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Bern

«Berner Modell» soll Schule machen

Von Sebastian Meier. Aktualisiert am 04.02.2012

Die SBB lässt den «selbstverwalteten» YB-Fan-Express weiter rollen: Das Pilotprojekt mit dem Berner Fussballklub ist nach Ansicht aller Beteiligten ein Erfolg. Die SBB wollen nun eine ähnliche Kooperation mit anderen Fussballvereinen aufgleisen.

1/4 Nach einer erfolgreichen Testphase haben die SBB, YB und die Fan-Organisationen am Freitag die Kooperation verlängert.
Bild: Manu Friederich

   

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Mit dem Fan-Zug nach Lausanne

Mit dem Fan-Zug nach Lausanne
Mit klubeigenen Begleitpersonen sind die YB-Fans am Sonntag an den Match gegen den FC Lausanne-Sport ins Waadtland gereist. Diese deeskalierende Massnahme soll künftig zum Standard werden.

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«Auf dieser Schiene wollen wir weiterfahren», sagte gestern YB-Geschäftsführer Ilja Kaenzig vor den Medien. Seit vergangenem September konnten die Anhänger des Stadtberner Fussballklubs mit «selbstverwalteten» Extrazügen an die Auswärtsspiele ihrer Mannschaft reisen. Schweizweit zum ersten Mal übernahmen nicht die SBB, sondern klubeigene Fanarbeiter die Betreuung der Fahrgäste. Gestern zogen die Spitzen der Young Boys, der Fanverbände und der SBB ein positives Fazit und besiegelten einen Vertrag, der aus dem Pilotprojekt einen «Teil des YB-Alltags» machen soll.

«Stewards» statt Bahnpolizisten

Immer wieder war es in den vergangenen Jahren in den Fanzügen zu teils erheblichen Sachbeschädigungen gekommen. Insgesamt ergaben sich dadurch für die Bundesbahnen pro Saison ungedeckte Kosten von rund 300'000 Franken. Der von den YB-Fanverbänden erarbeitete Ansatz der «Stewards» verspricht nun Abhilfe. So übernehmen die Fanarbeiter auch weiterhin die Aufgaben des Zugpersonals – von der Ticketkontrolle über die Grobreinigung bis zur Intervention im Falle von Sachbeschädigungen. «Es ist angenehmer, wenn eine ein Bekannter zurechtweist als ein Polizist», sagte gestern SBB-Geschäftsführer Andreas Meyer. Ziel sei es, den Sachschäden präventiv entgegenzuwirken. Im Gegenzug bilden die SBB die Fanarbeiter für ihre Aufgaben aus und übernehmen gegebenenfalls weiterhin die Kosten für allfällige Sachschäden.

Bereits 12'000 Franken gespart

Der neuartige Ansatz scheint sich für alle Beteiligten bewährt zu haben. In den sieben Fahrten im Rahmen des Pilotprojekts haben die Bundesbahnen laut Meyer Personalkosten von rund 12'000 Franken gespart. Hochgerechnet auf eine gesamte Saison sei mit Einsparungen in der Höhe eines «mittleren fünfstelligen Betrags» zu rechnen. «Unser erstes Anliegen ist aber nicht finanzieller Natur», betonte Meyer. Dass er das Projekt «zur Chefsache» erklärt hat, liege primär an den Rückmeldungen von verängstigten Kindern, besorgten Familienvätern und überforderten Mitarbeitern. «Diese Stimmen sollen verstummen», so Meyer.

Auch für die YB-Spitze stehen nicht die nackten Zahlen im Vordergrund. So äusserte sich Geschäftsführer Kaenzig gestern nicht zu den Kosten für den Klub. «Der Betrag ist nicht entscheidend, wenn die Richtung stimmt.»

Kooperation statt Regulierung

Zufrieden zeigten sich gestern auch die Fanvertreter. Im Namen der beiden YB-Fandachverbände betonte Clemens Friedli aber auch, dass die Fanarbeit in Bern nicht erst seit vergangenem Herbst greife. Seit 2008 bestehe ein enger Kontakt mit den SBB und seit 2009 verpflichtet sich jeder mitreisende Fan in einer Fahrtenregelung dazu, auf Gewalt und Sachbeschädigungen zu verzichten. «Die Kosten sind schon seit vier Jahren rückläufig», so Friedli. Dass dieser Trend nun fortgesetzt werden konnte, sei erfreulich, aber nicht einzig der Verdienst von Klubführung und SBB.

Dennoch sei die Kultur der Kooperation vorbildlich und eine Alternative zum aktuellen «Trend zur Regulierung». Damit meinte Friedli die kürzlich vorgestellte Strategie der Justiz- und Polizeidirektorenkonferenz. Der Massnahmenkatalog sieht unter anderem ein sogenanntes Kombiticket vor, das die Anreise der auswärtigen Fans im Detail regeln soll. «Unser Modell zeigt, dass diese Massnahme unnötig ist», so Friedli. Er äusserte aber gleichzeitig Zweifel daran, dass das freiwillige «Berner Modell» in identischer Form auf andere Städte übertragen werden kann. «Die Rahmenbedingungen und die Bereitschaft zum Engagement sind lokal sehr unterschiedlich.»

Die SBB werden laut Meyer dennoch rasch das Gespräch mit dem Schweizerischen Fussballverband (SFV) und denjenigen Klubs suchen, welche regelmässig Extrazüge chartern. Darunter dürften auch die YB-Rivalen aus Zürich und Basel sein, was Meyer gestern aber nicht offiziell bestätigte. «Wir haben ein Interesse an einem standardisierten Produkt Fanzug.» Dazu brauche es aber auch andernorts bei Fans und Funktionären die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen: «Auf Züge sollte man nicht aufspringen. Man sollte einsteigen», so Meyer. (Der Bund)

Erstellt: 03.02.2012, 11:20 Uhr

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