Bern

Der Cupfinal als friedliches Fanfest

Von Martin Erdmann, Matthias Ryffel. Aktualisiert am 17.05.2012 1 Kommentar

Bern stand am Mittwoch ganz im Zeichen des Cupfinals. Die Stadt erwartete ein Fussballfest – und auch zwei Märsche der jeweiligen Fanlager, die friedlich und lautstark verliefen. Auch nach dem Spiel blieb es mehrheitlich ruhig.

1/17 Um diesen Pokal ging es am Mittwoch vor Auffahrt in Bern.
Bild: Keystone

   

(DerBund.ch/Newsnet)

  • Zusammenfassung  

    Tausende Fussballfans aus Basel und Luzern haben die Berner Innenstadt am Mittwoch in Cupfinal-Stimmung versetzt. Die Stimmung war ausgelassen und ausgesprochen bierselig. Allen Unkenrufen zum Trotz verliefen die Fanmärsche zum Stadion weitgehend friedlich.

    Der Stadtberner Sicherheitsdirektor Reto Nause zog am Abend eine «vorsichtig positive Bilanz». Das Sicherheitskonzept habe funktioniert, die Fanlager seien getrennt geblieben. Allerdings seien «die üblichen Begleiterscheinungen» wie Knallpetarden und Abfallberge auf den Strassen nicht ausgeblieben.

    Der Grossanlass mit insgesamt 30'100 Zuschauern im Stade de Suisse verlief auch nach Angaben der Kantonspolizei ohne grösseren Zwischenfälle. «Es ist ein Volksfest, wie wir uns das alle erhofft haben», beschrieb Sprecher Michael Fichter die Szenerie rund ums Stadion vor dem Anpfiff.

    Einige Scharmützel gab es trotzdem. Ein Basler Fan musste nach einer Auseinandersetzung hospitalisiert werden, ein Mann wurde angehalten. Ein Basler, der Pyrotechnik auf sich trug, muss mit einer Anzeige rechnen. Eine Schlägerei in Stadionnähe forderte zwei Verletzte.

    Party auf dem Bärenplatz

    Cupfinal-Stimmung war in Bern bereits kurz nach 15 Uhr aufgekommen, als der erste Extrazug aus Luzern den Hauptbahnhof erreichte. Rund 1000 Fans aus der Innerschweiz machten sich auf Richtung Bärenplatz, wo sie mit vielen Gleichgesinnten eine fröhliche Party feierten. Auch FCL-Präsident Walter Stierli war vor Ort.

    Gleich nebenan auf dem Waisenhausplatz begannen sich Fans des FC Basel zu versammeln. Die Polizei stand mit einem Grossaufgebot im Einsatz, brauchte aber nicht einzuschreiten. Gegen 17.20 Uhr setzten sich die Luzerner Fans in Bewegung, um via Altstadt und Bärenpark zum Stade de Suisse zu gelangen.

    Bahnkunden brauchten Geduld

    Starke Beeinträchtigungen mussten die übrigen Bahnkunden ab 18 Uhr hinnehmen, als zwei Extrazüge aus Basel im Hauptbahnhof eintrafen. Teile des Bahnhofs wurden vorübergehend abgesperrt. Das habe sich als richtige Massnahme erwiesen, stellte SBB-Sprecher Christian Ginsig fest.

    Denn an ein Durchkommen wäre für Nicht-Fussballfans sowieso nicht zu denken gewesen. Die Reisenden mussten einen Umweg via «Welle» - den Hinterausgang des Bahnhofs - in Kauf nehmen. Die allermeisten Bahnkunden seien aber über die etwa halbstündige Sperrung informiert gewesen, sagte Ginsig.

    Auch der Basler Fanmarsch via Kornhausplatz ins Breitenrainquartier verlief weitgehend reibungslos. Kurz nach 19 Uhr hatten die FCB-Anhänger das Stadion erreicht.

    Zwei Extrazüge aus Basel waren direkt bis zur S-Bahn-Station Wankdorf gefahren, zwei weitere aus Luzern hatten die Fans ins nahe Ostermundigen gebracht. SBB und Behörden hatten eigentlich gar keine Extrazüge bis zum Bahnhof fahren lassen wollen, doch setzten sich die Fans mit dem Wunsch nach einem Fanmarsch durch.

    Nach Spielschluss verkehrten alle Extrazüge ab Wankdorf oder Ostermundigen. In der Innenstadt blieb es dementsprechend ruhig.

