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BKW-Chef: «Wir wissen, dass die Stromlücke kommt»

Von Sarah Nowotny. Aktualisiert am 18.03.2011 1 Kommentar

Für BKW-Chef Kurt Rohrbach gibt die aktuelle AKW-Debatte Gelegenheit, verschiedene Szenarien für die Energieproduktion in Betracht zu ziehen.

Kurt Rohrbach ist Chef des bernischen Energieversorgers BKW. (Franziska Scheidegger)

Kurt Rohrbach ist Chef des bernischen Energieversorgers BKW. (Franziska Scheidegger)

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Herr Rohrbach, die Chancen für AKW sind deutlich gesunken. Müssten Sie nun nicht auf Mühleberg II, zu dem die Berner nur knapp Ja gesagt haben, verzichten, damit Sie mit Ihren Partnern wenigstens ein AKW bauen können?
Das ist eine interessante Fragestellung, aber wir haben ein anderes Szenario. Im Moment sind alle drei Gesuche für neue Anlagen sistiert. Das heisst, alle haben genug Zeit, die Rahmenbedingungen neu zu definieren. Die Diskussion über unsere Werte muss jetzt aufgenommen werden. Bis vor zehn Tagen war auch CO2 ein Thema, heute steht verständlicherweise die Sicherheit im Zentrum. Die Klimaproblematik wird aber wieder Bedeutung bekommen.

Bis zur nationalen Abstimmung über den AKW-Bau ist deren guter Ruf aber nicht wiederherzustellen. Zwei neue AKW sind unrealistisch.
Man wird die Lage in Bezug auf alle drei Gesuche analysieren. Der momentane Marschhalt ist dazu da, uns Klarheit zu verschaffen. Da hat es doch keinen Sinn, jetzt schon Entscheidungen vorwegzunehmen.

Möglicherweise wird das Verfahren für neue AKW nach der Sistierung ganz neu aufgerollt. Dann müsste vielleicht auch die Volksabstimmung im Kanton Bern wiederholt werden.
Das hat bis jetzt niemand offiziell in Erwägung gezogen. Klar ist aber, dass der politische Wert der Abstimmung im Februar dramatisch gesunken ist. Die Gesuche wurden sistiert, damit neue Erkenntnisse einfliessen können. Erst danach kann man entscheiden, ob es eine neue Stellungnahme des Kantons und damit möglicherweise eine Wiederholung der Abstimmung braucht. Wenn nicht Frau Leuthard die Gesuche sistiert hätte, hätten wir das wahrscheinlich getan. Klar ist aber: Die Bürger wollen Strom. Den müssen wir liefern, und dafür gibt es verschiedene Szenarien. Wir sind sehr offen.

Die Strombranche hat immer gesagt, es müsse schnell gehen mit neuen AKW, sonst drohe die «Stromlücke».
Ja, wir wissen, dass die Stromlücke kommt – ausser es gibt ein Umdenken. Um sie zu verhindern, sind wir bereit, auf Übergangslösungen zu setzen, auf die man sonst vielleicht verzichtet hätte. Was die erneuerbaren Energien angeht: Es braucht ein ganzes System, damit sie funktionieren. Produktion, Speicher und Leitungen müssen zusammenspielen. So etwas braucht Zeit – und dann muss auch noch die preisliche Entwicklung stimmen.

Zum Umdenken könnte auch die BKW etwas beitragen. Werden Sie nun auf Ihre Entscheidung, die Zielsetzungen bei den erneuerbaren Energien im Inland nach unten zu korrigieren, zurückkommen?
Wir haben unser Engagement nicht zurückgenommen. Jetzt könnten wir höchstens die Lage optimistischer einschätzen. Das würden wir gerne, aber im Moment ist eher das Gegenteil der Fall: Der Widerstand wächst, die Standorte werden rarer.

Auch gegen ein Gaskraftwerk in Utzenstorf wurde heftig opponiert. Dennoch scheint das wieder eine Option für die BKW zu sein.
Ja, denn jetzt müssen alle ihre Wertesysteme überdenken. Letztendlich sind die Lasten der Energieproduktion auf viele Schultern zu verteilen. (Der Bund)

Erstellt: 18.03.2011, 08:28 Uhr

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1 Kommentar

werner witschi

18.03.2011, 09:25 Uhr
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Herr Rohrbach, ja, ein Umdenken ist gefragt, das fängt da an, wo der Produzent, Sie, nicht noch zusätzlich das Grundangebot erhöht und dann krampfhaft Kunden für das noch grössere Grundangebot sucht. Fangen Sie an, aktiv die Elektrospeicherheizungen zu migrieren. Tun Sie nicht, da diese ja Ihr Grundangebot abnehmen. Sie machen dann daraus die Grundlast und der Private soll dann Umdenken. Antworten



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