Das frisch gekaufte Paddel bleibt liegen

Nach dem extremen Hitzewochenende kämpfen die Gemeinden an der Aare mit der Schattenseite des Vergnügens: Abfall überall – gerade bei den Bootseinstiegen.

Nach der Bootsfahrt auf der Aare bleibt einiges liegen.

Nach der Bootsfahrt auf der Aare bleibt einiges liegen. Bild: Adrian Moser

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Sommerferien, die Sonne scheint an der Aare zwischen Marzili und Muribad. Doch Müll am Ufer stört die Idylle. Raphael Wyss, der seit seiner Kindheit viel Zeit an der Aare verbringt, hat den Eindruck, das Littering an den Flussufern habe in den letzten zehn Jahren zugenommen. Viele Besucher liessen Verpackungen, Essensreste und andere Gegenstände an öffentlichen Plätzen wie den Flussstränden liegen. Das stört ihn: «Alle schätzen die Natur, gleichzeitig tragen aber viele Leute keine Sorge zu ihr. Für mich ist das nicht nachvollziehbar.» Anstatt sich heimlich zu ärgern, spricht Raphael Wyss die Leute lieber direkt an. «Einige räumen murrend zusammen, andere reagieren ungehalten», sagt er.

Extraschichten reichen nicht

Die Berner Gemeinden mit Zugang zur Aare waren darum gestern mehrere Stunden damit beschäftigt, die Spuren vom Wochenende wegzuräumen. Etwa in Wichtrach. Das Team von Gemeindewerkführer Peter Glauser leert die Abfallkübel an der Aare «an normalen Frühlingstagen» einmal wöchentlich. An heissen Tagen sind es zwei Runden mehr pro Woche. «In der Regel reicht das», sagt Glauser – und deutet an, dass es im Moment nicht reicht. Der Müll vom Wochenende, der sich in der Nähe von vollen Abfalleimern und Grillstellen angesammelt hat, füllt zwölf 110-Liter-Säcke.

Die Stadt Thun hat ebenfalls präventiv gehandelt und am Seeufer beim Bonstettenpark drei zusätzliche Fässer für den Abfall aufgestellt. «Sie werden rege genutzt», so Daniel Rychener, Leiter der technischen Betriebe. Die auffälligsten Abfallberge türmen sich derweil nicht am See, sondern bei den Einstiegen für Gummiboote an der Aare auf der Höhe Thun und Steffisburg. «Die Verpackungskartons von Gummibooten bleiben liegen», wie Daniel Rychener beobachtet hat. Nach seiner Schätzung würde das Altpapier, das sich am Wochenende angesammelt hat, einen Lieferwagen füllen. Nach der Reinigung am Montagmorgen lagen am Mittag schon wieder neue Kartons dort.

Einmal brauchen, dann wegwerfen

Das Phänomen Littering an der Aare sei nicht neu, sagt Daniel Rychener. Zugenommen habe in den letzten zehn Jahren aber die Tendenz, Boote nur einmal zu benutzen und dann wegzuwerfen. Ein Bild, das man von den Wiesen der grossen Openair-Festivals kennt, wo nach der Party Hunderte Zelte von Grosshändlern auf der Campingwiese liegen bleiben. Ähnlich viel wie ein billiges Zelt, zwischen 50 und 120 Franken, kostet ein Boot zum Selberaufpumpen.

Der grösste Teil der verlassenen Schlauchboote und des Zubehörs des Aare-Bootfahrens landet bei den Ausstiegsstellen in Bern zwischen Eichholz und Marzili. 20 Boote sammelten Beat Müller und sein Team vom Campingplatz Eichholz auf der Wiese neben dem Camping ein. «Ein solches Ausmass an Abfall haben wir seit dem Rekordsommer 2003 nicht mehr erlebt», sagt Beat Müller. Fünfzig 800-Liter-Container wurden von Freitagmittag bis Montag gefüllt. Die Abfallkübel seien fast zu schwer gewesen zum Heben, wenn man sie denn «gefunden» habe unter den Abfallbergen. Heute wollen die Verantwortlichen des Campingplatzes Massnahmen diskutieren. Müller sagt: «Wir können die Menge an Abfall nicht mehr alleine bewältigen.»

Sensibilisierungskampagne

Es war ein extremes Wochenende, sind sich die Aare-Gemeinden von Thun bis Bern einig. Etwa zehn 800-Liter-Container Abfall sammelten sich am Wochenende an den Aareplätzen in Münsingen an. «Massnahmen, die sich bewährt haben, konnten dem Ansturm nicht mehr standhalten», sagt Beat Moser (Grüne), Gemeindepräsident von Münsingen. Geholfen hat seiner Meinung nach der Dialog: einerseits mit lokalen Beteiligten wie Schulen und Pfadi-Gruppen, andrerseits mit anderen Gemeinden. In Münsingen fand letztes Jahr ein runder Tisch zur Problematik statt. Nach dem Vorbild von Rubigen stellten die Behörden in der Folge mehr Abfallbehälter am Ufer und an den Grillstellen auf. Dieses Jahr gab es zudem eine Sensibilisierungskampagne. Laut Moser zeigt sie Wirkung: «Die meisten Besucher haben den Abfall zu den Abfallbehältern gebracht oder immerhin danebengestellt.» Früher sei die Unordnung grösser gewesen, zum Beispiel seien mehr Glasscherben an der Uferböschung gelegen, so Moser.

Auch Heimberg hatte mit grossen Abfallmengen zu kämpfen. Die Abfallmenge vom vergangenen Wochenende zwischen der Uttigenbrücke und den Quartieren Kaliforni und Aarefeld betrug rund 300 Kilogramm. Dies entspricht laut Mitteilung der Menge, die bei «normalen» Temperaturen während ein bis zwei Wochen anfalle. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.07.2015, 06:55 Uhr

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