    Rückkehr nach Bern

    Der traditionsreiche Schweizer Cupfinal kehrte nach mehrjährigem Unterbruch in die Bundesstadt zurück. Früher wurde er stets in Bern ausgetragen.

    Fanmärsche waren in früheren Jahrzehnten ebenso üblich wie das Abfeuern von Pyros und Petarden, ohne dass sich viele Leute daran gestört hatten. Nach gewalttätigen Zwischenfällen und Scharmützeln in den letzten Jahren waren die Fanmärsche aber in Verruf geraten. (SDA)

  • Fans sind begeistert  

    Beide Fanlager befinden sich nun vor dem Stade de Suisse. Vorab die Luzerner Fans sind begeistert vom Fanmarsch: «Der Fanmarsch war einer der eindrücklichsten Momente, die ich mit dem FCL erlebt habe. Es war unglaublich, wie lange die Fan-Schlange war», sagt etwa Lukas Meyer aus Kriens. Moritz Hofstetter aus Luzern meint: «Ich habe eigentlich nichts anderes erwartet. Es war mit einem grossen Aufmarsch zu rechnen. Das hat die Mannschaft verdient.»

    Derweil geben sich die Basler abgeklärter: «Für Luzern ist das natürlich eine grosse Nummer. Wir Basler nehmen das schon etwas gelassener. Wir sind uns den Erfolg eben gewohnt», sagt ein weiblicher Fan.

  • Alle da  

    Nun ist alles angerichtet für das erwartete Fussballfest: Die beiden Fanlager hielten sich an die abgemachten Routen – und begeben sich nun bei kühlen Temperaturen ins Stadion. Der Speaker begrüsst: «Liebe Zuschauer und Zuschauerinnen, herzlich willkommen zum Spiel», tönt es aus dem speaker vorm Stade de Suisse.

  • Entspannte Anwohner  

    Wie er den Fanwalk wahrnehme, wird ein Anwohner gefragt. «Äs louft ömu öppis», antwortet er gelassen. Eine andere Frau, die mit ihrem Sohn an der Hand zuschaut, nimmt den Fanmarsch ebenfalls entspannt. Der Sohn sei zwar YB-Fan, das habe er aber sehen wollen.

  • 19:00  

    Auch die Basler Fans sind beinahe am Ziel. Sie passierten singend die Kornhausbrücke und marschieren nun durch die Beundenfeldstrasse. In den Alleen ist es eng, die Seitenstrassen sind von Polizisten versperrt. Schaulustige Anwohner gucken zu – in der Luft hängt zum Teil Petardenrauch.

  • Luzerner beim Stadion  

    Die Luzerner Fans sind bereits beim Stadion. Ihr Fanmarsch verlief friedlich und ohne Zwischenfälle. Einzig vereinzelte Autofahrer störten sich über längere Wartezeiten an Kreuzungen.

    Nach rund einer Stunde Marsch kam die inzwischen über 2000 Fans zählende Gruppe im Stade de Suisse an. Die FCL-Anhänger sind zuversichtlich. Es wird mit einem Sieg gerechnet und, fast wichtiger, mit einer langen Nacht, wie einige Fans hoffen.

  • 18:20  

    Die Basler Fans marschieren los und nehmen den Weg via Kornhausbrücke ins Stadion unter ihre Füsse. Gut 2000 Fans zählt ein DerBund.ch/Newsnet-Reporter vor Ort. Die Fans singen, feiern sich mit Choreos, und lassen Böller knallen.

  • 18:05  

    Während die Basler Fans erst am Bahnhof eintreffen, haben die Luzerner Fans – hier auf der Papiermühlestrasse – den Weg ins Stadion beinahe hinter sich.

  • 18:00 – Railcity gesperrt  

    SBB- und Polizeibeamte erläutern den Pendlern Umwege und Verbindungen. Die Railcity ist während der Ankunft der Basel-
    Extrazüge geschlossen.

  • Reto Nause im Interview  

    Derweil nimmt Sicherheitsdirektor Reto Nause die Fussball-Fans in die Pflicht. Im Interview mit DerBund.ch/Newsnet sagt Nause: «Die Fussballfans müssen jetzt aufzeigen, dass der Cupfinal zwischen Basel und Luzern ein Fussballfest wird und dass es ohne Friktionen und diszipliniert abläuft.» Bisher ist dies der Fall.

    Mittlerweile passierten die Luzerner Fans bereits die Nydeggbrücke.

