«Bern wäre ohne Reithalle keine kulturelle Wüste»
Von Rahel Bucher. Aktualisiert am 13.08.2010 11 Kommentare
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Das Initiativkomitee der Volksinitiative «Ja zu Schliessung und Verkauf der Reitschule» hat gestern seinen Abstimmungskampf eröffnet. Die Initiative fordert die Schliessung und den Verkauf der Reitschule an den Meistbietenden. Erich J. Hess, Grossrat und Stadtrat SVP, Alexander Feuz, Präsident FDP Bern-Kirchenfeld, Roland Jakob, Vizepräsident SVP Stadt Bern, und Kevin Huber, Präsident Junge SVP Stadt Bern, begründen die Initiative damit, dass die jetzigen Zustände in und um die Reitschule unhaltbar seien und sich dringend etwas ändern müsse.
Ob die Reitschule als Ort der Angst oder als Ort von kultur- und gesellschaftspolitischer Bedeutung für die Stadt Bern wahrgenommen wird, werden die Berner am 26. September entscheiden.
Viele Berner schätzen die Reitschule für ihr kulturelles Angebot. Waren Sie auch schon an einer Veranstaltung in der Reitschule?
Nein, ich war noch nie an einem kulturellen Anlass. Erstens, weil die Reithalle keine Kultur bietet, die mich anspricht. Zweitens wäre es wahrscheinlich zu gefährlich, wenn ich mich in der Reithalle zeigen würde. Die Aggressionen gegen meine Person sind etwas hoch.
Sie haben sich also nie ein eigenes Bild von der Reitschule gemacht?
Doch, etwa vor drei Jahren. Damals habe ich im Stadtrat einen Wettbewerb gewonnen. Der Preis war die Besichtigung der Reithalle. Ich bin nur gegangen, weil mir die Reitschüler zugesichert haben, dass sie sich um meine Sicherheit sorgen werden. Das haben sie auch gemacht.
Schon drei Mal – 1990, 2000 und 2005 – haben sich die Berner gegen eine kommerzielle Umnutzung der Reitschule ausgesprochen. 1999 stimmten sie auch einem Sanierungskredit zu. Wieso ist jetzt der richtige Zeitpunkt, zum vierten Mal über die Schliessung abzustimmen?
Richtige Schliessungsinitiativen gab es seit 20 Jahren nicht mehr. Ich glaube, nach 20 Jahren dürfen wir wieder einmal über die Schliessung der Reithalle diskutieren. Die Reithalle hat immer wieder Verbesserung versprochen, was nie eingetroffen ist. Das beste Beispiel ist der 6. Oktober 2007, als die Reitschüler die Kundgebung gegen die SVP organisierten und dabei die ganze Stadt kurz und klein geschlagen haben. Besserung gibt es erst seit eineinhalb Jahren, also seitdem unsere Initiative eingereicht wurde.
Ihre Gegner werfen Ihnen vor, die Initiative zur Selbstprofilierung (im Hinblick auf die Grossratswahlen im Frühling 2010) lanciert zu haben. Was sagen Sie dazu?
Die haben sonst keine oder zu wenig Argumente gegen die Initiative. Deshalb werde ich wahrscheinlich persönlich relativ häufig und stark angegriffen. Dies obwohl auch sehr viele andere Bernerinnen und Berner sehen, dass es an der Zeit ist, die Reithalle zu räumen.
Kino, Einkaufszentrum oder Sporthalle: Wird die Initiative angenommen, soll die Reitschule vom meistbietenden Käufer umgenutzt werden. Warum lassen Sie die künftige Nutzung der Reitschule offen?
Wir wissen ja noch nicht, wer schlussendlich am meisten zahlen wird für die Reitschule. Mich würde es natürlich freuen, wenn etwas Anständiges reinkommt. Seien das Büroräumlichkeiten, Einkaufsläden, ein Barbetrieb oder eine Markthalle. Da bestehen viele Möglichkeiten. Sobald jemand die Reithalle gekauft hat, muss der Käufer die Verantwortung dafür tragen. Somit können sich nicht mehr alle herausreden.
Sie bezeichnen die Reitschule als rechtsfreien Raum und Hort für Gewalt, Terrorismus und linksextremes Gedankengut. Denken Sie, diese Phänomene mit der Schliessung der Reithalle aus Bern zu verbannen?
Ich glaube, dass sich durch die Schliessung der Reitschule die Probleme aus dem Zentrum heraus verlagern und dadurch massiv kleiner würden. Natürlich müsste die Polizei gerade in der Anfangsphase genug repressiv sein, damit es zu keiner Verlagerung in die Stadt hinein kommt.
Die Reitschule ist ein Ort, an dem sich Randgruppen und Minderheiten aufhalten können. Wo sollen sie hin, wenn es die Reitschule nicht mehr gibt?
Es kann nicht die Aufgabe der Stadt sein, solchen Randgruppen mitten in der Stadt ein Zuhause zu bieten. Zudem kommen viele Leute, die sich in der Reitschule aufhalten, von ausserhalb der Stadt Bern. Ich bin der Meinung, dass Bern nicht auf die ganze Welt aufpassen muss. Jede Gemeinde soll sich um ihre eigenen Randständigen kümmern.
Mit der Schliessung der Reitschule würden viele Berner einen Ort verlieren, der für sie eine hohe kultur- und gesellschaftspolitische Bedeutung und Tradition hat. Was für Alternativen gibt es?
In Bern gibt es viele subventionierte und ähnlich gelagerte Kulturbetriebe. So zum Beispiel den Progr, das Wasserwerk, den Gaskessel und... Ich glaube nicht, dass Bern ohne Reithalle plötzlich eine kulturelle Wüste wäre. Im Gegenteil: Es würde die privat schaffende Kultur anregen.
Gemeinderat und Stadtrat lehnten die SVP-Initiative klar ab. Wie schätzen Sie die Chance ein?
Der Abstimmungskampf ist gerade erst angelaufen, und wir wissen, dass in der Stadt Bern sehr viele Linke wohnen. Wir müssen es schaffen, die Leute über die bestehenden Missstände wie Kriminalität, gewalttätige Demonstrationen, Drogendeal in und rund um die Reithalle aufzuklären. Allenfalls können wir eine knappe Mehrheit erreichen.
Der Promotor der letzten Anti-Reitschule-Initiative, Stadtrat Simon Glauser (SVP), ist im Initiativkomitee nicht dabei. Ist die Initiative auch in Teilen der SVP umstritten?
Unsere Botschaft, dass die Reithalle geräumt und an den Meistbietenden verkauft werden soll, ist nicht bestritten. (Der Bund)
Erstellt: 13.08.2010, 07:28 Uhr
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11 Kommentare
Die Reithalle zu schliessen wäre ein riesiger Verlust für Bern! Wird auch nie und nimmer passieren-sinnlose Abstimmung! Geht wohl wirklich nur um Profilierung. Würde sie geschlossen... Würden sich viele Leute wehren-auch ich würde Steine werfen und zum gut verdienenden Sozialfall werden bis zurückgekrebst wird.(bin bald 30). Zum Glück kommts nicht soweit... Antworten
Herr Hess die alte Platte die sie abspielen. Was ist das nächste Objekt das sie verhöckern. Lieber Reitschul-Symphatisanten als Reitschul-Spekulanten. Welcher Miliardär hat schon das "Auge" drauf geworfen Herr Hess? Könnte ja dann ein SVP-Schloss mit permanenter Hodler Ausstellung werden. Antworten
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