Bern
Der Gurten und der Kapuzenmann
Von Gianna Blum, Martin Erdmann, Hanna Jordi, Benedikt Sartorius. Aktualisiert am 15.07.2012 2 Kommentare
(DerBund.ch/Newsnet)
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Mittag auf dem Gurten
Guten Mittag und herzlich willkommen zum zweiten Tag unserer Berichterstattung vom Gurtenfestival. Wir beginnen den Tag mit einem Tweet von Casper. Der deutsche Sprechsänger staunt: «Poah! Total weit oben!» Und wir staunen zurück, derweil sich das Wetter reichlich zickig zeigt: mal Sonne, mal ganz leichter Regen, nur der Wind, der bleibt konstant.
Und Leute, Leute wird es viele haben, denn der Freitag ist schon längst ausverkauft. Lenny Kravitz wird spielen, Züri West geben ihr grosses Heimspiel in diesem Jahr, und Geheimtipps, die so geheim natürlich nicht mehr sind, wie die früh auftretenden Other Lives, gilt es zu begutachten.
Noch bleibt aber Zeit, um zurückzuschauen auf den Eröffnungstag. Zur Nachlese gibts hier den Ticker vom Vortag – sowie ein weiteres Streiflicht vom Gurtengipfel.
Und man muss leider anfügen, dass sich der Diensthabende noch immer ein wenig hintergangen fühlt von der Darbietung des Gorillaz Sound System, das die Laune auf weitere Soundsysteme nicht gerade gefördert hat.
Item. Heute Freitag spielen folgende Bands auf den drei Bühnen:
Auch zwitschern die anwesenden «Bund»-Redaktoren. Unsere Twitter-Wall findet sich unter www.twitter.derbund.ch
Viel Vergnügen. -
Politprominenz Vol. II
Wir haben Neues zu vermelden von der Politpromi-Front: Heute steht Historiker, Autor und Ex-Nationalrat der Grünen Jo Lang am Fusse des Gurtens und weibelt um Unterschriften für die Initiative «Grüne Wirtschaft».
Das Festivalgelände von innen wird er nicht sehen, sagt er, doch die Talstation der Gurtenbahn kennt er bereits gut: «Ich bin schon zum vierten Mal am Gurtenfestival zum Unterschriften sammeln. Speziell wenn die Warteschlange lang ist, sind die Leute signierfreudig», sagt er.
Gestern war bereits Nationalrat Balthasar Glättli auf dem Posten anzutreffen, was «Bund»-Redaktorin Hanna Jordi zum folgenden hoffnungsvollen Tweet veranlasste: «liebe grüne, dürfen wir 2013 mit bastien girod rechnen?» -
Hauptbühne – mit Dick Brave
Charlie Sheen hätte sein Gaudi: In Bowlingshirts gewandete Musiker, so weit das Auge reicht. Das Motto: «Girls and boys, neighbours and friends, are you ready for some Rock'n'Roll?».
Zur Erinnerung: Das war Dick Brave im Jahre 1999:
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Politprominenz Vol. III
Wir begegnen ihm am Fusse des Zeltbühnenhügels: Bernhard Eicher, seines Zeichens FDP-Stadtrat, Gemeinderatsaspirant, Guerilla-PR-Profi – und Glacéverkäufer. Der Job hat bei ihm Tradition: «Seit Jahren schon» hängt er sich am Gurtenfestival die Eislade um den Hals, um täglich für ein paar Stunden KMU-Luft zu schnuppern.
Das Fazit eines jungen Vormittags: Eine positive Geschäftsbilanz lässt aufgrund der kühlen Temperaturen auf sich warten. Zur Aufheiterung erreichen Bernhard Eicher wohlmeinende Grüsse aus den Niederungen Berns: Hier gehts zur Postkarte. -
Die Ruhe vor dem Regen
Noch ist es trocken auf dem Gurten, aber den Regenschutz sollte man vorsorglich schon einpacken – wie auch Gummistiefel. Diese sind auch zur Zwischennutzung überaus hilfreich, wie dieser Tweet zeigt.
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Other Lives auf der Zeltbühne
Ja, es gibt sie, die Bands, für die sich ein Gurtenbesuch am frühen Nachmittag lohnt. Dieses Jahr waren dies die Other Lives, die sich derzeit auf einer Monster-Festivaltournee befinden. Alleine in der Schweiz spielen die Amerikaner vier Festival-Konzerte.
Mit Geige, Cello, Bärten, einer Shrutibox und Songs, die melancholisch nahhallen, spielten sich die fünf um Sänger Jesse Tabish durch ein mythisch umwehtes Set. Und dieses schön aufgenommene Konzert zeigt auch, dass die Party durchaus stoppen darf – um gepflegt und bewegend Trübsal zu blasen. -
Politprominenz Vol. IV – Breaking News
Morgen an der Talstation sammelt Bastien Girod Untergramme – der Wunsch von Kollegin Jordi wurde schnell erhört, wie dieser Tweet beweist: «Bin morgen am Gurten am sammeln (zwischen 12und 17uhr).»
