Der Zebrastreifen wird bei Schnee noch gefährlicher
Von Matthias Raaflaub. Aktualisiert am 20.12.2011 14 Kommentare
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Am Montag gingen Bernerinnen und Berner zum ersten Mal in diesem Winter in einer verschneiten Stadt zur Arbeit. Am frühen Morgen waren manche Strassen schneebedeckt, Fussgängerstreifen verschwanden unter einem weissen Teppich. «Heute ist der erste Tag des Winters mit solch anspruchsvollen Strassenbedingungen», sagte Thomas Baumgartner, Chef Verkehr und Umwelt der Kantonspolizei, gestern auf Anfrage.
Die Polizei hat schon vor Beginn der kalten Jahreszeit darüber informiert, dass 2011 weit mehr Menschen ihr Leben bei Unfällen im Strassenverkehr verloren haben als in den Vorjahren – viele davon auf Fussgängerstreifen. Am vergangenen Samstagnachmittag starb ein 34-jähriger Fussgänger bei einem Unfall in Täuffelen. Ist die Situation wegen des Schnees gefährlicher? Ja, sagt Baumgartner. «Wenn Schnee liegt und die Strassenmarkierungen nicht mehr sichtbar sind, müssen alle Verkehrsteilnehmer noch aufmerksamer sein als sonst.»
Hoffnung auf «Sinneswandel»
Baumgartner gewann gestern früh in der Stadt zwar einen positiven Eindruck. «Viele Verkehrsteilnehmer verhalten sich angesichts der prekären Verhältnisse verantwortungsvoll und nehmen Rücksicht aufeinander.» Das sei erfreulich. Baumgartner führt diese Vorsicht nicht nur auf die prekären Strassenverhältnisse, sondern auch auf die Unfallserie auf Fussgängerstreifen in den letzten Wochen zurück – und auf repressive Massnahmen der Kantonspolizei. «Es ist zu hoffen, dass tatsächlich ein gewisser Sinneswandel stattgefunden hat.»
30 Unfälle im Kantonsgebiet
Prekäre Strassenverhältnisse üben auf Fussgänger und Autofahrer von selbst eine mässigende Wirkung aus – könnte man meinen. Dem ist laut Polizei aber nicht unbedingt so. So konnte man gestern auch beobachten, wie Autofahrer Passanten am Strassenrand ignorierten und schneebedeckte Fussgängerstreifen ohne zu bremsen überfuhren oder dass Passanten ohne Vorsicht die Strasse überquerten. Noch vor dem Mittag verschickte die Kantonspolizei eine erste Unfallbilanz. Von Mitternacht bis 10.30 Uhr hatten sich auf dem Kantonsgebiet bereits 30 Unfälle ereignet. Vier Personen wurden verletzt. Zum Unfall kam es in den meisten Fällen, weil die Autolenker mit zu hoher Geschwindigkeit unterwegs waren, wie es in der Meldung heisst. Baumgartner rät Fussgängern darum, sich im Strassenverkehr aufmerksam und nachsichtig zu verhalten. «Im Moment ist es extrem wichtig, dass Fussgänger ihr Vortrittsrecht sorgfältig ausüben. Man darf sich nicht blind darauf verlassen, dass der Autofahrer keinen Fehler macht.»
Keine Spezialbehandlung
Die Fussgängerstreifen werden im Zuge der Strassenräumung von Schnee und Eis befreit. In der Stadt Bern werden jene auf den Hauptverkehrsachsen als erste freigeräumt. «Heute früh sind wir um 4.15 Uhr ausgerückt, drei Stunden später ein zweites Mal», sagte gestern Martin Schneider, Leiter Strassenreinigung und Winterdienst. Dennoch müssten die Automobilisten das Tempo den Verhältnissen anpassen. «Meine Leute geben alles. Nichtsdestotrotz ist es bei einem so grossen Stadtgebiet nicht möglich, auch die letzte Strasse freizuräumen.» Der gestrige Vormittag sei für die Jahreszeit jedoch kein aussergewöhnlicher Tag gewesen.
Um die Räumung der Kantonsstrassen kümmert sich das kantonale Tiefbauamt. Laut Kantonsoberingenieur Stefan Studer werde den Fussgängerübergängen «sehr hohe Bedeutung» zugemessen. Wie in Bern werden sie aber nicht separat, sondern im Zuge der Strassenräumung von Schnee und Eis befreit und gesalzen. Eine Spezialbehandlung für Fussgängerstreifen gibt es nicht. Bekannte kritische Stellen würden vorrangig freigeräumt. «Unsere Leute kennen die gefährlichen Stellen. Wo möglich intervenieren sie rasch.»
Warten, bis das Auto anhält
Besonders gefährlich bleibt die Strassenquerung für Kinder. Laut Polizei sind die Kleinen aber so geschult, dass sie sich auch bei schwierigen Strassenverhältnissen sicher bewegen können, sagt Thomas Baumgartner von der Kapo. Sie lernen, nicht über den Fussgängerstreifen zu gehen, bevor das Auto vollständig stillsteht. Dies verhindert, dass sie die Bremswege falsch einschätzen. An dieser klaren Regel sollten sich auch die Autofahrer orientieren, sagt Baumgartner: «Nur verlangsamen oder lichthupen ist falsch.» Blaue Hinweistafeln weisen auf Fussgängerstreifen hin, auch wenn diese von Schnee verdeckt sind.
Passanten wird empfohlen, sich gut sichtbar zu kleiden, also nicht nur dunkle Kleider zu tragen. Auch das Schuhwerk soll den winterlichen Verhältnissen angepasst werden: Auch Fussgänger brauchen «Winterreifen». (Der Bund)
Erstellt: 20.12.2011, 06:46 Uhr
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