Der Kampf gegen Killergames ist zu Ende

Die von SP-Kantonalpräsident Roland Näf mitbegründete Vereinigung gegen mediale Gewalt hat sich aufgelöst.

«Die Schweiz wird sich nie zu einer Einschränkung von Verkauf und Vertrieb von Computergames entschliessen», sagt Roland Näf.

«Die Schweiz wird sich nie zu einer Einschränkung von Verkauf und Vertrieb von Computergames entschliessen», sagt Roland Näf. Bild: Franziska Scheidegger

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Sie hätten die Auflösung der Vereinigung bereits letzten Sommer bekannt gegeben, sagen sowohl Mitbegründer Roland Näf als auch Präsidentin und Grossrätin Ursula E. Brunner (SP) unisono. Bloss gemerkt habe es keiner. Und dies ist vielleicht bezeichnend für das Anliegen der verblichenen Organisation. «Die Gewalt in Computergames wird von der Gesellschaft offenbar akzeptiert», sagt Näf auf Anfrage. Leider sei es nicht gelungen, Leute zur Mitarbeit im Vorstand zu motivieren. Laut Präsidentin Brunner hat der Verein das verbliebene Vermögen in der Höhe von 10'000 Franken den Frauenhäusern in Bern und Thun vermacht.

«Das ist absolut lächerlich»

Die Vereinigung war nur ein Aspekt des Kampfes von Näf gegen Computergames. Im Jahr 2008 verabschiedete der Grosse Rat eine Standesinitiative gegen Killergames, die auf einen Vorstoss Näfs zurückging. Drei Jahre später ist der Vorstoss von National- und Ständerat sistiert worden. Der Bund habe seither einen Bericht in Auftrag gegeben und verlasse sich nun auf die Selbstkontrolle der Produzenten, sagt Näf. Ab 2015 sollen allfällige Massnahmen wieder geprüft werden. «Das ist absolut lächerlich.» Im Geschäft mit Computergames stecke viel Geld drin. «Die Schweiz wird sich nie zu einer Einschränkung von Verkauf und Vertrieb von Computergames entschliessen», sagt Näf.

Der SP-Grossrat hatte sich einst auch juristisch für ein Verbot von Killergames eingesetzt. So zeigte er 2008 den Leiter des Media-Markt Muri an, weil dieser solche verkauft. Das damalige Strafeinzelgericht Bern-Laupen sprach ihn aber frei. Im inkriminierten Game mäht ein schwer bewaffneter Polizist reihenweise Verbrecher nieder. Der Spieler muss fortlaufend töten, um zum Erfolg zu kommen. Die Richterin fand das Spiel weder besonders grausam noch eindringlich, da keine Detaildarstellungen gemacht würden. Näf hält einen Zusammenhang zwischen virtueller und realer Gewalt aber für erwiesen.

Bund prüft Regulierung

Die bernische Standesinitiative ist 2011 gemeinsam mit fünf weiteren Standesinitiativen sistiert worden. Die eidgenössischen Räte hätten bereits zuvor zwei Motionen für die Ausarbeitung von Regelungen verabschiedet, sagt Raphael Frei, Sprecher des Bundesamtes für Justiz. Eine Projektgruppe mit Vertretern der Kantone, des Bundes, der Medienbranche und der Wissenschaft überprüfe die bestehenden Regulierungsmassnahmen der Kantone und der Industrie. Hierzu seien «verschiedene wissenschaftliche Mandate» vergeben worden. In einem weiteren Schritt sollen «geeignete Regulierungsmodelle» ausgearbeitet werden, die dem Bundesrat bis im Sommer 2015 vorgelegt würden, sagt Frei. «Die durch Computergames mitverursachte Gewalt wird wohl erst wieder zum Thema, wenn die nächste Gewalttat für Schlagzeilen sorgt», sagt Näf. (Der Bund)

(Erstellt: 09.04.2014, 10:27 Uhr)

Werbung

Immobilien

Die Welt in Bildern

Alles unter Kontrolle: Am Theater in der indischen Stadt Bengaluru justieren die Beleuchter die Scheinwerfer. (31. August 2016)
(Bild: Abhishek N. Chinnappa) Mehr...