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Casper
Wer ist in der diesjährigen Gurtenausgabe führend in den Kategorien Mikrofonpropeller und Publikumsanimation? Antwort: Casper. Der äusserst gut aufgelegte Bielefelder beehrt die Hauptbühne mit seiner Rap-Rock-Legierung. Er trifft den Nerv der zeitig angereisten Gurtengänger reihenweise, da wird heftig gehüpft und fleissig Hände gen Himmel gestreckt.
Unterstützend bei der Casper'schen Charmeoffensive: Seine Seitenhiebe gegen Fussballplatzfeind Basel und Loblieder auf die Bundeshauptstadt: «Wunderschöne Leute, wunderschöne Stadt.» So kann es getrost weitergehen. -
Wo es wehtut
In Bälde hier im Live-Ticker: Wo es weh tut. Todesmutig schaut sich das Team von DerBund.ch/Newsnet dort um, wo man sonst - wenn überhaupt - eher nach Konzertende landet, den Domes, Nebenschauplätzen und auf halber Berghöhe an der Gurtenbar. Erfahrungsberichte folgen.
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Wo es weh tut Vol. I - Bacardi Dome
Eins muss man sagen: Die Aussicht auf das Gurtengelände ist fomidabel im Bacardi Dome. Dafür würde die umsichtige Zeitgenossin ihren Drink hier kaum unbeaufsichtigt herumstehen lassen. Aus den Boxen erklingt «Staying Alive» von den Bee Gees. Wir hoffen das Beste.
Sobald die Musik auf der Hauptbühne ausgeht, darf der DJ (Mc Flury derzeit) dann so richtig aufdrehen. Und das kostet er aus: Zu hören bisher: Ein waghalsiger Mix aus Discotunes, Eminem und – Herrje, ist das lange her – Crazy Town. -
Oh Helga, where are thou?
Früher, da hat man doch noch an jedem Festival in diesem Land nach der berühmten Helga gerufen, wer immer sie auch ist. Auf dem diesjährigen Gurten aber ist die Dame verdächtig abwesend. DerBund.ch/Newsnet hat sich auf die Suche nach Helga gemacht.
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Wo es weh tut Vol. II - Parisienne Block
Man dringt ins geheime Herz des Gurtenfestivals vor: Dort wo die Party People gravitätisch im Elektro-Takt tanzen. Zugegeben, die Papier-Discokugeln, die haben schon Klasse.
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Gerüchteküche: Wetter
Eilmeldung aus der Twitter'schen Gerüchteküche: In einem Tweet wird innerhalb der nächsten 15 Minuten mit Regen gedroht.
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Wo es weh tut Vol. III - Bacardi Dome
Inzwischen ist es so richtig voll im Bacardi Dome. Dass Yodelice auf der Zeltbühne spielt, interessiert hier niemanden. Zu sehen sind: Gereckte Discofinger und Paartanz. Doch plötzlich: Die Discofinger erschlaffen, es wird besinnlich: Die ersten Takte von Züri Wests «Blues» erklingen.
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Wo es weh tut Vol IV - Parisienne Block
Der Parisienneblock wird langsam zum Place to Be, denn zarter Regen setzt ein. Derweil heisst hier bei der Besucherschaft das Motto «immer weiter»: weitertanzen, weitertrinken - und die Sonnenbrille immerzu weitertragen.
Tränen, Polterabende, Biertrinken aus dem Schuh, und ein schöner Mix, der mehr tanzt als das unsägliche Gorillaz Sound System, kurz: hier ist das ganze Festivaldrama drin, im Zigaretten-Block. Deichkind würden singen: «Leider geil». -
Vor der Hauptbühne
Und vorbei ists mit dem trockenen Wetter: Pelerinen sind kurz vor dem Heimspiel von Züri West das begehrteste Kleidungsstück und der Gurten verwandelt sich in einen Plastikstrand.
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Züri West
Züri West geben ihr Regendebüt auf dem Gurten. Die gelben Pelerinen sähen ziemlich «Hopp-YB-mässig» aus, so Kuno Lauener, nachdem er bereits in «Göteborg» den nunmehr ehemaligen YB-Präsidenten Benno Oertig grüsste – sowie die Fahrt auf den Gurten rein skizzierte. Ein schöner Auftakt.
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Politprominenz Vol. V
Politik der besonderen Art an der Gurtenbar: Berns Polit-Supergroup Fraktionszwang spielte bei der Mittelstation der Gurtenbahn. Da wäre nur noch das Problem mit dem Rock 'n' Roll.
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Der Gurten und das Geld
Wie steht es um die Finanzen der Gurten-Besucher? Wie viel wird auf dem Berg liegen gelassen? Eine kleine Umfrage gibt Anhaltspunkte.
