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Bern

Das 10er-Tram ist wieder auf Kurs

Von Renate Bühler, Lisa Stalder. Aktualisiert am 31.05.2011 1 Kommentar

Laut der Studie der ETH Zürich ist die Umstellung der Buslinie 10 zwischen Köniz und Ostermundigen aufs Tram «sinnvoll»; die Kosten für das Tram Region Bern bewegen sich im üblichen Rahmen.

Regierungsrätin Barbara Egger (SP) und Professor Ulrich Weidmann präsentieren den Untersuchungsbericht. (Adrian Moser)

Regierungsrätin Barbara Egger (SP) und Professor Ulrich Weidmann präsentieren den Untersuchungsbericht. (Adrian Moser)

Etappierung möglich

Eine schrittweise Realisierung der Tramlinie 10 könnte nötigenfalls «zur Entspannung der Finanzierungsproblematik beitragen.» Grundsätzlich sei die Realisierung der Tramlinie auf dem Könizer Ast weniger dringend als in Ostermundigen. In einer ersten Phase könnte darum der Ostermundigen-Ast realisiert und Köniz/Schliern weiterhin mit dem Bus bedient werden. Nach einer anderen Variante würden die Streckenäste Schliern und Rüti erst später gebaut.

Für Köniz bedeutete dies, dass das Tram «irgendwo im Zentrum» wenden müsste, wie Gemeinderätin Katrin Sedlmayer (SP) sagte. Zudem würde etwa das Könizer Schlossareal vorerst nicht vom Tram erschlossen, sondern – wie auch das Dorf Schliern mit seinen rund 5000 Einwohnern – von einer verlängerten Buslinie 17 oder 19. Sedlmayer ist der Meinung, dass ein Projekt ohne direkten Anschluss an Schliern es politisch schwer haben dürfte.

Ähnlich sieht es der Ostermundiger Gemeindepräsident Christian Zahler (SP): Eine Etappierung sei zwar sinnvoll, es sei aber wichtig, dass die beiden Äste als Ganzes realisiert würden. Für den Ostermundiger Gemeinderat sei es sehr wichtig, dass die Rüti von Anfang an in das Projekt miteinbezogen werde. Geschehe dies nicht, würde die Unterstützung für das Projekt schwinden.

Bernmobil-Direktor René Schmied bewertet das Gutachten als «sehr positiv». Er freue sich auf die Projektierungsarbeiten. Allerdings sagt er, dass er es lieber sähe, wenn das Projekt nicht zu stark aufgeteilt würde. Dies einerseits, weil der 10er-Bus heute auf der ganzen Linie überlastet sei. Andererseits aber auch, weil durch das Einsetzen von Shuttlebussen (etwa in die Rüti) weitere Betriebskosten entstünden. Zudem müssten Wendeschlaufen gebaut werden, die zu einem späteren Zeitpunkt wieder überflüssig würden.

«Nur mit einem leistungsfähigen und verträglichen Verkehrssystem kann es gelingen, den Grossraum Bern und damit die Hauptstadtregion Bern zu stärken», sagte Regierungsrätin Barbara Egger-Jenzer (SP) gestern vor den Medien. Das Tram Region Bern sei ein Schlüsselprojekt für die Entwicklung der Region. «Mein Fazit ist es, dass von diesem Projekt nicht nur die Berner, Könizer und Ostermundiger profitieren werden, sondern ganz klar die Bevölkerung des Kantons Bern.» Und: «Aus Sicht des Kantons bin ich froh, dass wir das Gutachten in Auftrag gegeben haben.»

«Tram Region Bern»: So heisst das Projekt, das den Wechsel der heutigen Bernmobil-Buslinie 10 auf Trambetrieb vorsieht und dessen Vorprojekt im Januar dieses Jahres vorgestellt worden ist. Damals sorgte der Umstand, dass die Kosten von den ursprünglich angenommenen rund 260 Millionen Franken auf 550 Millionen angestiegen waren, für Unmut. Darum beauftragten der Kanton und die drei beteiligten Gemeinden Bern, Ostermundigen und Köniz den ETH-Professor Ulrich Weidmann sowie das Ingenieurbüro EWP aus Effretikon, das Projekt hinsichtlich der Kosten, der geplanten Linienführung und einer möglichen Etappierung zu überprüfen.

