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Bern

Der Blausee hat seine Farbe wieder

Von Anita Bachmann. Aktualisiert am 29.12.2011 1 Kommentar

Das Hochwasser vom Oktober verwüstete den Blausee und die dazugehörige Fischzucht. Über 400'000 Forellen wurden durch die Schlamm- und Wassermassen getötet.

Peter Zemp (links) und Max Lienhard befürchteten nach dem Hochwasser, dass der Blausee nicht mehr blau wird.

Peter Zemp (links) und Max Lienhard befürchteten nach dem Hochwasser, dass der Blausee nicht mehr blau wird.
Bild: Manu Friederich

Für die Schneeschmelze parat sein

Die Aufräumarbeiten nach dem Hochwasser im Kandertal vom Herbst sind weit fortgeschritten. Die Häuser seien renoviert und das Kulturland dank des schönen Herbstwetters aufgeräumt, sagt Fritz Inniger, Gemeindepräsident von Kandergrund. Im Frühling würden die Wiesen wieder angesät. Im Moment sei sowieso alles vom Schnee zugedeckt.

Auch mit den Wasserbaumassnahmen scheint es vorwärtszugehen. Die Schwellenkooperation habe eine Bestandesaufnahme gemacht, und in der zweiten Januarwoche sollten die ersten Baumaschinen auffahren, sagt Inniger. Einen genauen Überblick über die Wasserbaumassnahmen habe er noch nicht. Der Kanton werde seine Analyse des Hochwassers voraussichtlich Ende Januar präsentieren. Die Sanierung von unterspülten Mauern und die Sofortmassnahmen zum Hochwasserschutz liefen ineinander, sagt Inniger. Die Sofortmassnahmen, auch die oberhalb des Mitholztunnels, wo die Kander im Oktober über die Ufer trat, müssen bis im Frühling parat sein. «Während der Schneeschmelze müssen die Hochwasserbauten dem Wasser standhalten können», sagt der Gemeindepräsident.

Kanton hilft Schäden zahlen

Mit der Gebäudeversicherung laufe es gut, sagt Inniger. Nicht versicherbare Schäden an Kulturland würden beim Kanton gemeldet. Unter gewissen Bedingungen zahlt der Kanton an nicht versicherbare Elementarschäden. Weitere ungedeckte Schäden könnten schliesslich von den Spendengeldern bezahlt werden.

Am 10. Oktober wehrten Mitarbeiter vom Blausee dem Wasser der Kander, die an den Ufern frass und alles zu überschwemmen drohte. Plötzlich beruhigte sich die Situation. «Wir meinten, es ist alles in Ordnung», sagt Peter Zemp, Direktor der Blausee AG. Dann erreichte ihn der Anruf vom Shop, der vorne beim Parkplatz den Eingang zum Naturpark mit Hotel, Restaurant und Bioforellenzucht markiert. «Das Wasser kommt von überall her», habe ihm die Mitarbeiterin am Telefon gesagt, erzählt Zemp. Er habe noch versucht, den Prospektständer zu retten. «Das Wasser kam, als hätte jemand oben die Schleusen geöffnet», sagt Zemp. Der Shop, dessen automatische Türen sich öffneten, wurde überflutet, die parkierten Autos wurden zusammengeschoben und die Leute, die sich auf den höchsten Punkt auf dem Parkplatz gerettet hatten, von den Wassermassen eingeschlossen. «Die Rega hat sie ausgeflogen», sagt Zemp. Sie hätten Glück gehabt, dass keine Personen zu Schaden gekommen seien.

Zu wenig Bioforellennachwuchs

Oberhalb vom Mitholztunnel verliess die Kander an diesem Tag das Bachbett, flutete den Mitholztunnel und überschwemmte den Weiler Mitholz. Während die Leute beim Blausee unten registrierten, dass die Kander zurückging, wälzten sich die Schlamm- und Wassermassen die Strasse hinunter, ergossen sich über den Blausee-Parkplatz und füllten etwas weiter unten die Fischzuchtbecken. Die Becken seien bis zur Hälfte mit Geröll und Schlamm gefüllt gewesen, die Fische weggespült, sagt Zemp. Von den 600'000 Fischen seien 440'000 tot gewesen. Viele Fische, die überlebten, wurden im Graben neben der Fischzucht oder in einer grossen Pfütze, die sich in einer Vertiefung gebildet hatte, wieder gefunden. Hilfe beim Ausfischen hätten sie vom Fischereiverein Spiez und vom Tropenhaus Frutigen bekommen, sagt Zemp.

