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Bern

Der Weg von Ursina und Berna nach Arosa ist lang und steinig

Von Christian Brönnimann. Aktualisiert am 06.04.2011 1 Kommentar

Die Verantwortlichen für einen Bärenpark in Arosa geben sich zuversichtlich, doch das Projekt steht auf wackligen Beinen.

Das Familienglück von Björk, Ursina und Berna wird nicht für immer so harmonisch sein wie heuer, in ihrem zweiten gemeinsamen Frühling. (Adrian Moser)

Das Familienglück von Björk, Ursina und Berna wird nicht für immer so harmonisch sein wie heuer, in ihrem zweiten gemeinsamen Frühling. (Adrian Moser)

Sie werden grösser und grösser – und im Herbst oder im nächsten Frühling wird ihre Mutter Björk sie verstossen. Spätestens dann brauchen Ursina und Berna, die beiden Jungbärinnen im Bärenpark, ein neues Zuhause. Schon seit längerer Zeit läuft die Suche danach auf Hochtouren. Findet sich kein adäquater Platz, droht den Tieren im schlimmsten Fall die Todesspritze.

Mit offensiver Kommunikation hat sich der Bündner Ort Arosa in Poleposition gebracht. Arosa Tourismus will im Eilzugstempo ein 95'000 Quadratmeter grosses Bärengehege bauen, in welchem die Tiere möglichst naturgerecht leben könnten. Gestern informierte die Tourismusorganisation, dass nun alle Fragen bezüglich der «finalen Abklärung» zum Bau des Bärenparks zusammengestellt seien. Zudem sei an einer Sitzung am Montag der Projektleiter gewählt worden: der Verhaltensbiologe und Leiter Tierbereich am Zoo Zürich, Hans Schmid. Bereits im August möchte der Aroser Tourismusdirektor Pascal Jenny im Optimalfall das Baugesuch für das Projekt einreichen. Gebe es keine Einsprachen, sei ein Baubeginn im Herbst möglich, sagt er. Jenny schätzt die Realisierungschancen auf über 50 Prozent, denn «Killerkriterien gegen den Park gibt es keine».

Skepsis von Pro Natura . . .

Allem Optimismus zum Trotz: Es gibt noch viele offene Fragen. Die Ungewissheit beginnt beim Grundstück. Das Gelände für den Bärenpark befindet sich im Besitz der Bürgergemeinde Arosa. Laut Bürgermeister Christian Brunold ist es alles andere als klar, ob das Gelände zur Verfügung gestellt wird. «Es wird sicherlich Diskussionen geben», sagt er. Eine Prognose, wie sich die Bürgerversammlung entscheiden werde, sei kaum machbar. Auch er selber sei noch unsicher, sagt Brunold, habe er doch bis vor kurzem gedacht, dass die Idee eines Bärenparks bloss «ein Gag» sei.

Zudem ist das Gebiet inklusive kleinem Flachmoor im kantonalen Inventar als schutzwürdige Landschaft von lokaler Bedeutung verzeichnet. Hans F. Schneider, Geschäftsführer von Pro Natura Graubünden, hält es für «unrealistisch», dass in Arosa je ein Bärenpark entstehen wird. Pro Natura werde sich in das Verfahren einklinken, sobald ein Baugesuch zur Diskussion stehe. Diplomatisch ausgedrückt, liege eine Einsprache «im Bereich des Möglichen». Denn unter dem Strich gehe es beim Projekt darum, «ein Gebiet intensiver zu nutzen, das nach heutiger Rechtslage so nicht genutzt werden kann» – und zwar nicht nur für das Gehege, sondern auch für die Zugangswege und die Besucherinfrastruktur.