Nutzen klar höher als Kosten

Gestern wurden die Resultate der Untersuchung vorgestellt – sie sind für die Tram-Verantwortlichen durchaus erfreulich ausgefallen. Gemäss Egger besagt eine Studie zur Wirtschaftlichkeit der neuen Tramlinie, der Nutzen sei aus volkswirtschaftlicher Sicht mehr als doppelt so hoch wie die Kosten – in den drei betroffenen Gemeinden überwiege der Nutzen die von den Gemeinden zu tragenden Aufwendungen «bei weitem».

Die Kosten für das Projekt bewegten sich mit rund 550 Millionen Franken (plus/minus 20 Prozent Abweichung) «im guten Mittelfeld», wie Benno Singer vom Ingenieurbüro EWP sagte. Die ursprüngliche Schätzung sei deutlich zu tief ausgefallen, weil sich die Verantwortlichen bei der Berechnung auf die Zahlen des sehr günstigen Projektes Tram Bern-West stützten. Zum Vergleich: Das Tram Bern-West – laut Singer «städtebaulich und verkehrstechnisch wenig komplex» – kostete pro Kilometer 26 Millionen Franken. Das teuerste Tramprojekt der Schweiz, das Tram Zürich-West, kommt pro Kilometer auf stolze 77 Millionen zu stehen, und beim Tram Region Bern dürfte die gleiche Strecke zuletzt 37 Millionen Franken kosten.Diese Kosten verteilen sich wie folgt auf die Streckenabschnitte:

• Eigerplatz–Schliern (5,3 Kilometer) 190 Millionen Franken

• Viktoriaplatz–Oberfeld Ostermundigen (5 km) 272 Millionen Franken

• Oberfeld–Rüti (1 km) 42 Millionen Franken (Tunnel inklusive)

• Der später unabhängig vom Rest des Projektes realisierbare Arm Wabern–Kleinwabern (1,5 km) kostet 45 Millionen Franken.

• Nicht mitgerechnet wurden bisher die Kosten für die Innenstadtstrecke .

Den grössten Teil – 300 Millionen Franken – übernimmt der Kanton; ein Teil des Betrags wurde 2009 vom Grossen Rat als Infrastruktur-Rahmenkredit genehmigt. Falls der Bau spätestens 2014 gestartet werden kann, steuert der Bund 120 Millionen aus dem Agglomerationsprogramm bei. Die Stadt Bern, Köniz und Ostermundigen als Standortgemeinden müssten für das 10er-Tram insgesamt 90 Millionen Franken aufbringen.

Keine «Übererschliessung»

Die gewählte Linienführung, die sich – ausserhalb der Innenstadt – weitgehend an der heutigen Buslinie orientiert, halten die Experten für richtig und sinnvoll. Dies gilt auch für die Verbindung Viktoriaplatz–Ostermundigen, die gemäss Weidmann und Singer über die Viktoriastrasse laufen muss.

Die auch schon diskutierte Erschliessung entlang der bestehenden Tramlinie 9 via Guisanplatz hätte zur Folge, dass der Breitenrain durch zwei Tramlinien «übererschlossen» würde, wie die Berner Gemeinderätin Regula Rytz (GB) sagte. Das Gebiet Baumgarten/Galgenfeld/Rosengarten, vom Bus Nummer 10 bedient, würde hingegen seine bisherige Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz verlieren. (Der Bund)

Erstellt: 31.05.2011, 06:45 Uhr

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1 Kommentar

Peter Wyss

31.05.2011, 07:18 Uhr
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Schon jetzt zeichnet sich die immense Kostenspirale ab.
Aber am Projekt wird festgehalten und mit allerlei Studien versucht, es gut aussehen zu lassen.
Und dann bringt man die Vorlage so lange vors Volk, bis dieses völlig entnervt endlich JA sagt. (so geschehen bei der Linie Bern-West)
Die viel wichtigeren Fragen: Wer verdient an diesem Projekt und wer profitiert sonst noch davon?
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