Der Einkaufswagen als mobiler Garten

Die Stadtgärtnerei will ab diesem Frühling auf ungenutzten Asphaltflächen in der Stadt Bern «mobile Gärten» anbieten. Ausrangierte Einkaufswagen etwa dienen als Pflanzenbeet – und tragen zur Stadtverschönerung bei.

Ein Prototyp der mobilen Gärten auf dem Areal der Stadtgärtnerei.

Ein Prototyp der mobilen Gärten auf dem Areal der Stadtgärtnerei. Bild: zvg

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Ein ausrangierter Einkaufswagen auf einem Betonplatz, darin schwarze Erde und ein blühendes Beet mit Cherrytomaten und Kopfsalat. Das ist nicht etwa die abgedrehte Vision grüner Konsumkritiker, sondern Berns urbane Zukunft: Vergessen Sie den Grossverteiler und den Bioladen, vergessen Sie den Bauernhof. Den eigenen Salat pflanzt der Berner bald vor der Haustür, im mobilen Gemüsegarten im Quartier.

Noch in diesem Frühjahr will die Stadtgärtnerei ungenutzte «befestigte» Böden beleben, wie sie gegenüber DerBund.ch/Newsnet bestätigt. In mobilen Behältnissen sollen die Leute ihr privates kleines Gemüsebeet anpflanzen dürfen. Walter Glauser, Bereichsleiter Familiengärten der Stadtgärtnerei, sagt zum Pilotprojekt auf Anfrage: «Immer mehr Leute wollen heute wissen, woher ihr Salat stammt. Ihnen wollen wir die Möglichkeit bieten, im Quartier in unmittelbarer Nachbarschaft eigenes Gemüse anzubauen.»

Gemüse zwischen Tramschienen

Derzeit ist die Stadtgärtnerei auf der Suche nach passenden Flächen. Diese müssen genügend Platz bieten und auch tatsächlich ungenutzt sein. «Der Bundesplatz ist zum Beispiel sicher nicht geeignet», betont Glauser. Ins Auge gefasst habe man hingegen etwa das Areal des ehemaligen Tramdepots Burgernziel.

Wo Bernmobil früher seine Trams stationierte, werden also womöglich temporäre Gartenbeete zu stehen kommen. Konkret könnten das dann Palettenrahmen sein. Aber auch sogenannte «Big-Bag»-Säcke, wie sie zum Transport von Erde oder Steinen verwendet werden, hat die Stadtgärtnerei getestet. Ein solches Beet werden Interessierte gegen Entgelt pachten können – Glauser spricht von zehn bis 20 Franken im Jahr. Was der Gärtner dann anpflanze, sei ihm überlassen. Allerdings eigne sich rasch wachsendes Saatgut wohl besser für die eher kleinen Gärten – «Radieschen, Cherrytomaten, alle Arten von Salat». Die Ernte darf der Gärtner selbstverständlich behalten.

Gärten als Beitrag zum Stadtbild

Mit dem Projekt verfolgt die Stadtgärtnerei verschiedene Ziele. Natur und Gärten verstärkt in die Quartiere zu bringen ist eines davon. «Die Gärten sind durchaus auch als Beitrag zum Stadtbild gedacht», bekräftigt Glauser. Zudem wollten heute immer grössere Teile der Bevölkerung ganz genau wissen, wo ihre Nahrungsmittel herkommen. «In den Beeten haben die Leute die Kontrolle – und das praktisch vor der Haustür.» Dass für das Projekt ausgerechnet Einkaufswagen in Gartenbeete verwandelt werden sollen, kommt denn auch nicht von ungefähr. «Die ausrangierten Einkaufswagen haben Symbolkraft», sagt Glauser. Schliesslich sollen auch die Gärten mobil sein. Und für einmal wachsen die Nahrungsmittel tatsächlich transparent vor den Augen des Konsumenten.

Noch müssen sich begeisterte Hobby-Stadtgärtner allerdings etwas gedulden. Die Testphase ist in vollem Gange, von den Einkaufswagen sind erst einige wenige umgespritzt. Ein einziger Wagen steht derzeit als Prototyp im Einsatz – «gut versteckt auf dem Areal der Stadtgärtnerei in der Elfenau», wie Glauser verrät. (DerBund.ch/Newsnet)

(Erstellt: 16.04.2012, 10:13 Uhr)

Urban Gardening

«Guerilla Gardening» oder «Urban Gardening» sind derzeit beliebte mediale Schlagworte. Ersteres benennt Menschen, die öffentliche Flächen bewusst mit eigenem Saatgut bepflanzen. Letzteres meint urbane Biotope – Flecken in der Grossstadt, auf denen jedermann seine Rüebli oder Tomaten pflanzen darf.

Das Guerillagärtnern mag seinen Ursprung durchaus im subversiven Protest grüner Aktivisten haben. Bekannt ist etwa der Zürcher Maurice Maggi, der schon seit 1984 wild Malven säht. Unterdessen hat die Facebook-Gruppe für Guerillagärtnern in Zürich allerdings über 900 Mitglieder, und die Stadt gibt selber Malvenmischungen aus.

Ob «Urban Gardening» im Land der Schrebergarten-Idylle Sprengkraft besitzt, wird sich weisen. Die Stadt Bern verpachtet 2000 Parzellen Land an Familiengärtner. Gemüsegärten oder Kräuterbeete auf dem Balkon gehören hierzulande fast schon zum guten Ton.

Urbane Gärten sind auch in anderen Schweizer Städten ein Thema – beispielsweise in Zürich. (Bild: Nicola Pitaro)

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