. . . und aus der Verwaltung

Auch innerhalb der Verwaltung ist Skepsis spürbar: In die Vorprüfung involviert sein wird das kantonale Amt für Jagd und Fischerei. Dessen Leiter, Georg Brosi, sagt: «Gehegehaltung von Wildtieren wird in Graubünden in der Regel abschlägig beurteilt. Wir haben genug Wildtiere in Freiheit und an Zoohaltung keinen Bedarf.» Tiere in Gehegen seien für den Bündner Tourismus nicht die richtige Erlebnisform.

Bewilligungsinstanz in Sachen Tierschutz ist das Amt für Veterinärwesen. Laut Thomas Bürge, dem Leiter der Fachstelle Tierschutz, gibt es im ganzen Kanton derzeit keine registrierte Haltung von einheimischen Wildtieren zu Zoozwecken. Zum Projekt Bärenpark könne er noch keine Auskunft geben, da es noch nicht konkret sei. Bestimmt werde sein Amt den Entscheid aber «nicht ohne Konsultation» des Amts für Jagd und Fischerei treffen. Überdies ist auch die Finanzierungsfrage des Aroser Bärenparks ungeklärt. Schätzungen zufolge wird das Projekt mit zwei bis drei Millionen Franken zu Buche schlagen. Hinzu kommen die laufenden Betriebskosten. Tourismusdirektor Jenny rechnet damit, die Mittel durch Spenden und Beiträge von Stiftungen, Hoteliers, Bergbahnen, der Gemeinde Arosa und anderen Institutionen und Personen aufzutreiben. Man werde aber erst mit der Sammlung beginnen, wenn die Baubewilligung vorliege. Zuerst gehe es nun darum, praktische Dinge zu klären. Zum Beispiel die Fragen, wie das Gehege wintersicher ausgestaltet werden kann – dass also die Bären auch bei viel Schnee nicht über den Zaun türmen können – oder ob der Untergrund für den Zaunbau überhaupt geeignet ist. Den Vorwurf, dass die Bärenpark-Idee bloss eine PR-Aktion sei, wie ihn unter anderem der Berner FDP-Stadtrat Mario Imhof an der letzten Parlamentssitzung am Donnerstag geäussert hat, lässt Jenny nicht gelten. «Dass die Mitglieder von Arosa Tourismus einen Projektierungskredit von 300'000 Franken gesprochen haben, ist doch ein eindeutiges Zeichen dafür, dass es uns ernst ist», sagt er. Die Lage von Ursina und Berna sei zwar der Anstoss für die Idee gewesen, doch hänge das Projekt nicht davon ab, ob es realisiert sei, bevor die beiden Berner Mutzen verstossen werden. Komme es zu Verzögerungen, könnten auch andere Bären nach Arosa geholt werden, sagt Jenny.

Auch andere Optionen prüfen

Die Verantwortlichen beim Tierpark Dählhölzli sind sich der unsicheren Lage in Arosa bewusst. Sie suchen auch anderswo nach einem Platz für Ursina und Berna. Dennoch liess sich Tierparkdirektor Bernd Schildger in der gestrigen Medienmitteilung mit der Aussage zitieren, dass «kaum ein anderes Gebiet in der Schweiz derart für einen Bärenpark geeignet» sei wie Arosa. Gestern war niemand erreichbar, um über den Stand der Abklärungen Auskunft zu geben. Gemäss einem Bericht der «Berner Zeitung» von Mitte März sind aber zumindest die Umzugsoptionen in die «Refuge de l’arche» in der Normandie sowie in den Tierpark in Kolumbien vom Tisch. (Der Bund)

Erstellt: 06.04.2011, 09:43 Uhr

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1 Kommentar

Mario Imhof

06.04.2011, 11:21 Uhr
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Das sieht wie schon lange vermutet schlecht aus. Für die kleinen Berner-Mutzen, Urs und Berna, geht es um Leben und Tod. Die Mehrheit im Berner Stadtrat hat da leider bereits das Todesurteil per Giftspritze legalisiert. Darum wäre es langsam Zeit, wenn sich nun der Stadtpräsident um das Leben unserer Wappentiere kümmern würde. Antworten



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