Jetzt seien sie dabei, die grossen Ausfälle im Fischnachwuchs zu ersetzen. 170'000 Fische seien ihnen von Lieferanten bis jetzt zugesichert worden, sagt Zemp. Falls sie die restlichen Fische nicht auftreiben könnten, werde es Lieferausfälle geben. Weil die Blauseeforellenzucht biozertifiziert ist, müssten auch die Jungtiere bio sein. «Die Biolieferanten haben nicht so grosse Mengen», sagt Direktor Zemp. Bio Suisse habe deshalb für den «Katastrophenfall» eine Ausnahme bewilligt, auch Fische aus herkömmlicher Aufzucht zuzukaufen. Eine Blauseeforelle müsse sowieso drei Viertel ihres Lebens in der Forellenzucht Blausee verbracht haben, um als solche verkauft zu werden.

Angst um das Blau des Sees

Wie viel eigener Nachwuchs in der Blauseeforellenzucht in diesem Jahr dazukommt, ist unklar. Normalerweise würde durch Abstreifen der Muttertiere die Hälfte des Fischnachwuchses selber gezüchtet, sagt Zemp. Die Muttertiere leben in Teichen oberhalb des Sees. Weil ihre Becken vom Hochwasser stark verschmutzt wurden und die Zufahrt entlang der Kander weggerissen wurde, mussten sie mit einem Helikopter ausgeflogen werden. «Die Fische hatten Stress, und die Ausbeute ist möglicherweise kleiner», sagt Zemp.

Der Aufwand für die Helikopterflüge zahle die Versicherung, sagt Max Lienhard, Verwaltungsratspräsident und Besitzer der Blausee AG. Wer für die Schäden am Parkplatz und die Reinigung des Sees bezahlen muss, ist hingegen noch unklar. Seit der Überschwemmung liege auf dem Seegrund eine Schicht Schlamm, die sich zwar gesetzt habe, aber immer wieder aufgewühlt werde. Normalerweise ist der See mit unterirdischem Zu- und Abgang sehr klar. «Wir hatten Angst, dass der See nicht mehr blau wird», sagt Lienhard. Die Gebäudeversicherung komme nur für Schäden an Gebäuden und am Umschwung zehn Meter rund ums Haus herum auf. Lienhard hofft nun in dem Fall auf eine unbürokratische Lösung. Ungeklärt ist für den Besitzer des Blausees auch die Frage, wie es mit dem Ufer der Kander weitergehen soll. Die Ufer müssten vom Kanton gesichert werden, sagt Lienhard. «Wir sind bereit, etwas für den Schutz der Objekte zu investieren», sagt er. Aber das ganze Ufer müsse neu geplant werden, die Kander brauche mehr Raum. «Sonst gibt es den Blausee in ein paar Jahren nicht mehr», sagt er. Denn mit der Klimaveränderung werde es weiter Hochwasser und Überschwemmungen geben.

Ausbaupläne nicht begraben

Trotz alledem scheint die Zukunft des Betriebs mit 60 bis 70 Mitarbeitern während der Hochsaison und rund 100'000 Besuchern pro Jahr nicht gefährdet zu sein. Die Ausbaupläne wollen Lienhard und Zemp nicht begraben, höchstens werde die Realisierung hinausgezögert. Kern der Erweiterung sind Bungalows, die aber erst nach einer Zonenplanänderung und einem bewilligten Rodungsgesuch realisiert werden könnten. (Der Bund)

Erstellt: 29.12.2011, 11:17 Uhr

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1 Kommentar

Hans Huber

29.12.2011, 11:26 Uhr
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so schnell wird nicht bio zu bio wenns um liebe geld geht... Antworten



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