  • Bisheriges Fazit: «Die Stimmung ist sehr gut»  

    Der Cupfinal-Nachmittag verläuft bisher zwar eher lautstark und friedlich. Die Luzerner Fans haben sich bisher an die zuvor vereinbarte Route gehalten. Nach Ankunft mit dem Extrazug um 15.05 Uhr besammelten sich rund tausend Anhänger auf der Schanzenstrasse vor der Welle.

    Sie bieten ein eindrückliches Bild, als sie sich hüpfend und Sprechchöre brüllend zum Fanmarsch aufstellen. Die Polizei hält sich zurück, am Hirschengraben wartet nur ein Einsatzwagen, wenige Beamte marschieren vor den Fans, die meisten davon in zivil.

    Immer wieder halten die Luzerner auf ihrem Weg in die Innenstadt an, um sich zu sammeln. Sie lassen die zum Teil etwas verschreckten Passanten wissen, wer man ist: «Lozärn isch do!» Auf dem Bärenplatz hält der Tross und lässt sich zum Feiern nieder. Viel mitgebrachtes Bier fliesst, aber auch die umliegenden Restaurants sind schnell besetzt – inklusive Logen.

    Basler früher als erwartet in der Stadt

    Früher als erwartet zeigen sich auch die Basler in der Innenstadt: Rund zweihundert von ihnen nehmen den Waisenhausplatz in Beschlag, vis à vis den ankommenden Luzerner.

    An diesem Punkt tritt denn auch die Polizei ein erstes Mal deutlicher in Erscheinung, sie riegelt zwischen den beiden Plätzen ab, um die Fangruppen zu trennen, übt sich dabei aber in Zurückhaltung.

    Die Basler üben sich auf dem Waisenhausplatz derweil am Ball: Mit kräftigen Kicks fliegen mehrere davon gleichzeitig durch die Luft, zum Teil haarscharf an den Passanten vorbei. Als ein Polizeiauto durchfährt, entgeht es nur knapp den herabsausenden Bällen.

    Der Pass eines Beamten wird dann aber mit lautem Applaus beantwortet. Kurz darauf geht ein Fenster zu Bruch. Viele Schaulustige haben an den Fussballfans dennoch ihre Freude: «Isch doch friedlech», meinen ein paar Berner Jugendliche. Auch als die Fangruppen in Berührung geraten, bleibt es bei einigen träfen Sprüchen und bösen Blicken. Ernsthafte Provokationen bleiben aus.


    Christian Wandeler von der Fanarbeit Luzern zeigt sich erfreut über bisherigen Verlauf des Nachmittags: «Die Stimmung ist sehr gut, die Vorfreude gross!»

    Dass die Fanmärsche doch noch offiziell genehmigt worden sind, sei für ihn die «beste Lösung». Seiner Meinung nach wären die Fans sowieso gekommen. «So kann man die Routen kontrollieren und damit die Sicherheit steigern», sagt er.

    Wandeler lobt auch die zurückhaltende Polizeipräsenz: «Die Fans fühlen sich so jedenfalls nicht provoziert.»

    «Nicht provozieren» – nach diesem Motto verhält sich wohl auch jener Beamte, der eingangs des Fanmarsches der Luzerner noch einen blauweissen Schal über der orangen Weste trug. Als er nämlich auf dem Waisenhausplatz unter Baslern Fans steht, ist von dem Schal nichts mehr zu sehen.

  • 17:15  

    Die Luzerner Fans – mittlerweile bestehend aus geschätzten 2000 Personen – setzen sich nun in Bewegung. Gemäss Augenzeugen sei das Polizeiaufgebot am Bahnhof nun gross.

  • 17:00  

    Die ersten Putzfahrzeuge fahren bereits durch die Schauplatzgasse. Die Stimmung wird immer wie ausgelassener. Fans machen sich langsam zum Abmarsch bereit.

  • 16:00 auf dem Waisenhausplatz  

    Die Basler Fans kicken Bälle auf dem Waisenhausplatz. Auf Fenster wird wenig Rücksicht genommen. Eines geht denn auch zu Bruch. Verdächtig nahe kommen die Bälle manchen Passanten – doch die meisten Schaulustigen nehmens gelassen. Wer denn heute gewinnt? Auf dem Waisenhausplatz ist man sich einig: «Basel!»

  • 15:50  

    Luzerner Fans feiern ausgelassen auf dem Bärenplatz. Die Bäume vor dem Bundeshaus wurden blauweiss geschmückt und passen so zum Gesamtbild. Denn diese Farben regieren zurzeit die Berner Innenstadt. Die Restaurants am Bärenplatz können sich nicht über fehlende Gäste beklagen. Die Stimmung ist genauso feuchtfröhlich wie friedlich.

