«Das Ganze hat nichts mit Kriegerlis zu tun»
Von Simona Benovici. Aktualisiert am 06.10.2011 6 Kommentare
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Am Dienstag konnte die Polizei in der Nähe von Kloten einen Anschlag von drei Volpodingern verhindern. Diese wollten höchstwahrscheinlich mit Stinger-Lenkwaffen das Flugzeug der danubischen Verhandlungsdelegation abschiessen. Weiter kam es im Raum Adelboden zu einem Vorfall mit einem Morane. Der Jäger aus dem Zweiten Weltkrieg flog einen Scheinangriff auf Adelboden. Zusätzlich gab es Drohungen der ADROC. Sie forderte Helvetia auf, die Konferenz zu annullieren. Alle diese Ereignisse deuten darauf hin, dass mit dem gestrigen Beginn der Konferenz in Adelboden für die helvetische Luftwaffe eine heisse Phase beginnt.
Volpodinger? Danubier? Helvetier? Keine Angst, die Landkarte wurde über Nacht nicht umgeschrieben und die Schweiz - pardon Helvetia - wird demnächst auch nicht von Elbonia und Garonnia, den anderen fiktiven Nachbarstaaten, angegriffen. Länder und Lagebeurteilung sind Teil der fünftägigen Volltruppenübung der Luftwaffe, die dieser Tage im Berner Oberland stattfindet. Von Fliegern, Fliegerabwehrspezialisten über Sicherungseinheiten - rund 5000 Soldaten - steht alles im Einsatz, was zum Einsatzverband Luft gehört.
Thronfolgerin getötet, helvetische Soldaten entführt
Ihre Aufgabe ist es, die Lage wieder unter Kontrolle zu bringen. Keine einfache Aufgabe, denn das fiktive Europa steht am Rande einer Krise: Nachdem die Thronfolgerin - eine Volpodingerin - getötet worden ist, sind sich Danubier und Volpodinger nicht mehr grün. Wegen des Familienzwists eskaliert die Situation: Die beiden Völker wollen den Konflikt offen auszutragen. Minderheiten werden bereits verfolgt, der Kontinent droht in eine Energiekrise zu schlittern. In Adelboden organisiert die helvetische Regierung deshalb eine Friedenskonferenz, die es im Rahmen der Übung Stabante real zu sichern gilt. Immer wieder dringen feindliche Flugzeuge in den helvetischen Luftraum ein, welche die Fliegerabwehr abfangen muss. 32 eigene Soldaten wurden gar entführt. Und, als hätten die Streitkräfte nicht genug um die Ohren, sehen sie sich auch noch mit dem Asylbegehren einer ausländischen Delegation konfrontiert, die aufgrund eines technischen Defekts an ihrem Helikopter in den Bergen notlanden musste.
Was würde die Schweiz in einem solchen Fall tatsächlich tun? Wie handeln die einzelnen Akteure? Können sie die überraschenden Situationen bewältigen - und wenn ja, wie? Fragen, welche die Verantwortlichen im Rahmen der Volltruppenübung zu beantworten suchen.
«Das Ganze hat nichts mit Kriegerlis zu tun», sagte gestern der Kommandant der Luftwaffe, Korpskommandant Markus Gygax, vor den Medien. Das eigentliche Thema der Übung sei ja der Schutz einer internationalen Konferenz: eine Aufgabe, der die Schweizer Luftwaffe regelmässig nachkommt. So beispielsweise 2010, als die Luftwaffe während des 13. Francophonie-Gipfels in Montreux unter dem Codenamen Apollinaire operierte - oder die jährlich wiederkehrenden Einsätze rund um das World Economic Forum (WEF) in Davos. «Im Gegensatz zum WEF kreieren wir hier aber Szenarien», so Gygax. Szenarien, wie sie glücklicherweise bei den Echteinsätzen so noch nicht vorgekommen sind - aber durchaus im Rahmen des Möglichen liegen. Was, wenn ein Tiger-Kampfflugzeug mit einem Jeep zusammenstösst? Oder eine F/A-18 in Meiringen neben die Piste gerät? Fallbeispiele, welche die Soldaten und Kommandanten bei Stabante durchspielen. «Das kommt der Realität letztlich sehr nahe», so Gygax.
