Bern
Davis-Cup bringt Glamour nach Bern
Von Lisa Stalder. Aktualisiert am 04.07.2011 1 Kommentar
Federer & Co. am Trainieren
Die Davis-Cup-Partie zwischen der Schweiz und Portugal findet von Freitag bis Sonntag in der Postfinance-Arena in Bern statt. Doch schon bevor es für Roger Federer und Stanislas Wawrinka ernst gilt, steht die Stadt Bern ganz im Zeichen des weissen Sports. Morgen können Interessierte der Schweizer Davis-Cup-Mannschaft beim Trainieren zusehen. Das Training findet zwischen 14 und 16 Uhr statt. Der Eintritt ist frei. Die Besucherinnen und Besucher sind gebeten, den Eingang A zu benutzen. Am Mittwoch und am Donnerstag findet auf dem Bundesplatz zudem ein Tennisfest statt: Jeweils von 10 bis 19 Uhr kann unter anderem ein Spielparcours absolviert oder der Aufschlag gemessen werden. Zwischen 17 und 19 Uhr finden an beiden Tagen Spiele zwischen aktuellen und ehemaligen Spitzensportlern statt, so zum Beispiel Mark Streit und Gian Simmen.
Während Tennisfans aus aller Welt bis gestern gebannt nach Wimbledon blickten, steht diese Woche nun Bern ganz im Zeichen des weissen Sports. Von Freitag bis Samstag bestreiten der Rekord-Grand-Slam-Sieger Roger Federer und Stanislas Wawrinka, die derzeitige Weltnummer 14, in der Postfinance-Arena ihre Davis-Cup-Begegnung gegen Portugal. Die Stadt Bern macht ihrem Namen als Sportstadt somit alle Ehre: Nach der Fussball-Europameisterschaft 2008, der Eishockey-Weltmeisterschaft 2009, dem Boxkampf zwischen Vitali Klitschko und Kevin Johnson in der Postfinance-Arena im Dezember desselben Jahres und schliesslich der Eiskunstlauf-Europameisterschaft Anfang dieses Jahres ist dies bereits der fünfte sportliche Grossanlass innerhalb von vier Jahren.
Viele andere Orte im Gespräch
Dass die Davis-Cup-Begegnung in Bern stattfindet, ist indes nicht selbstverständlich: Wie Erik Keller, Vizepräsident von Swiss Tennis und OK-Präsident, auf Anfrage sagt, waren neben der Bundesstadt fünfzehn weitere mögliche Austragungsorte im Gespräch. Zum Schluss galt es aus fünf Orten auszuwählen; neben Bern waren Basel, Sion, Crans-Montana und Zermatt im Rennen. Bern kam schliesslich zum Handkuss, weil die Postfinance-Arena «die meisten Vorteile und die wenigsten Nachteile» habe, sagt Keller. So verfüge die Eishalle, in der im Winter der SCB spielt, über Platz für rund 8000 Zuschauer; in der Saalsporthalle Zürich gibt es beispielsweise nur rund 3500 Sitzplätze. Auch sei die Postfinance Arena gut erschlossen und sowohl mit dem öffentlichen Verkehr wie auch mit dem Auto gut zu erreichen.
Bern Garant für gutes Programm
Ausschlaggebend sei bei der Vergabe jeweils auch, ob die lokalen Behörden überhaupt bereit seien, einen solchen Anlass zu unterstützen. Während die Stadt Basel ganz klar gesagt habe, sie wolle sich finanziell nur gering an der Durchführung beteiligen, habe Zermatt angeboten, mehrere 100 000 Franken zu bezahlen. Zusätzlich wäre die Gemeinde bereit gewesen, die gesamten Hotelkosten der Davis-Cup-Crew zu übernehmen. Bern sei zwar nicht gleich grosszügig gewesen und habe einen Grossteil der Kosten refinanzieren wollen, sagt Keller. Die Stadt habe sich aber dennoch sehr hilfsbereit gezeigt. Die Zusammenarbeit mit den Berner Behörden und dem SCB bezeichnet er als «sehr angenehm und professionell».
Es sei heutzutage sehr schwierig, grössere Sportanlässe in eine Stadt zu holen, sagt auch Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP). Gerade die Vergabe des Davis-Cups sei äusserst umstritten gewesen. Bern sei denn auch nicht wegen der höchsten finanziellen Unterstützung zum Zuge gekommen, bestätigt er. Vielmehr habe die Stadt die Organisatoren überzeugen können, dass Bern ein Garant für ein funktionierendes Rahmenprogramm sei. Dabei habe die Erfahrung, welche die Stadt Bern in den letzten paar Jahren habe sammeln können, sicher eine grosse Rolle gespielt. Gerade das Tennisfest, das am Mittwoch und am Donnerstag auf dem Bundesplatz stattfindet, sei für den Tennisverband eine gute Möglichkeit, sich zu präsentieren. Es sei für den Gemeinderat klar gewesen, den Organisatoren diese Plattform bieten zu wollen. Ein solcher Anlass sei aber auch für die Stadt gute Werbung, schliesslich müsse die Rechnung für beide Seiten aufgehen. Die Stadt habe von Swiss Tennis zudem Eintrittskarten erhalten, die weiterverkauft wurden. Übers Ganze gesehen habe die Stadt Bern 50'000 bis 60'000 Franken für den Daviscup ausgegeben. Er könne mit gutem Gewissen sagen, dass dieses Geld sehr gut investiert wurde, so Tschäppät.
Lergier: «Davis-Cup ein Glücksfall»
Markus Lergier, Direktor von Bern Tourismus, bezeichnet den Auftritt von Federer und Wawrinka in Bern als einen «Glücksfall». Die beiden seien ein absolutes Dreamteam. Durch seine sympathische und professionelle Art und sein filigranes Spiel sei insbesondere Federer der beste Botschafter für die Schweiz, den man sich vorstellen könne. Und: «Mit dem Davis-Cup kommt ein Stück Glamour nach Bern.» Der Bundesstadt biete sich nun einmal mehr die Möglichkeit, sich einem grossen Publikum zu präsentieren und ihren Ruf als Sportstadt zu festigen. Bereits jetzt sei klar, die Anzahl an Logiernächten während des Davis-Cups erheblich höher sein wird als an einem durchschnittlichen Wochenende. Dies sei insofern erfreulich, als dass die Auslastung der Hotels in Städten an Wochenenden jeweils geringer sei als an Werktagen.
Russen kauften Bijouterien leer
Dass sich solche Grossanlässe für die Stadt auszahlen, wurde in der jüngsten Vergangenheit deutlich: Während der Eishockey-WM konnten in der Stadt Bern gemäss Lergier 30 000 zusätzliche Logiernächte verzeichnet werden, während der Eislauf-EM deren 8000. Als Klitschko in Bern boxte, war der Fernsehsender Eurosport mit einer Equipe von ungefähr hundert Leuten angereist. Und auch das Berner Gewerbe profitiert von solchen Anlässen: Nach einem Sieg der russischen Eishockey-Nationalmannschaft seien einige Bijouterien in der Stadt regelrecht «leer gekauft worden», sagt Lergier. (Der Bund)
Erstellt: 04.07.2011, 09:02 Uhr
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