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Bern

Begegnungszonen nicht unumstritten

Von Patricia Götti. Aktualisiert am 04.02.2011 2 Kommentare

Bern ist top in Sachen Begegnungszonen – was nicht überall für Freude sorgt.

Jürg Weder vom Länggass-Leist mag sie nicht, die Begegnungszonen. (Adrian Moser)

Jürg Weder vom Länggass-Leist mag sie nicht, die Begegnungszonen. (Adrian Moser)

Verkehrsberuhigter als Bern ist keine andere Stadt in der Schweiz. Jedenfalls punkto Begegnungszonen: Ganze 65 von ihnen bestehen aktuell, mehr als irgendwo sonst, wie Hugo Staub, oberster städtischer Verkehrsplaner, mit einem gewissen Stolz sagt. Zum Vergleich: Im rund dreimal grösseren Zürich gibt es zurzeit lediglich deren 48.

Das Spezielle: Bern ist ein regelrechter Begegnungszonen-Pionier, war vor bald zehn Jahren – gleich nach der entsprechenden Anpassung des nationalen Rechts – laut dem Verband Fussverkehr Schweiz die erste Stadt mit einem eigenen Konzept, das Anwohnern erklärt, wie sie vorgehen müssen, um aus einer Quartierstrasse eine Begegnungszone zu machen. Dort gilt dann Tempo 20, und Fussgänger haben den Vortritt.

Hier in Bern könne eine Begegnungszone sehr einfach und rasch errichtet werden, sagt Staub. Lediglich gut ein Jahr dauert es im Schnitt von der Idee bis zur Umsetzung. Das Erfolgsgeheimnis: «Die Behörden halten sich zurück.» Die Initiative komme allein von den Anwohnern. Umgesetzt wird dann schliesslich, was Staub die «M-Budget-Variante einer Begegnungszone» nennt: einige Schilder, einige Strassenmarkierungen – fertig. Zuweilen gebe es deswegen Auseinandersetzungen mit Anwohnern, die sich eine aufwendigere – und kostspieligere – Gestaltung wünschten. Staub: «Mir sind 65 einfache Zonen lieber als 10 aufwendige.»

«Brandgefährlicher Zynismus»

Alles eitel Freude also? Nicht alle sind von Begegnungszonen begeistert – so etwa Anwohner am Robinsonweg. Auch aus der Länggasse klingen Misstöne: Eine «totale Fehlplanung», ein «völliger Unsinn» und punkto Verkehrssicherheit brandgefährlich sei die Begegnungszone hier, an der verkehrsorientierten Mittelstrasse, sagt Jürg Weder, Co-Präsident des Länggass-Leists. Begegnungszonen seien nur auf kleinen Strassen in Wohnzonen sinnvoll.

«Es grenzt an Zynismus, die Leute – allen voran die Kinder – als Mittel zur Verkehrsberuhigung bei diesem Verkehr auf die Strasse zu lassen.» Weil in der Begegnungszone Fussgänger- und Fahrbereich nicht mehr klar durch einen Trottoirrand getrennt seien, seien die Kinder nicht geschützt. Wohl sei der Durchgangsverkehr in der Länggasse in den letzten Jahren verschwunden durch die Sperrung der Halenstrasse und den Bau des Neufeldtunnels. Weiterhin gebe es aber innerhalb des Quartiers ein hohes Verkehrsaufkommen durch Leute, die hier arbeiteten oder wohnten, sagt Weder: «Die Länggasse ist nun einmal kein autofreies Quartier.»

Im Gegensatz zu sonst kam der Impuls zur Begegnungszone Mittelstrasse nicht aus dem Quartier, sondern aus der Politik: 2002 sagte das Berner Stimmvolk Ja zum Neufeldtunnel bei gleichzeitiger Schaffung von verkehrsberuhigten Zonen in der Länggasse.

«Kein Spielplatz»

«Die Begegnungszone Mittelstrasse kann man nicht mit einer Begegnungszone auf einer verkehrsarmen Quartierstrasse vergleichen – wir wollten nie einen Spielplatz aus der Mittelstrasse machen», sagt Verkehrsplaner Staub. Der motorisierte Verkehr im Quartier sei nicht wegzudiskutieren. Ähnlich wie in Bümpliz habe die Begegnungszone den Zweck, das Quartierzentrum verkehrstechnisch zu beruhigen.

Staub räumt ein: «Wir sind noch nicht am Ziel.» Auf die mangelnde Beachtung des Verkehrsregimes habe man aber inzwischen mit baulichen Massnahmen reagiert, welche das Verkehrsregime besser erkennbar machten. Und ausserdem: «Eine Begegnungszone braucht immer eine gewisse Angewöhnungszeit.»

Ebenfalls auf einen politischen Entscheid zurück geht die Begegnungszone untere Altstadt. Und auch sie sei nicht zu vergleichen mit einer Begegnungszone in einem Wohnquartier, sagt Staub: «Man sollte vielleicht eher von einer Art Fussgängerzone sprechen: wo der Verkehr weniger aggressiv fliesst, die Fussgänger Platz zum Flanieren haben, der Lärm gesenkt wurde.»

Sven Gubler, Präsident der Vereinigten Altstadtleiste, ist grundsätzlich zufrieden mit der Begegnungszone. Probleme gebe es schon, etwa punkto Nichtbeachtung der Tempolimiten und Schleichverkehr. Aber: «Man darf nicht zu stark ein unrealistisches Idealbild vor Augen haben.» (Der Bund)

Erstellt: 04.02.2011, 09:16 Uhr

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2 Kommentare

Tonz Montana

04.02.2011, 14:09 Uhr
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Tja, leider ist Bern auch die einzige Stadt in der Schweiz ohne richtige Fussgängerzone!! Hugo Staub ist eben dummerweise Autoverkehrsplaner, nicht Fussgängerverkehrsplaner, sonst wäre er sicher weniger stolz! Antworten


Christian Duerig

04.02.2011, 16:31 Uhr
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«I ha Bärn gärn» Seit der Gründung der Stadt Bern 1191 hat es in dieser Stadt nie eine "Richtige Fussgängerzone" gegeben. Die Berner wollen das auch nie. Für uns genügen "Beruhigungszonen". Wir sind so geschickt, dass wir uns mit dem Velo, dem Töff, dem Auto, dem Bus, dem Tram usf. hier erholen können. In der Aare schwimmen wir sogar ohne zu "Rudern". Bist du in diesen Zonen nicht vorsichtig, dann Antworten



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