Startseite · Immobilien · Job · Dating · Auto
 

Bern

«Das bringt das Fass zum Überlaufen»

Von Christoph Lenz. Aktualisiert am 19.01.2012 3 Kommentare

Nach über zehn Jahren wird die Partyreihe im Kornhausforum eingestellt. Schuld seien die Behörden, sagen die Betreiber. Nun brodelt es unter Politikern und Kulturschaffenden.

Die Party ist vorbei im Kornhausforum.

Die Party ist vorbei im Kornhausforum.
Bild: Manu Friederich

Der Satz klingt nach einem schlechten Horrorfilm: «Erst das Sous-Soul, jetzt das Kornhausforum. Wen es wohl als Nächstes trifft?» Der Satz stammt von GFL-Stadtrat Manuel C. Widmer, der sich seit Jahren für das Nachtleben in der Stadt Bern einsetzt. Jetzt sagt er: «Diese Nachricht bringt das Fass zum Überlaufen.»

Vor Neujahr schloss das Konzertlokal Sous-Soul in der unteren Altstadt seine Tore, weil die Betreiber nach einem jahrelangen Rechtsstreit mit einer Lärmklägerin und dem Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland entmutigt aufgaben. Gestern folgte die nächste Hiobsbotschaft: «Ab sofort finden keine Partys mehr statt», schreibt das Kornhausforum in einer Mitteilung.

Gewerbepolizei will ein Fumoir

Seit über zehn Jahren richtete die Berner Eventbude Ammonit Events drei verlängerte Tanzwochenenden pro Jahr aus. Die Partys waren mit 500 Gästen regelmässig ausverkauft. Nun aber ist Schluss. Der Grund: Die Berner Gewerbepolizei fordert von den Veranstaltern, dass sie im Kornhausforum ein Fumoir einbauen. Dies soll verhindern, dass rauchende Gäste rund um das Kornhaus für Lärm sorgen. Die städtische Liegenschaftsverwaltung hingegen verbietet den Einbau eines Fumoirs. «Das Kornhaus ist eine städtische öffentliche Liegenschaft. Und in solchen ist das Rauchen prinzipiell untersagt», erklärt Fernand Raval, Abteilungsleiter der Liegenschaftsverwaltung. Hinzu komme, dass der Einbau finanziell schlicht nicht drinliege.

Pro Nachtleben droht der Politik

«Absurd», findet Bernhard Giger, Leiter des Kornhausforums. «Die eine Behörde verlangt danach, die andere verbietet es.» Und wie bereits die Sous-Soul-Macher sagt auch Giger: «Ich mag nicht mehr.» In den letzten Jahren hätten er und die Veranstalter wirklich alles unternommen, um sämtliche Anforderungen zu erfüllen und die Bedürfnisse der Anwohner zu respektieren. Vergebens. Wie er ohne die 25'000 bis 27'000 Franken Mieteinnahmen auskommen will, welche die Partys pro Jahr für das Kornhausforum generierten, weiss Giger noch nicht. «Denkbar ist, dass wir unser Programm reduzieren und mehr Fremdvermietungen machen.»

Dem Nachtleben gehe «ein weiteres Aushängeschild» verloren, bedauert der Verein Pro Nachtleben gestern. Weiter fordern die Aktivisten die zuständigen Behörden auf, per sofort ein Moratorium zu erlassen «gegen auf Amtsschimmel zurückzuführende Club-Schliessungen». Sollte es zu weiteren Schliessungen kommen, werde der Verein «andere Saiten aufziehen».

Stadt will über die Bücher gehen

«Bern hat ein attraktives Nachtleben. Über 100 Betriebe haben am Wochenende eine Überzeitbewilligung», sagt Walter Langenegger, Chef des Informationsdienstes der Stadt Bern. Er hat auch eine gute Nachricht für das Kornhausforum: «Die Stadt wird sicher eine Nachrüstung mit Fumoir prüfen.» Falsch findet Langenegger hingegen die Behauptung, die Politik reagiere nicht auf Entwicklungen im Nachtleben. So werde ein Security-Konzept eingeführt, das Probleme wie Lärm und Littering lösen könnte. Unzulässig findet er, die Schuld für Club-Schliessungen bei den Behörden zu suchen. Oftmals seien wirtschaftliche Gründe ausschlaggebend. Und beim Lärm gebe es übergeordnete Gesetze, über die sich die Stadt Bern nicht einfach hinwegsetzen könne.

Anders sieht das Manuel C. Widmer: Die Stadt lasse die Berner Clubs im Stich. Und vom Kanton würden sie «abgewürgt», sagt er. Er bleibt vorerst beim Horrorjargon. (Der Bund)

Erstellt: 19.01.2012, 06:33 Uhr

3

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

3 Kommentare

Sämi Meier

19.01.2012, 09:27 Uhr
Melden 26 Empfehlung

Zum Glück gehe ich langsam auf die 40 zu und habe (fast) kein Bedürfnis mehr lange in den Ausgang zu gehen. Ab und zu ins Stadttheater/Schlachthaus zur "richtigen" Kultur und mit dem Stapi ein Cüpli trinken. Meinen Kindern kaufe ich ein GA, dann können sie nach Biel/Thun/Olten/Luzern/Fribourg/Zürich/Basel/Genf/Lausanne in den Ausgang gehen. "Kulturhauptstadt Bern" - aber nur die "stille" Kultur. Antworten


Herbert Hasler

19.01.2012, 09:03 Uhr
Melden 17 Empfehlung

Welcome to da Grosi-Lands! Antworten



Bern

Populär auf Facebook – Privatsphäre

AKTUELLE JOBS

Marktplatz

Online-Wettbewerb

Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!

Remund führend in Werbetechnik

Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

DIE AGENDA

Informieren Sie sich über aktuelle Kulturveranstaltungen in der Stadt und Umgebung.