Bären lassen die Kassen klingeln – aber nicht jene der Stadt
Von Christian Brönnimann. Aktualisiert am 03.05.2010 1 Kommentar
Die Beizer der unteren Berner Altstadt haben derzeit zwei Betriebsversicherungen: Sie haben je vier Beine und heissen Urs und Berna. Dank dem Bärennachwuchs läuft das Geschäft in diesem Frühling wohl so gut wie nie zuvor. «Bei uns arbeiten 15 Personen mehr als in einem normalen Frühling und acht Personen mehr als im Sommer, wenn üblicherweise Hochbetrieb herrscht», sagt Marco Maeder, Geschäftsführer des Alten Tramdepots, das unmittelbar neben dem Bärenpark liegt. Sowohl in der Küche als auch im Service und beim Reinigungsteam habe man aufgestockt. Vor allem nachmittags sei der Besucheransturm spürbar, am Abend sei das Alte Tramdepot bereits früher sehr gut gelaufen. Der Umsatz liege etwa 10 bis 15 Prozent über den Vorjahresmonaten. «Wir haben mit einem Anstieg der Besucherzahlen gerechnet, aber dass er so hoch ausfällt, hat uns doch ein wenig überrascht», sagt Maeder.
Neue Kindersitze angeschafft
Auch auf der anderen Seite der Nydeggbrücke kann man sich über den Bärenpark-Boom freuen. Bei schönem Wetter und an Wochenenden sei der Umsatz um mindestens 15 Prozent gestiegen, sagt Antonio Gomez, Pächter der Pizzeria Treff zuunterst an der Gerechtigkeitsgasse. In Küche und Service habe er je eine Person neu anstellen können. Unter den Gästen seien viele Familien mit Kindern, erzählt Gomez. «Früher hatte ich zwei Kindersitze für die kleinen Gäste. Nun habe ich vier neue angeschafft.» Um den Nerv der Zeit zu treffen, überlegt sich Gomez, eine Bärenpark-Pizza, die in der Form eines Bären daherkommen würde, auf die Speisekarte zu setzen.
Ähnlich beurteilt Jürg Musfeld, Pächter des Belle Epoque, das ein paar Hausnummern weiter oben liegt, die Situation. Er spricht von 10 bis 20 Prozent Umsatzsteigerung an den Wochenenden. Auch bei schlechtem Wetter sei die Grundfrequenz der Passanten gestiegen. Doch Musfeld ist realistisch: «Das Ganze ist wahrscheinlich von kurzer Dauer. Bereits im nächsten Jahr wird der Strom wieder abnehmen.»
Alle angefragten Beizer sagen, dass bislang vor allem Gäste aus der Schweiz für die Steigerung gesorgt haben. Gespannt sein kann man also auf den Sommer, wenn noch mehr ausländische Touristen hinzukommen werden.
«special price, 12.–»
Die Restaurantbetreiber sind indes nicht die Einzigen, die sich etwas vom Bärenpark-Kuchen abschneiden können. Das Kulturlokal Mahogany Hall am Klösterlistutz wirbt inzwischen auf seiner Homepage mit dem Slogan: «Der erste Jazzclub mit eigenem Bärenpark». Über die zukünftige Ausrichtung des Lokals laufen derzeit die Diskussionen. Eine Variante ist die Eröffnung eines neuen Cafés.
Daneben buhlen verschiedene Souvenirläden um die Gunst der Kunden. Er sei «sehr zufrieden» mit dem Umsatz, sagt Manuel Mello vom Nagrem-Shop beim Nydegg-Brückenkopf. Vor dem Ladeneingang steht eine Box, die mit «special price, 12.–» angeschrieben ist. Darin stapeln sich Plüschbären, welchen ein Halstuch mit Schweizer Kreuzen umgebunden ist. Die Bären seien der Kassenschlager, 500 Stück habe er in diesem Jahr bereits verkauft, sagt Mello.
Im Privatkiosk bei der Bushaltestelle Bärengraben sucht man seit Anfang Jahr vergebens nach Zeitungen oder Zeitschriften. Sie habe ihr Sortiment ganz umgestellt, sagt Inhaberin Sylvia Dänzer. Das Geschäft mit Souvenirs und kleiner Zwischenverpflegung laufe viel besser als mit Presseprodukten. Ihre Situation seit der Bärenpark-Eröffnung lasse sich nicht vergleichen mit letzem Jahr, als sie um die Existenz habe kämpfen müssen. Der Renner bei ihr seien Postkarten mit Bärensujets. Innerhalb von drei Wochen hat Dänzer nach eigenen Angaben 900 Karten verkauft.
Tassen, Taschen, T-Shirts
Dann gibt es noch den offiziellen Bärenpark-Shop im alten Bärengraben. Hier werden Bärenpark-T-Shirts (29.–), Bärenpark-Tassen (15.–), Bärenpark-Mützen (29.–), Bärenpark-Tragtaschen (5.–), Bärenpark-Schirme (19.–) oder Bärenpark-Armbanduhren (39.–) feilgeboten. «Der Shop etabliert sich langsam und läuft immer besser», sagt Tierparkdirektor Bernd Schildger. Zahlen lägen noch keine vor, man liege aber etwa in den Erwartungen. Auch im offiziellen Shop sind die Postkarten am beliebtesten. An einem schönen Sonntag wandern laut Schildger gut und gerne 1000 Stück über den Ladentisch.
Nur die Spenden-Kasse fehlt
Vom Andrang profitieren auf der finanziellen Ebene also viele – am wenigsten aber Tierpark und Stadt, zumindest nicht direkt. Schon lange vor dem Bau des Bärenparks wurde entschieden, dass der Besuch kostenlos sein soll. Um die Gemeindefinanzen doch noch etwas zu entlasten, hat der Tierpark bereits im Februar zwei Spenden-Kassen bestellt. Diese hat Bauherrin Stadtbauten Bern bis heute nicht geliefert. Laut Stabe-Chef Rudolf Lanzrein dauert die Lieferung so lange, weil es sich bei den Kassen um Spezialanfertigungen handle. «Bis vor Pfingsten sollten die Kassen nun endlich installiert sein», sagt Schildger. Gleichzeitig warnt er aber vor zu hohen Erwartungen an die Kassen. Würden die Besucher nicht direkt angesprochen, lasse die Spendenfreudigkeit häufig zu wünschen übrig.
Das Ganze sei aber sowieso eher nebensächlich, sagt Schildger. «Denn der eigentliche Gewinn des Bärenparks ist nicht kommerzieller Art.» (Der Bund)
Erstellt: 03.05.2010, 08:01 Uhr
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