BKW reagiert auf Entwicklung im Solarstrommarkt
Von Dölf Barben. Aktualisiert am 06.09.2011 1 Kommentar
Der Markt für Solarstrom ist in Bewegung. Privatkunden können Solarstrom immer günstiger beziehen. Und die Preise, die private Produzenten für Solarstrom erzielen können, klettern allmählich aus dem Keller heraus. Mit ein Grund für diese Entwicklung: In den letzten Wochen sind auf dem Solarstrom-Markt drei bemerkenswerte Dinge passiert.
• Erstens: Im Emmental haben drei private Energieunternehmer «Strom von hier» gegründet. Über diese Vermarktungsplattform wollen sie den ökologischen Mehrwert von Solarstrom verkaufen, der in der Region, vornehmlich auf Dächern von Bauernhäusern, produziert wird. Der Aufpreis für eine Kilowattstunde beträgt rund 50 Rappen. Als kleiner Coup ist es den drei Unternehmern gelungen, dem Energiekonzern BKW die Güezi-Fabrik Kambly als Bezüger von Solarstrom abzuwerben («Bund» vom 30. August).
• Zweitens: Fast zeitgleich hat die BKW den eigenen Aufpreis für eine Kilowattstunde Solarstrom von 80 auf 63 Rappen reduziert.
• Drittens: Ebenfalls dieser Tage hat die BKW ihre Rückliefertarife für ökologisch produzierten Strom erhöht. Produzenten von Ökostrom, die noch auf die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) warten, erhalten nicht mehr nur den physikalischen Energiewert vergütet (für Solaranlagen lag die Entschädigung bisher bei 10 bis 15 Rappen). Solange sie auf der KEV-Warteliste stehen, bekommen sie ab sofort 80 Prozent der zu erwartenden Vergütung. Dies kann für den Hausbesitzer, der auf seinem Dach eine Solaranlage betreibt, etwa 30 Rappen ausmachen. Die Entschädigung variiert je nach Art und Grösse der Anlage. Dieses Angebot ist von der BKW mit ganzseitigen Zeitungsinseraten beworben worden. Wie es beim Unternehmen heisst, stösst es auf Interesse.
«Es ist Bewegung im Markt»
Doch weshalb handelt die BKW gerade jetzt? Markus Gisler, einer der drei Solarunternehmer von «Strom von hier» und Geschäftsführer des Solartechnik-Unternehmens Megasol in Aarwangen, sieht mehrere Gründe. Zunächst sei es aber erfreulich, dass die BKW die Rückliefertarife erhöhe und den Aufpreis für Solarstrom reduziere, sagt er auf Anfrage. Die BKW leiste in dieser Hinsicht mehr als andere grosse Stromkonzerne. «Es wäre wohl zu viel gesagt», meint er schmunzelnd, «dass die BKW diese Preisanpassungen unseretwegen vorgenommen hat.» Aber: Auch die grossen Stromkonzerne würden nun allmählich merken, dass kleinere Elektrizitätswerke und Private mit Strom zu handeln beginnen. Für sie ergebe sich daraus ein gewisser Handlungsbedarf. Denn letztlich könnte dies dazu führen, dass lokale Elektrizitätswerke sich teilweise aus der Abhängigkeit von der BKW befreien könnten. «Es ist Bewegung im Markt – und das beunruhigt die Grossen», sagt Gisler.
Die Sendung «Kassensturz» des Schweizer Fernsehens vom 20. Mai hatte weniger Lob für die BKW übrig. Darin wurden sie und andere Stromversorger angeprangert, weil sie Solarstrom mit saftigen Aufpreisen verkaufen und die Produzenten im Gegenzug mager entschädigen. Ausnahmen gibt es, wie etwa die Stadtwerke Winterthur, die Solarstrom für einen Preis einkaufen, der rund drei Mal über dem Normaltarif liegt. Könnte es sein, dass solche Vergleiche das Image schädigen und gewisse Konzerne unter Zugzwang bringen? Immerhin lag die BKW im «Kassensturz»-Vergleich am Ende der Rangliste: Beim Berner Stromkonzern war die Negativdifferenz zwischen der Entschädigung für Solarstromproduzenten und dem Normaltarif am grössten. Das Stadtberner Elektrizitätswerk EWB lag dabei im Mittelfeld. Bei EWB halten sich die beiden Beträge ungefähr die Waage.
«Spannende Phase» für die BKW
Die jüngsten Schritte hätten nichts mit Imagefragen zu tun, sagt BKW-Sprecher Antonio Sommavilla auf Anfrage. Die BKW beobachte die Entwicklung der Technologie und des Marktes «selbstverständlich und seit je intensiv». Zur Strategie der BKW gehöre es schon seit Jahren, die «neuen» erneuerbaren Energien zu fördern. Dafür habe das Unternehmen bereits namhafte Beträge ausgegeben. Der Markt, für dessen Öffnung sich die BKW stets ausgesprochen habe, befinde sich derzeit «tatsächlich in einer spannenden Phase», sagt er weiter. Die Preisänderungen der BKW seien Ausdruck der Marktentwicklung. Was den raschen Umbau von Energiesystemen betrifft, sind laut Sommavilla aber auch «realistische Einschätzungen» gefragt. So seien aus Sicht der BKW Grosstechnologien auch in Zukunft unerlässlich. Als Energieversorger sei die BKW auf Werke angewiesen, die «relativ rasch in die Bresche springen können». (Der Bund)
Erstellt: 06.09.2011, 11:16 Uhr
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