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Bern

Bier, das nach Schinken schmeckt

Von Adrian Sulc. Aktualisiert am 24.09.2011 3 Kommentare

Im Lokal dieser Woche fliessen keine Suppen und Saucen sondern Hopfen und Malz.

Rund zweihundert Sorten Flaschenbier bietet der «Erzbierschof» Toni Flükiger in seiner Bar an.

Rund zweihundert Sorten Flaschenbier bietet der «Erzbierschof» Toni Flükiger in seiner Bar an.
Bild: zvg

Die Rechnung, bitte

Karte: Acht Biere ab Zapfhahn, 200 in der Flasche, Longdrinks, Cocktails und Antipasti.

Preise: Offenbiere ab Fr. 4.50, Flaschenbiere ab Fr. 7.50, Antipasti-Platten Fr. 12.–/18.–.

Kundschaft: Bierbrauer, -liebhaber, -fachsimpler und -amateure.

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Samstag, jeweils 16 bis 0.30 Uhr.

Adresse: Erzbierschof’s Bierbar, Könizstr. 276
(100 Meter vor «Otto’s»), 3097 Liebefeld, Tel. 031 971 72 75, http://bar.erzbierschof.ch.

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Denn mit Toni Flükiger hat Mitte Monat im Liebefeld jener Mann ein Lokal eröffnet, der unter Bierliebhabern als «Erzbierschof» bekannt ist.Flükiger ist als Biersommerlier und -händler eine Institution – und ein wandelndes Lexikon, wie sich später zeigen wird.

Wer sich von der Lage nicht abschrecken lässt – das Lokal liegt im Souterrain eines Autohauses – betritt unter dem Leuchtschild mit dem ketzerischen Erzbierschof-Schriftzug die Bierbar und nimmt in einem der schwarzen Ledersessel Platz. Die Karte ist bescheiden: Acht Biere stehen zur Auswahl – alle werden frisch vom Fass gezapft. Doch wie die Kellnerin aufklärt, ist dies nur die Spitze des Eisbergs: Die Flaschenbiere sind auf keiner Karte aufgeführt, weil das Angebot immer wechselt. Es sind rund 200 an der Zahl – und trotzdem nur ein Teil des Sortiments der Erzbierschof-Bierhandlung. Auch die Fässer an den Zapfhähnen wechseln laufend: Ist eines leer, rutscht eine andere Biersorte nach. (Auf der Internetseite der Bar sind der aktuelle Füllstand der Fässer und die Namen der nachfolgenden Biersorten einzusehen.)

So wird aus Hahn 1 derzeit die Naturperle der Appenzeller Brauerei Locher gezapft – ein schön leichtes und für helles Lagerbier selten wohlschmeckendes Bier. Aus Hahn 2 fliesst der am wenigsten weit gereiste Gerstensaft: das Amber der Berner Brauerei Felsenau. Es ist – wie der englische Name bereits sagt – bernsteinfarben und wunderbar aromatisch. Dazu gibts eine grosse Antipasti-Platte mit riesigen grünen und winzigen schwarzen Oliven, Trockenfl eisch, eingelegten Peperoni sowie Hart- und Hobelkäse, flankiert von Bierstangen und knusprigem, italienischem Fladenbrot.

Die Kellnerin rät, für die Wahl des Flaschenbiers Biersommerlier Flükiger an der Bar zu konsultieren. Dieser befragt die Gäste, welche Art Bier sie mögen, schreitet zu einem der Kühlschränke und greift eine Flasche heraus. Zu seinen Favoriten gehören die Biere der britischen Brauerei Brew Dog, die auf einer ihrer unkonventionellen Etiketten schreibt: «Es ist uns egal, wenn du es nicht magst.» Das von Flükiger aufgetischte Brew-Dog-Bier 5 A. M. Saint ist fast so rot wie Himbeersirup und entfaltet im tulpenförmigen Glas ein fruchtiges Aroma.

Während die Gäste die ungewohnten Biere kosten, gibt der Erzbierschof Einblick in sein Wissen: Er klärt auf, wie sich unter- und obergärige Biere unterscheiden, dass alte Brauhäuser ihre eigenen Hefepilzkulturen zur Gärung nutzen, dass böhmisches Bier dank einem bestimmten Acetyl «vollmundig und butterig» schmeckt. Dann empfiehlt er eine Packung zypriotischer Chips. Weil auf der Insel zweimal im Jahr Kartoffeln geerntet werden, erklärt Flükiger, würden keine Lagerkartoff eln verarbeitet.

Das gelb getünchte Lokal wirkt noch fast zu neu, und das teilweise grelle Scheinwerferlicht ist der Gemütlichkeit noch abträglich. Ein Billardtisch und zwei Tischfussballkästen stehen ebenfalls im Lokal. Flükiger beschallt dieses bisher leider ausschliesslich mit klassischem Rock.

Bei der letzten Runde schöpft der Erzbierschof bei der erneuten Beratung aus dem Vollen: Er holt eine Flasche des Trappistes Rochefort hervor – und dazu die zugehörige Erklärung: Das Label Trappistes dürfen nur Biere tragen, die vollständig von Mönchen des Trappisten ordens gebraut werden. Nur sieben solcher Brauereien gibt es in Belgien und Holland. Das intensive, süsse und trübe Bier besteht zu 11,3 Prozent aus Alkohol und wird im passenden Kelchglas serviert. Als weiteres Kleinod präsentiert der Biersommelier das italienische Imperial Ghisa der Marke Lambrate. Das dunkle Rauchbier trägt mit Fr. 13.50 für 3,3 Deziliter einen stolzen Preis. Das Geschmackserlebnis ist aber entsprechend exklusiv: Nicht nur Rauch nehmen Nase und Zunge wahr, sondern gar geräucherten Schinken. Wundersame Bierwelt! (Der Bund)

Erstellt: 24.09.2011, 10:16 Uhr

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3 Kommentare

Nat Ischer

24.09.2011, 11:26 Uhr
Melden 3 Empfehlung

Indertat schmecken Rauchbiere immer wie Schinken-Schachtel"käse" von Gerber. Darum hats beim Erzbierschof auch noch 200 andere Biere - und garantiert weder Heineken noch Corona. Hingehen! Antworten


Anton Flükiger

24.09.2011, 19:41 Uhr
Melden

Erzbierschof selber meldet sich hier zu Wort: Das Musikspektrum ist so abwechslungsreich wie dei Biere: Wenn eine Wiedergabeliste durch ist, kommt eine neue: In dieser Zeirt war halt der klassische Rock dran. Man kann aber an der Bar auch andere Musik wünschen.
Das Licht kann man zurückdimmen oder an der Bar melden, wenn es zu grell ist. Danke für den Bericht.
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