Pressekonferenz musste unterbrochen werden
Allein in Meiringen sind 900 Soldaten zur Übung eingerückt. Sie alle wissen nicht, was ihnen bis zum heutigen Übungsende um 18 Uhr noch bevorsteht. Sicher aber müssen sie auf alle Eventualitäten gefasst sein. Vor Überraschungen ist niemand gefeit. Nicht einmal der Flugplatzkommandant, Oberst im Generalstab Peter Merz. Nicht eingeweiht in die Pläne der Übungsleitung, musste er die gestrige Pressekonferenz kurzerhand unterbrechen: Zwei F/A-18 erhielten den sogenannten Jägerbefehl. Das erforderte den Alarmstart der Jets aus dem Unterstand. Rund drei Minuten haben die Piloten in einem solchen Fall Zeit, um vom Boden abzuheben. In Kenntnis um die ernste Lage in Helvetia sitzt der Pilot aber bereits im Cockpit, als ihn der Funkspruch erreicht. Der Jet ist bereit zu einem sofortigen Start. Mit einer drehenden Handbewegung signalisiert er der Bodencrew, dass er einen Einsatzbefehl erhalten hat. Wenige Augenblicke später rollt die F/A-18 bereits unter lautem Getöse aus der Kaverne auf das Rollfeld.
Von selbigem Rollfeld startet am Nachmittag der Journalistentross. Vorbei an Eiger, Mönch und Jungfrau, dem Silberhorn und Kandersteg geht es im Helikopter des Typs Cougar via Adelboden weiter nach St. Stephan. Dort haben weitere rund 550 Mann neben der Piste eigens für die Übung einen kleinen Flugplatz aufgebaut. Hinter einer Sicherheitssperre, bewacht von bewaffneten Soldaten, sind acht Super Puma/Cougar und vier Eurocopter des Flugplatzkommandos 11 stationiert. Der gesamte Lufttransport für die Übung wird von hier aus sichergestellt. Immer wieder hätten Aggressoren aus Volpodingen versucht, den Betrieb zu stören, berichtet Hauptmann Michael Müller. Gestern Morgen sei es ihnen gar gelungen, ein gepanzertes Einsatzfahrzeug des Typs Eagle in die Luft zu sprengen.
Zum ersten Mal seit dem Kalten Krieg
Und wozu das alles? Ziel der Übung ist es, Einsatzbereitschaft und Durchhaltefähigkeit der Soldaten zu testen, den Verband zu stützen, die Befehlskette aktiv zu überprüfen und die Führungsfähigkeit zu verbessern. «Wir werden viele Fehler machen während dieser Woche», sagt Gygax offen. Immerhin liegt die letzte Volltruppenübung der Luftwaffe schon über zehn Jahre zurück. Fliegerabwehr und Flieger haben zuletzt während des Kalten Kriegs eine gemeinsame Übung durchgeführt. So lange will Gygax künftig nicht mehr warten. Wichtig sei, dass die Luftwaffe «langsam wieder Fuss fasst und zurück zur Realität findet». Volltruppenübungen wie Stabante mit Einbezug aller Einheiten der Luftwaffe sollen künftig deshalb regelmässig stattfinden. (Der Bund)
Erstellt: 06.10.2011, 10:38 Uhr
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6 Kommentare
Ich möchte da auch noch eine Beitrag leisten, "dass die Luftwaffe «langsam wieder Fuss fasst und zurück zur Realität findet»":
- Die Schweiz ist von demokratisch organisierten Staaten umgeben. Alle Nachbarstaaten sind Mitglied der EU und der grösste Teil gehört ebenfalls zu Nato.
- Das um uns herum irgendwelche Tronfolger gemeuchelt wurden ist ca. 100 Jahre her.
Hat das geholfen? ;-)
Antworten
Science Fiction im Heimatland von Ueli Maurer. Jetzt kommt der Feind halt nicht mehr von Osten und es ist beruhigend zu wissen, dass Adelboden noch nicht in Feindeshand ist. Schliesslich möchte ich auch diesen Winter in Adelboden Ski fahren. Ja vielleicht wird das Davoser Forum nach erfolgreicher Uebung doch auch einmal in Adelboden statt finden. Antworten
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