    Die Luzerner werden den Bärenplatz um etwa 17:15 verlassen – und diesen auch aufräumen.

    Mittlerweile ist der Waisenhaus- vollständig vom Bärenplatz abgeriegelt. Passanten werden nach wie vor durchgelassen, die Luzerner nicht mehr.

  • Bärenplatz  

    Die Polizei hat am Bärenplatz abgeriegelt. Ein eher kleines Aufgebot an Beamten in Vollmontur ist sichtbar. Einzelnen Fangrüppchen wird der Durchang zum Waisenhausplatz aber nicht verwehrt.

    Dort werden von Basler Fans Bälle gekickt und Sprechchöre skandiert. Die Fangruppen bleiben grösstenteils auseinander.

  • 15:25  

    Die Luzerner Fussballanhänger ziehen jetzt durch die Innenstadt, von wenigen Polizisten begleitet. Chöre werden skandiert. Eingangs des Bundesplatzes machen sie Stimmung für ihren Club.

  • 15:15  

    Der Fanzug der Luzerner ist angekommen, der Fanmarsch mit rund 1000 Fans startet wie geplant bei der «Welle».

  • Auswirkungen auf den Verkehr  

    Der Cupfinal und die Fanmärsche hat auch Auswirkungen auf die Pendler: Die Bahnhofshalle wird von 18 Uhr bis etwa 18.30 Uhr gesperrt. Mit der Ankunft des ersten Extrazugs bis zum Abzug der Basler wird die Unterführung sowie ein Teil der Haupthalle für die übrigen Bahnreisenden gesperrt. Diese sollen über die Welle und den nicht abgesperrten Bereich umsteigen. Der RBS-Bahnhof kann aber nur vom Bollwerk her erreicht werden.

    Nach dem Cupfinal fahren alle Extrazüge direkt ab Bern-Wankdorf und Ostermundigen. (SDA)

  • 14:40  

    «Viertel nach drei bin hier weg», sagt ein Abend-Zeitungsverteiler. Wegen der Vorkehrungen muss er die Zeitungen von Hand verteilen. Den Fussballfans gehe er lieber aus dem Weg, sagt er.

  • 14:25  

    Im Hauptbahnhof werden vor Ankunft der Fussballfan-Extrazüge Vorkehrungen getroffen: Personal der SBB räumt in der Railcity Kübel und Zeitungsständer weg.

    Derweil trinken erste, individuell angereiste Luzern-Fans friedlich ihr Bier. Die Läden im Bahnhof haben zum Teil Anweisungen, vor Ankunft der Basler Fans zu schliessen. Dies wird kurz nach 18:00 Uhr der Fall sein.

  • Das sind die vorgesehenen Routen  

    Der erste Extrazug der Basler Fans trifft um 18:05 ein, der zweite um 18:15. Die Basler Fans werden voraussichtlich den Bahnhof beim Aufgang Neuengasse verlassen. Der Basler Fanmarsch wird via Waisenhaus-, Kornhaus- und Viktoriaplatz zum Stadion führen.

    Früher am Nachmittag, genauer um 15:05 Uhr, trifft der Extra-Zug der Luzerner in Bern ein. Die Luzerner Fans werden den Bahnhof über die «Welle» verlassen und dann via Schauplatzgasse, Bärenplatz und Amtshausgasse durch die untere Altstadt und via Aargauer Stalden zum Stade de Suisse marschieren.

  • Fanmärsche  

    Ein Blick ins Bildarchiv zeigt, dass Fanmärsche zu wichtigen Spielen dazugehören:

    1/6 Vor drei Jahren: Hoffnungsvolle YB-Fans pilgern vor dem Cupfinal über die Nydeggbrücke hin zum Stadion.
    Bild: Keystone

       


    Für die Fans gehöre es einfach dazu, sich zuerst in der Stadt aufzuhalten und dann gemeinsam zum Stadion zu marschieren, erklärt Luzern-Fanarbeiter Christian Wandeler gegenüber dem «Bund». «Sie sagen, der Cupfinal muss gefeiert werden.»

Erstellt: 16.05.2012, 14:33 Uhr

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1 Kommentar

Nicole Meier

17.05.2012, 11:30 Uhr
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Danke an die Fans. Glückwunsch dem FCB Antworten



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