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Bern

Berns Pionierleistung unter Tage

Von Simona Benovici. Aktualisiert am 22.07.2011 2 Kommentare

Auf dem Berner Wankdorfplatz geht man ab 2012 sprichwörtlich neue Wege. Die meistbefahrene Kreuzung des Kantons wird durch einen unterirdischen Kreisel entlastet – ein Novum.

Der neue Wankdorfplatz nimmt Gestalt an: Die Tunnelportale, der unterirdische Kreisel und die darüberliegende Decke sind bereits realisiert. (Manu Friederich)

Der neue Wankdorfplatz nimmt Gestalt an: Die Tunnelportale, der unterirdische Kreisel und die darüberliegende Decke sind bereits realisiert. (Manu Friederich)

Momou: Formidables Bern

Von wegen Berner sind langsam: Aus Bern stammen Erfolgsmodelle und Goldmedaillengewinner. Berner erbringen Topleistungen und übernehmen Pionierrollen. Errungenschaften, die weltweit für Aufsehen sorgen, haben hier ihren Ursprung. Kurzum: Bern ist besser als sein Ruf. In den nächsten Wochen stellen wir grossartige Berner Rekorde und Bernerinnen und Berner vor, die Grosses vollbringen. Wenn Sie also wissen möchten, an welcher revolutionären medizinaltechnischen Erfindung Forscher derzeit tüfteln oder wo eine Bernerin eine 100-köpfige Küchenmannschaft dirigiert, halten Sie Ausschau nach dem flinken Bärnerbär – momou.

Stichworte

Vor pioniergeistigen Bauten hat sich Bern noch nie gescheut: Die Laubengänge der Bundesstadt entstanden bereits im 15. Jahrhundert. Heute zählen die gedeckten Arkaden zu den längsten Europas. Das Berner Münster gilt mit seinen 100,6 Metern als höchstes Gebäude der Stadt und ist die grösste spätmittelalterliche Kirche der Schweiz. Aktuell setzt Bern aber nicht nur im Hoch-, sondern auch im Tiefbau neue Massstäbe. Bei der stärkstbefahrenen Kreuzung des Kantons haben Stadt und Kanton zu einem Husarenstück ausgeholt: einem unterirdischen Kreisel – dem ersten in Bern und dem grössten in der Schweiz. Vorbei die Zeiten, als sich täglich 65 000 Autos ihren Weg über eine der zwölf Spuren bahnten, die den alten Platz querten. Künftig führen nur noch je zwei Spuren für den Individual- und den öffentlichen Verkehr geradeaus über die Kreuzung. Wer als Automobilist abbiegen will, wird durch eines der vier Tunnelportale eine Etage tiefer geführt: im Kreisverkehr.

Mehr Kapazität, weniger warten

Vor dem Umbau sei die Wankdorfkreuzung eine «Riesenmaschine» gewesen, sagt Ueli Weber, zuständiger Kreisoberingenieur des Tiefbauamts des Kantons Bern. «Wenn der Platz erst einmal fertig umgestaltet ist, wird man oberirdisch viel weniger davon wahrnehmen.» Der Grossteil der Blechlawine – rund zwei Drittel – wird ab nächstem Jahr nicht über den Platz gelotst, sondern unter diesem durchgeführt. Nur wer keinen Richtungswechsel vornehmen will oder zu Fuss, mit dem Fahrrad oder dem ÖV unterwegs ist, wird die Kreuzung oberirdisch passieren. Dadurch wird der «sichtbare Verkehr» verringert und gleichzeitig die Kapazität des Verkehrsknotens gesteigert. Das ist einerseits nötig, weil künftig zusätzlich die Tramlinie 9 über den Platz führen wird. Andererseits rechnen Experten damit, dass das Verkehrsaufkommen bis 2025 um bis zu 25 Prozent zunimmt. «In der Schweiz gibt es keine Kreuzung, die so organisiert ist, wie es der neue Wankdorfplatz sein wird.» Es gebe zwar in Frauenfeld einen ersten unterirdischen Kreisel. «Der ist aber viel kleiner, und die Verkehrsbelastung ist geringer», sagt Weber.

