Berns neuer Abfallmanager
Von Bernhard Ott. Aktualisiert am 29.11.2011 3 Kommentare
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Versierter Abfallmanager
Der 56-jährige Walter Matter trat am 1. September die Nachfolge von Beat Hunziker als Leiter Entsorgung & Recycling der Stadt Bern an. Zuletzt hat der ETH-Chemiker in Kriens (LU) ein Labor für Abwasser- und Abfallanalytik geleitet und war als Berater für Abfallmanagement, Arbeitssicherheit und Gefahrengut tätig. Matter ist ursprünglich Chemielaborant. Er hat an der Ingenieurschule Basel und an der ETH Zürich Chemie studiert und in technischer Chemie promoviert. Der Vater dreier erwachsener Kinder wohnt mit der Familie in Kriens.
Herr Matter, Sie stammen aus Kriens und sind seit drei Monaten Leiter Entsorgung & Recycling der Stadt Bern. Finden Sie als Auswärtiger Bern eine schmutzige Stadt?
Ganz und gar nicht. Ich habe einen sehr positiven Eindruck und bin überrascht, wie viele Abfallkübel es in der Stadt gibt. Im Übrigen ist Littering auch in anderen grösseren Städten ein Problem. In Luzern zum Beispiel sorgen zurzeit die Abfallberge für Schlagzeilen, die von Jugendlichen jeden Abend vor dem Bahnhof hinterlassen werden.
Soll man Littering mit mehr Repression oder Prävention bekämpfen?
Es braucht beides. Repression ist eben leider auch nötig. Ich würde es begrüssen, wenn man nur mit Aufklärungskampagnen ans Ziel käme.
Warum wird überhaupt gelittert?
Das ist ein gesellschaftliches Problem. Damit wird ein gewisser Egoismus ausgelebt. Die eigene Bequemlichkeit steht im Vordergrund.
Die Polizei sollte Abfallsünder büssen, tut dies aber nicht. Wie soll Repression so funktionieren?
Die Polizei hat halt ein Ressourcenproblem. Ein Taschendiebstahl hat höhere Priorität als das Wegwerfen von Zigarettenstummeln. Zudem darf die Polizei in Bern – im Unterschied zu Luzern – nur in Uniform Abfallsünder büssen. So wird natürlich kaum jemand in flagranti erwischt. Sobald potenzielle Abfallsünder die Patrouille anmarschieren sehen, wird nicht mehr gelittert.
Dann müsste man mittags auf dem Waisenhausplatz halt einfach Polizisten patrouillieren lassen.
Für mich steht eher eine Gesetzanpassung im Vordergrund, damit die Polizei auch in Zivil büssen kann.
Ein Sorgenkind ist auch der Entsorgungshof Egelsee, der wegen Lärm und Verkehr für Unmut sorgt. Schon lange sucht die Stadt einen Alternativstandort. Haben Sie einen?
Nein. Wir planen aber keine Sanierung des Egelsees, solange wir Alternativen in Aussicht haben. Wir haben verschiedene Standorte im Osten oder Norden im Visier.
Zu Lärmklagen führen auch die Entsorgungsstellen im Quartier, so an der Glockenstrasse zum Beispiel.
Ich kann den Ärger der Anwohner nachvollziehen, wenn am Wochenende Abfall mit dem Auto angekarrt wird. Wir planen eine Umfrage bei den Quartiervereinen, um Hinweise für Verbesserungen zu sammeln. Mittel- bis längerfristig helfen aber nur eine sehr teure Verdichtung des Entsorgungsstellennetzes oder eine Reduktion des Angebotes. Büchsen und Flaschen sind ja in der Regel kein Problem. Kritisch sind Kunststoff, Papier und PET-Flaschen, da diese oft mit dem Auto angefahren werden. Wir prüfen zurzeit, ob wir auf die Sammlung dieser Stoffe in Quartierentsorgungsstellen verzichten sollen.
