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Berner Grafiker für Nike und Sony

Von Mathias Morgenthaler. Aktualisiert am 31.01.2011 1 Kommentar

Die vier Grafiker von Büro Destruct arbeiten seit 17 Jahren mit Elan für Weltkonzerne und Kleinstbetriebe. Sie erarbeiten unter anderem grafische Lösungen für Nike, Nokia, Sony und die Aare Garage Bern.

In Bern verwurzelt, weltweit erfolgreich: Lorenz Gianfreda, Marc Brunner, Heinz Reber und Heinz Widmer (v. l.). (Valérie Chételat)

In Bern verwurzelt, weltweit erfolgreich: Lorenz Gianfreda, Marc Brunner, Heinz Reber und Heinz Widmer (v. l.). (Valérie Chételat)

Als Besucher weiss man nicht recht, ob das jetzt wohldosiertes Understatement ist oder einfach Nachlässigkeit. Jedenfalls deutet in den Räumlichkeiten von Büro Destruct im Berner Mattequartier nichts darauf hin, dass hier preisgekrönte Grafikdesigner an Kreationen für Weltkonzerne tüfteln. Die wenigen Sitzgelegenheiten sind entweder abgewetzt oder zerschlissen, alle Möbel sind alt, der Raum ist überfüllt, und der Kaffee wird in einer wohl tausendfach benutzten Tasse gereicht. Die vier Protagonisten hocken sich hin, zünden sich eine Zigarette an, und einer sagt, so viel gebe es gar nicht zu erzählen.

Freiraum für Experimente

Als sie am 1. April 1996 hier eingezogen seien, habe halt jeder ein paar Möbelstücke mitgebracht, sagt Lorenz Gianfreda. «Wir hatten kein Konzept, schon gar keinen Businessplan, uns verband die Freude am Grafikdesign und ein zehnjähriger Mietvertrag.» Der Erfolg blieb trotzdem oder gerade deswegen nicht aus. Kamen die ersten Aufträge noch vornehmlich von Bekannten oder über die Werbeagenturen, bei denen die vier ihr Handwerk gelernt hatten, wuchs nach der Jahrtausendwende die Bekanntheit im Ausland rasch.

Massgeblich zum internationalen Erfolg beigetragen hat der Berliner Verlag Die Gestalten, der 1999 eine erste Werksammlung der Berner Grafiker publizierte und 2003 sowie 2009 je einen weiteren Band folgen liess. «Diese Bücher sind sehr wichtig für uns», sagt Marc Brunner. «Wir hängen unsere Erfolge nicht an die grosse Glocke und machen kaum Akquisitionsarbeit – da hilft es natürlich, wenn die eigene Arbeit in London, New York, Hongkong und Tokio in den wichtigen Buchläden sichtbar ist.»

Inzwischen ist die Kundenliste imposant: Nike zog das Büro Destruct bei für die Gestaltung von Shirts, Trainern und Postern, Sony für die Produktion eines Roboterhundes, die UBS für den visuellen Auftritt der UBS-Arenen während der Euro 08. Nescafé, Nokia, Red Bull und Yahoo gehören ebenfalls zu den Kunden. Für kleine Projekte sind sich die BD-Grafiker aber nach wie vor nicht zu schade – so haben Kleinbetriebe wie Coiffeur Blond an der Münstergasse oder die Aare Garage in der Lorraine eine visuelle Präsenz erhalten, die weit über den Branchendurchschnitt hinausragt. «Entscheidend ist nicht, wie prominent der Kunde ist, sondern ob wir die Freiheit haben, etwas Unverwechselbares zu realisieren», sagt Heinz Reber. Lorenz Gianfreda ergänzt: «Finanziell gleicht sich das aus. Der Berner Garagier verhandelt mit uns knallhart um ein kleines Budget, Konzerne offerieren uns für kleine Sachen Honorare, wo man denkt: Die haben sich sicher vertippt.» Für Heinz Widmer, den 3-D-Spezialisten, ist es entscheidend, dass der Kunde Raum lässt für die Experimentierfreude: «Es gibt genug Beispiele, die zeigen, was herauskommt, wenn eine Werbeagentur unter Zeitdruck etwas aus der Schublade zieht und leicht abändert.»

Die vier Grafiker zeichnet aus, dass sie ihr Metier noch vor dem Computerzeitalter, sprich: gründlich erlernt haben. «Wenn man eine Schrift von Hand macht, entwickelt man ein anderes Verständnis für Formen und Farben», sagt Lorenz Gianfreda.

«Japaner sind 7 Jahre voraus»

Die Schriften, welche das BD-Team seit 1996 gratis im Internet zugänglich macht, werden weltweit von Grafikern verwendet – «auf dem Flohmarkt in Paris, in japanischen Läden und als Titelschrift für amerikanische TV-Serien», wie Marc Brunner weiss. Die globale Vernetzung sehen die Grafiker nicht als Bedrohung, sondern als Inspirationsquelle. Seit Jahren tauscht sich das BD-Team intensiv mit japanischen Grafikern aus. «Die Japaner sind uns sechs bis sieben Jahre voraus», sagt Gianfreda, «ihr Grafikdesign ist sehr klar und aufgeräumt.»

Aufgeräumt ist es nicht im Büro Destruct, aber was die Bürogemeinschaft in den letzten 17 Jahren an Schriften, Logos, Illustrationen, Websites, Produktedesign, Plakaten und neuerdings iPhone-Apps kreiert hat, sucht seinesgleichen. Ein Grund für die überdurchschnittliche Produktivität ist wohl auch, dass jeder auf eigene Rechnung arbeitet.

«Bei einer Gemeinschaftskasse wäre die Motivation geringer», bestätigt Gianfreda, «so stacheln wir uns gegenseitig an.» Wachstum ist dabei weniger wichtig als die unternehmerische und künstlerische Freiheit – denn dass die vier Grafiker einen Chef bestimmen und Umsatz bolzen müssten, ist ähnlich unvorstellbar wie die Ausstattung der Büros mit USM-Möbeln und Nespresso-Kaffeemaschinen. (Der Bund)

Erstellt: 30.01.2011, 12:14 Uhr

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1 Kommentar

Beat Müller

01.02.2011, 17:51 Uhr
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Typisch Schweizer Understatement, dabei wäre das gar nicht nötig. Man darf ruhig internationale Erfolge breit kommunizieren und auch richtig stolz darauf sein. Wir brauchen mehr international erfolgreiche Unternehmen, die sich und die Schweiz gegen aussen professionell verkaufen. Antworten



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