Da sich mit dem neuen Verkehrsmanagement auch die Wartezeit vor den Ampeln verkürzt (vor dem Umbau dauerte ein Signalumlauf zwei Minuten, neu werden es noch 60 Sekunden sein), profitiert auch der nicht motorisierte Individualverkehr von der neuen Visitenkarte am nördlichen Einfallstor zu Bern. «Als Fussgänger kann man die Fahrbahn viel schneller überqueren. Und auch für Velofahrer wird es einfacher.» Bautechnisch sind die grössten Hürden des 91 Millionen teuren Bauprojekts bereits genommen – immerhin erfolgte der Spatenstich zur Umgestaltung vor fast drei Jahren. Die Tunnelportale sind gebaut, die Wandabdichtungen gegen das drückende Grundwasser halten, die neue Brücke über die SBB-Linie Bern–Thun wird diesen Sommer vollständig in Betrieb genommen. Auch hat die Decke über dem Kreisel der ersten Belastungsprobe standgehalten. Ein 110 Tonnen schwerer Sondertransport querte letzthin die Baustelle ohne Probleme.

Interesse aus dem Ausland

«Knifflig wird es nochmals bei der eigentlichen Inbetriebnahme des Verkehrsknotens», sagt Weber. «Wir haben es hier mit einem sehr komplex gesteuerten Verkehrsmanagement zu tun, das direkt ans Autobahnnetz anschliesst.» Einmal freigegeben, müsse das «Meccano» so gut laufen, dass es keinen Rückstau auf die Autobahn gebe und das Tram freie Fahrt über die Kreuzung habe. Damit es nicht zu bösen Überraschungen kommt, haben die Spezialisten Tausende von Autos bereits durch den Kreisel und unzählige Trams über die darüberliegende Kreuzung fahren lassen. Virtuell versteht sich. In Computersimulationen wurden die Lichtsignalsteuerungen getestet und abgestimmt.

Auch wenn es bis zur Fertigstellung Ende 2012 noch etwas dauert: Bereits heute hat der neue Wankdorfplatz die Aufmerksamkeit von Mobilitätsplanern aus dem In- und Ausland geweckt. Für ein interessiertes Fachpublikum werden regelmässig Baustellenführungen angeboten. «Der grosse Schub kommt aber erst mit der Inbetriebnahme», so Weber. Dann, wenn man staune, dass der Verkehrsknotenpunkt tatsächlich halte, was er verspreche. Der Kreisoberingenieur ist aber schon heute überzeugt, dass der neue Platz, eingebunden in den Entwicklungsschwerpunkt (ESP) Wankdorf, eine «sehr gute Leistung» ist. Denn nicht nur der Wankdorfplatz, sondern der gesamte Richtplan für den ESP sei ein Musterbeispiel, wie eine intensive Siedlungsentwicklung mit einem stadtverträglichen Verkehrssystem umweltverträglich bewältigt werden könne. «Ich kenne keine Stadt in der Schweiz, die einen so gut aufeinander abgestimmten Richtplan hat.» (Der Bund)

Erstellt: 20.07.2011, 09:56 Uhr

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2 Kommentare

Vernon Stuber

20.07.2011, 10:15 Uhr
Melden 6 Empfehlung

Wenn Bern nur überall in der Verkehrsplanung so fortschrittlich wäre! Antworten


David Kocher

20.07.2011, 15:57 Uhr
Melden 6 Empfehlung

Ein super Projekt! Bern entwickelt sich immer besser. Ein Hochhaus (70-90m) am Wankdorfplatz wäre eine ideale Ergänzung für das nördliche Eingangstor der Stadt Bern. Antworten



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