Das Gürbetaler «Chabisland» erfindet sich neu
Von Simona Benovici. Aktualisiert am 24.09.2011 1 Kommentar
Sauerkraut ist reich an Vitamin A, B, C und K, enthält wertvolle Mineralstoffe und Milchsäure. Es ist kalorienarm, praktisch fettfrei und hat nur wenig Cholesterin. Sauerkraut ist aber vor allem eines: Sauer – und das ist das Problem. Immer weniger Menschen sind dem traditionellen Wintergemüse zugetan, das derzeit wieder geerntet wird. Die Nachfrage stagniert. Die vertragliche Anbaumenge für Kabis reduzierte sich in der Schweiz in den letzten 20 Jahren um ein Drittel. 2010 wurde im Kanton Bern noch auf rund 233 Hektaren Weisskabis angebaut, vornehmlich im Gürbetal. Einst war die Gegend wegen ihrer vielen Kabisfelder und -fabriken weit herum als Chabisland bekannt. Heute existiert mit der Kabisfabrik Mühlethurnen noch gerade ein grösserer Verarbeitungsbetrieb. Wie lange sich dieser noch halten kann, ist ungewiss. «Ich kann Ihnen nur sagen, dass der Markt über Sein oder nicht Sein des Standorts Mühlethurnen entscheiden wird», sagt Walter Heer, Geschäftsführer der Schöni-Gruppe auf Anfrage.
Verschmähte Beilage
Vor vier Jahren hat Schöni Finefood, einer der grössten Sauerkrauthersteller der Schweiz, die Fabrik in Mühlethurnen aufgekauft. Mit rund 35 Bauernfamilien hat sie seither einen Vertrag. Jährlich beliefern diese die Fabrik mit rund 1500 Tonnen Weisskohl. Solange Mühlethurnen «angemessen wirtschaftlich» produziere und die Produkte vom Markt verlangt würden, bleibe die Fabrik am Leben. Damit das noch möglichst lange der Fall ist, ist die Schöni-Gruppe vor zwei Jahren in die Offensive gegangen. Das Kraut soll dem Konsumenten wieder schmackhaft gemacht werden. Die verschmähte Fleischbeilage der Bernerplatte bekommt ein neues Image: Mild und variantenreich soll es daherkommen. Heuer wagt der Sauerkraut-Mogul mit einem Vorläufer der neu entwickelten Produkte den Praxistest.
Zugpferd Kabis-Powerdrink?
Die Marktforschung hat gezeigt: Je jünger eine Person ist, desto weniger gern mag sie den sauren Geschmack des Krauts. Um nebst der bisherigen Zielgruppe der über 55-Jährigen auch neue Kundenkreise erschliessen zu können und damit die Kabisindustrie langfristig zu erhalten, will Schöni neue Wege gehen. «Im Moment befinden wir uns am Abschluss der Marktanalysephase», sagt Toralf Richter, Projektleiter Marketing und Verkauf bei Schöni Finefood. In den vergangenen Monaten habe man unter anderem ausländische Märkte und die dortigen Krautprodukte untersucht. Fazit: Kraut muss nicht altväterisch sein. Selbst bei der Generation Fast Food wittert der Hersteller potenzielle Krautliebhaber. «Ich könnte mir vorstellen, dass künftig Gemüsesäfte, konzentrierte Powerdrinks auf Kabisbasis für Sportler und ernährungsbewusste Konsumenten, Asia-Produkte mit Kraut, Krautsuppen oder Krautwickel für Medizin- und Wellnessanwendungen produziert werden», sagt Richter. Noch befinden sich die erwähnten Produkte in der Analyse- und Experimentierphase. Bis zur Marktreife werden wohl noch ein bis zwei Jahre vergehen.
Testgelände Oktoberfest
Auf dieses Jahr hin testet die Firma allerdings bereits ein erstes Produkt aus der neuen Palette: Bayrischkraut. Auf Schweizer Oktoberfesten wird das Gericht erstmals vorgestellt. Gewinnt die mild-würzige Krautvariation mit Speckwürfeln die Gunst der Testesser, so kommt sie in den Detailhandel. Wichtiger noch: Mundet sie den Konsumenten, so sei das ein Indiz dafür, dass die neue Kabisstrategie aufgehe, so Richter. (Der Bund)
Erstellt: 24.09.2011, 11:58 Uhr
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1 Kommentar
Vor etwa 20 Jahren haben wir bei Bell an der Spitalgasse fixfertig gekochtes Sauerkraut, worin vermutlich geräucherte Würste und Speck gekocht wurde, gekauft. Es war einfach himmlisch zum Essen und mild dazu.
Hätten wir die Möglichkeit dieses Produkt wieder zu kaufen würden wir weit gehen. Natürlich kochen wir Sauerkraut aber an Bell kommen wir, trotz vielen Versuchen nicht heran. Toi, toi, toi.
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