Das Rezyklieren von Kunststoffen ist zurzeit ohnehin ein Problem.
Es ist kein Problem. Aber in Bern wurde zu früh Kunststoff gesammelt. Wir wissen noch nicht, was wir mit dem Kunststoff aus den Haushaltungen machen können. Wir warten diesbezüglich auf eine Studie des Bafu. Zurzeit geben wir den Kunststoff in eine Versuchsanlage zur Verölung. Ob das die Technologie der Zukunft ist, ist offen. Kunststoffsammeln ist sinnvoll. Aber es braucht sortenreine Stoffe. Das Trennen verschiedener Kunststoffe ist aber sehr aufwendig. Diese Technologie ist erst in der Entwicklung. Der heute in unbewachten Sammelstellen deponierte Kunststoff ist qualitativ schlecht. Es hat viele andere Materialien drin.
Die Überwachung der Entsorgungsstellen durch die Securitas alleine kann das Problem nicht lösen?
Es brauchte eine Rund-um-die-Uhr-Bewachung. Das käme aber viel zu teuer.
Gesammelt wird ja auch mit dem Öko-Infomobil. Was halten Sie davon?
Das finde ich eine Top-Dienstleistung, auch wenn sie etwas kostet. Vor allem ältere Leute schätzen es sehr, ihr Sperrgut nicht bis zu einem Entsorgungshof tragen zu müssen.
Ihr Vorgänger hat die Abfallrechnung ausgeglichen. Grossverteiler und Take-away-Betriebe beschweren sich vor Bundesgericht gegen erhöhte Gebühren für Littering. Werden in der Abfallrechnung bald wieder rote Zahlen geschrieben?
Falls das Bundesgericht gegen die Stadt Bern entscheidet, würde sich das sicher negativ auf die Abfallrechnung auswirken. Grosse Auswirkungen dürfte aber auch eine im Nationalrat hängige Motion haben, die das Entsorgungsmonopol der öffentlichen Hand bei der Entsorgung des Firmenabfalls aufheben will.
Wann sammelt die Stadt Bern Rüstabfälle ein, wie dies ein überwiesener Vorstoss verlangt?
Es dürfte noch zwei Jahre dauern, bis wir den Vorstoss umsetzen können. Der Knackpunkt bei der Erweiterung der Grüngutsammlung auf Rüstabfälle ist die Finanzierung. Gemäss aktueller Bundesgerichtsentscheide kann ein Einsammeln von Rüstabfällen nicht über die Grundgebühr finanziert werden. Die Stadt wird demnach eine verursacherbezogene Gebühr auf Grüngut erheben müssen. Davon wäre aber auch die Abfuhr von Gartenabfällen als bisherige Gratisdienstleistung betroffen. Der Gemeinderat will über die notwendige Anpassung des Abfallreglements eine breite Vernehmlassung durchführen.
Wie soll das Einsammeln von Rüstabfällen konkret vor sich gehen?
Beim Einsammeln von Rüstabfällen und Speiseresten stellen sich Geruchs- und Flüssigkeitsprobleme. Die heute für die Grünabfuhr verwendeten Fahrzeuge müssten entsprechend umgebaut werden. Zudem müssten wohl auch neue Fahrzeuge angeschafft werden. Sofern die Stadt bei der Kompostieranlage Kewu mitmacht, würde sie fürs Erste 4000 Tonnen Sammelgut zusichern – mit der Option auf eine schrittweise Ausdehnung der Menge. (Der Bund)
Erstellt: 29.11.2011, 09:50 Uhr
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3 Kommentare
Es ist Mühsam das Auswärtige und kleine Betriebe ihren Abfall in die Säulen schmeissen, wenn sie den Abfall in die Säulen geben. Alles was rund um die Säulen immer liegt ist einfach nur ekelig. Man kann doch schon zu Hause, den Abfall trennen und so vorbereiten das er in den Schlitz der Säulen passt. Antworten
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