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Der Neubeginn der Berner FDP wurde vertagt

Von Reto Wissmann. Aktualisiert am 08.12.2011 3 Kommentare

Nach der historischen Wahlniederlage versucht die FDP wieder Tritt zu fassen. An der Delegiertenversammlung in Ittigen fiel der Partei aber selbst das Wundenlecken schwer.

Verhaltene Stimmung am Mittwochabend in Ittigen: Die abtretende FDP-Leitung Peter Flück und Corinne Schmidhauser.

Verhaltene Stimmung am Mittwochabend in Ittigen: Die abtretende FDP-Leitung Peter Flück und Corinne Schmidhauser.
Bild: Manu Friederich

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In Ittigen ist die FDP-Welt noch in Ordnung: Bei den Nationalratswahlen kam der Freisinn auf fast 15 Prozent, im Gemeinderat stellt die FDP-nahe Bürgervereinigung die Mehrheit, und FDP-Grossrat und Gemeindepräsident Beat Giauque präsidiert derzeit erst noch das Kantonsparlament. Doch die Kantonalpartei, die sich gestern Abend im Haus des Sports in Ittigen versammelte, hat dennoch nichts zu feiern. Im Gegenteil: Der Versuch, ihren Ständeratssitz zurückzuerobern, ist kläglich gescheitert. Im Nationalrat verlor sie zwei von vier Sitzen. Ihr Präsident Peter Flück wurde abgewählt. Nächste Woche muss sie die Abwahl ihres Bundesrats Johann Schneider-Ammann fürchten. Und auch für die Stadtberner Wahlen Ende 2012 ist ihre Ausgangslage äusserst ungemütlich.

Keine Aufbruchstimmung

Höchste Zeit also für einen Neubeginn. Dass die FDP dies nach ihrem Absturz bei den Kantonswahlen erst kürzlich versucht hat und dass die damaligen Hoffnungsträger, Präsident Peter Flück und Vizepräsidentin Corinne Schmidhauser, bereits wieder abdanken, macht die Sache nicht einfacher. Beschönigt wurde darum gestern gar nichts. «Wir haben eine kapitale Niederlage erlitten», so Flück. Schuld seien aber nicht etwa die Wahlkampagne oder die Kandidierenden. Vielmehr sei es vor allem die neue Konkurrenz durch BDP und GLP gewesen, die der FDP zu schaffen gemacht habe. Flück kritisierte aber auch die nationale Partei, die es versäumt habe, bei wichtigen Themen wie etwa der Atomenergie klar Stellung zu beziehen. Darunter leiden offenbar auch die Sektionen: «Acht von zehn Personen treten wegen der nationalen Politik aus der FDP aus», sagte Ruedi Lanz, Präsident der Sektion Langenthal.

Die FDP-Delegierten hatten gestern aber keine Lust auf eine Grundsatzdiskussion. Von Aufbruchstimmung war nichts zu spüren. Weder über die Gründe der Niederlage noch über Rezepte für die Zukunft mochten sie debattieren. Es wurde zwar höflich applaudiert, ansonsten aber vor allem geschwiegen. Selbst Flücks Anregung, dass sich die FDP künftig als Zehnprozentpartei personell und thematisch stärker fokussieren müsse und nicht weiter ein so breites politisches Spektrum abdecken könne, wurde nicht viel mehr als zur Kenntnis genommen. Am Rande der Veranstaltung gab es aber doch noch Widerspruch: Trotz breitem Spektrum könne man glaubhaft liberale Ideen vertreten, sagte Nationalrätin Christa Markwalder. Sie markiert den linken Rand der Partei, während Nationalratskollege Christian Wasserfallen in der FDP rechts steht. Der Erfolg des Berner Duos zeige eines, so Markwalder: «Eine Volkspartei braucht ein breites Spektrum.» Auch wenn die Berner FDP nur noch knapp zehn Prozent Wähleranteil habe, müsse sie Volkspartei bleiben und dürfe nicht nur einer bestimmten Klientel dienen.

Zuerst Strategie, dann neue Köpfe

Flück und Schmidhauser zogen gestern wie angekündigt die Konsequenzen aus dem Wahldebakel und traten zurück. Das Präsidium der Berner FDP wird erst im Mai neu besetzt. Bis dahin leitet der Bieler Grossrat Pierre-Yves Grivel die Partei interimistisch. Er wolle im kommenden halben Jahr etwas Ruhe in die Sache bringen und Gespräche mit der Basis sowie mit Amtsträgern führen. Erst wenn die Grundzüge der Zukunftsstrategie bekannt seien, könne die neue Führung bestimmt werden. Am 21. Januar wird sich die Partei an einer Klausurtagung auf die Suche nach Ideen für einen Neubeginn machen. Die uninspirierte Delegiertenversammlung gestern Abend lässt aber wenig Hoffnung aufkommen, dass die FDP rasch wieder Tritt fasst. (Der Bund)

Erstellt: 07.12.2011, 22:32 Uhr

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3 Kommentare

Patrick Minder

08.12.2011, 08:40 Uhr
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Typisch: nur das "negative" in der Presse erscheint. Das z.B. die jungfreisinnigen ihr erfolgreiches Referendum gegen die Buchpreisbindung (60'000 Unterschriften) vorgestellt haben, die Wiederwahl zweier jungfreisinnigen Nationalratsmandate gefeiert werden konnte, das 39 Junge für die FDP kandidierten und Aufbruchstimmung herrschte kommt im Artikel nicht rüber! Antworten


Patrick Minder

08.12.2011, 08:39 Uhr
Melden

Typisch: nur das "negative" in der Presse erscheint. Das z.B. die jungfreisinnigen ihr erfolgreiches Referendum gegen die Buchpreisbindung (60'000 Unterschriften) vorgestellt haben, die Wiederwahl zweier jungfreisinnigen Nationalratsmandate gefeiert werden konnte, das 39 Junge für die FDP kandidierten und Aufbruchstimmung herrschte kommt im Artikel nicht rüber! Antworten



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