident von Biel viel Zeit und nutzt diese gekonnt, um einen aktiven, professionellen und originellen Wahlkampf zu führen. Stöckli kann dabei auf seinen beachtlichen Leistungsausweis als Exekutivpolitiker verweisen und von einem Profil profitieren, das Wählerinnen und Wähler bis in die Mitte hinein anspricht. Erst kürzlich hat gar eine Schar namhafter Wirtschaftsvertreter öffentlich für den Sozialdemokraten geworben. Wenn im Kanton Bern derzeit jemand für die SP einen Ständeratswahlkampf gewinnen kann, dann Stöckli.
Der Expo-Macher
Neun Monate nach seinem Rücktritt als Stadtpräsident ist der Glanz des ehemaligen Königs von Biel noch nicht verblasst. Über das Seeland hinaus bleibt Stöckli als pragmatischer Macher in Erinnerung, der massgeblich zum Gelingen der Expo.02 beigetragen und mit seiner Begeisterung eine ganze Region angesteckt hat. In Biel selber verdankt man ihm nicht weniger als den Aufschwung der einstigen Krisenstadt. Mit einer schlauen Finanz- und Landpolitik, grossem persönlichem Engagement und bei Bedarf ein bisschen Rücksichtslosigkeit sanierte er die Stadtkasse, lockte neue Unternehmen nach Biel und sorgte für eine rasante Aufwertung des öffentlichen Raums. «Das war eine wunderbare Zeit», sagt Stöckli rückblickend.
Etwas weniger wohl scheint sich Stöckli als Bundesparlamentarier zu fühlen. Von Nationalrat Stöckli hört man wenig, Beobachter beschreiben ihn im Parlament als Hinterbänkler. Was für ein Kontrast zum Stadtpräsidenten Stöckli, der Biel 20 Jahre lang unangefochten beherrschte! Anstatt Grossprojekt um Grossprojekt zu realisieren, muss er sich nun in der SP-Bundeshausfraktion unter vielen Alphatieren behaupten und um politische Nuancen feilschen.
So richtig Tritt gefasst hat er dabei, auch sieben Jahre nachdem er für Rudolf Strahm nachgerutscht ist, noch nicht. Stöckli will das selber gar nicht abstreiten. Zunächst sei das Amt des Stadtpräsidenten vorgegangen, jetzt nehme der Ständeratswahlkampf viel Zeit in Anspruch. «Bisher hatte ich gar keine Ambitionen, mein Temperament in der Fraktion spürbar wirken zu lassen», sagt er. Etwas mehr Engagement bei Grundsatzdiskussionen oder Richtungskämpfen hätte sich seine Fraktion aber durchaus gewünscht.
Stöcklis Pragmatismus
Egal ob es mit dem Einzug in den Ständerat klappt oder ob Stöckli «nur» Nationalrat bleibt, in Zukunft will er in Bundesbern «spürbar» mehr Einfluss nehmen. Dabei sucht er aber nicht etwa den grossen Medienauftritt: «Dieses Bedürfnis wurde während meiner Zeit als Stadtpräsident zur Genüge befriedigt.» Vielmehr will Stöckli unter anderem in der meist unspektakulären Geschäftsprüfungskommission und in staatsrechtlichen Fragen mehr Verantwortung übernehmen. Dabei versuche er, nicht zum strammen Parteisoldaten zu werden, sondern seine eigenständige realpolitische Linie beizubehalten. Eine Analyse aller Abstimmungen im Nationalrat der letzten vier Jahre lässt allerdings Zweifel aufkommen, ob Stöckli seiner Linie bisher tatsächlich treu geblieben ist.
Im Links-rechts-Schema liegt er klar auf Parteilinie und nicht am rechten Rand der Fraktion, wo er sich selber sieht. Vielleicht liegt das an den eher feinen Unterschieden zwischen rechtem und linkem Flügel der Fraktion, vielleicht aber auch an Stöcklis Pragmatismus. Wenn die Stimmenverhältnisse klar seien, lohne es sich nicht, sich mit abweichendem Abstimmungsverhalten Ärger mit der Fraktion einzuhandeln, sagt Stöckli. Wenn es aber darauf ankomme, bleibe er sich durchaus treu. So habe er kürzlich etwa für die Managed-Care-Vorlage oder für zusätzliche Mittel für den Tourismus gestimmt – entgegen dem Willen seiner Fraktion. (Der Bund)
Erstellt: 05.10.2011, 08:22 Uhr
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1 Kommentar
Als ehemaliger langjähriger Stadt Präsident, heutiger Nationalrat erfüllt Hans Stöckli alle poltischen und menschlichen Voraussetzungen um in die kleine Kammer gewählt zu werden. Dabei er hat er sich viel vor genommen und will sich voll und ganz dafür einsetzen. Das das braucht einen SP Mann weli wir alle soziale Sicherheit brauchen. Nur mit Bürgerlichen kommt das Volk schlecht weg! Antworten
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