Martina aus Wil: «Ich habe mir ein Budget von 200 Franken gesetzt. Der 4-Tages-Pass war schon teuer genug. Mehr kann ich mir nicht leisten. Bis jetzt liege ich im Plan. Gestern habe ich, wie geplant, nur 50 Franken ausgegeben.»
Rahel aus Basel: «Ich habe mir kein Budget gesetzt. Wenn ich schon hier bin, dann will ich es mir auch gut gehen lassen. Das meiste Geld werde ich wohl für Bier und Essen ausgeben. Aber nach dem Gurten ist dann wieder Sparen angesagt.»
Dominik aus Bern: «Ich habe 250 Franken dabei. Mehr möchte ich nicht ausgeben. Mal sehen wie weit ich damit komme. Am Sonntag werde ich aber sicher wieder pleite sein.»
Sandro aus Zürich: «Ich werde nicht viel ausgeben, höchstens 100 Franken. Ich trinke kein Alkohol deswegen komme ich billiger davon.»
Lea aus Fribourg: «Mein Freund hat mir zum Geburtstag einen Abend auf dem Gurten geschenkt. Deshalb habe ich gar kein Geld dabei. Ihn wird es aber einiges kosten.» -
Garstige Verhältnisse, magische Momente
Ja, es gibt sie, die Tränen der Rührung – auch bei einem Hauptbühnenkonzert. Und man darf diese verzeichnen während der nostalgischen Plattenladenode «Rain Dogs Learning to Crawl», die Züri West im langen Zugabeblock unterbrachten. Überhaupt lagen die magischen Momente nicht in den zunehmend abgegriffenen Hits, sondern im grossen «När bring i wieder öpper um» oder dem schon jetzt klassischen Live-Lied «Gitarre-Johnny».
Wieso denn alle Berner Loser nun allesamt Johnny heissen? Nun, das weiss der sommervergrippte Kuno Lauener nicht – und schlägt als Alternativen Jimy oder Benno vor, während die Wetterverhältnisse garstig bleiben. -
Lenny Kravitz – immer On the Run
Come on and get him: Kapuzenmann Lenny Kravitz schmeisst sich bereits im ersten Song an seinen Gitarristen (Typ: Slash-Verschnitt), schnappt sich sein Gibson-Modell und erzählt, was die Mutter einst gesagt hat. Doch natürlich bleibt Lenny on the run, immer. Flankiert wird der Mann von einer Reihe äusserst schmissiger Bläser.
Zur Erinnerung und weils so schön war: Lennys Kehrseiten-Skandal-Video «Again»: -
Tiefer als die Gürtellinie
Während Lenny Kravitz auf der Hauptbühne Melodien für die Massen spielt, treffen sich unter dem Zelt der Bamboo Bar Fans von Punchlines, die tiefer gehen als die Gürtellinie. Denn die werden von Eldorado FM ordentlich bedient. Eldorado FM sind Tommy Vercetti (Bern), Desmond Dez (Bern), Manillio (Solothurn), CBN (St. Gallen) und Capo+Fabsho (Luzern). Die Crew spielt sich durch ihre längst legendäre Mixtapereihe, die momentan die vierte Ausgabe erreicht hat.
Die Rapper haben ihre Crowd im Griff. Diese kann die Texte zum Teil besser auswendig als deren Schreiber und die Hooklines werden brav mitgerappt. Besonders gut kommen die Tracks mit Bernbezug an. Anscheinend kommt der Grossteil des Publikums aus Bern Ost. Zumindest lässt sich das aus Tommy Vercettis Nachfrage schliessen. -
Lenny fliegt weg
Lenny Kravitz erbarmt sich der Zuschauer und bringt «Fly Away» als Zugabe:
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Und weiter gehts, scheinbar
Lenny Kravitz scheint ob der beeindruckenden Springfähigkeit der Pellerinen-Menschen bei «Are You Gonna Go My Way» seine Festivalroutine kurzzeitig zu vergessen, kehrt nach seinen «Peace»-Rufen nochmals zurück, sagt nochmals «Peace», ehe Jimi Hendrix mit «All Along Watchtower» übernimmt – ab Konserve natürlich.
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Wettersituation
Der Regen ist vorläufig zu Ende – doch der teilweise böige Wind, der war kurzzeitig giftig. Ein Tipp für die Nacht in der Sleeping Zone: Zelte gut anbinden.
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Gute Nacht!
Während Don Rimini leuchtet, beenden wir unsere Berichterstattung vom zweiten Gurten-Tag. Wir wünschen wiederum eine geruhsame und hoffentlich nicht zu kalte Nacht. Ab Mittag berichten wir wieder direkt vom Gurten.
Erstellt: 13.07.2012, 12:23 Uhr
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2 Kommentare
So ein Bassgewummer vom Gurten runter, wie in diesem Jahr, habe ich noch nie gehört. Es ist halb 2 in der Nacht und an Schlaf nicht zu denken. Ich glaub, die werden von Hörgeräteherstellern gesponsert. Oder von der Vereinigung der HNO-Ärzte. Antworten
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