Bern

Stadtrat lehnt Aula-Neubau beim Länggass-Schulhaus ab

Von Bernhard Ott. Aktualisiert am 17.08.2012

Fast alle Parteien forderten am Donnerstagabend im Stadtrat eine Überprüfung des Aula-Standorts in der Länggasse – und äusserten damit Kritik am Gemeinderat.

Der Streit um den Aula-Neubau schwelt weiter.

Der Streit um den Aula-Neubau schwelt weiter.
Bild: Manu Friederich

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Freiraum sei in der Stadt Bern ein rares Gut, insbesondere in der Länggasse, sagte Monika Hächler (GB) gestern im Stadtrat. Sie hatte gemeinsam mit Vertretern dreier weiterer Fraktionen eine Motion lanciert, die einen Stopp der Planung für eine neue Aula auf dem Pausenplatz des Grossen Länggass-Schulhauses verlangt. Der Aula-Neubau stiess auf Kritik, weil ihm ein beliebter Spielplatz weichen müsste.

Einsatz für Freiräume . . .

«Wir verlangen eine generelle Überprüfung der Schulraum-Planung im Schulkreis Länggasse-Felsenau», sagte Kurt Hirsbrunner (BDP). Es gehe nicht an, einfach einen Spielplatz «zuzubetonieren». Hirsbrunner half bei der Lancierung einer weiteren Motion mit, worin die Konzeption einer neuen Schulanlage auf dem Areal Hochfeld verlangt wird, die auch einen Aula-Neubau beinhaltet. Das Bedürfnis nach einem Aula-Neubau war unbestritten. «Aber es stellt sich die Frage, wo die Aula hingestellt werden soll», sagte Jürg Weder (GLP). «Testosterongesteuerte» Kinder und Jugendliche brauchten Räume, um sich austoben zu können. Wenn die Aula auf dem Spielplatz gebaut werde, sei diese Freifläche «für immer weg». Die Quartierkommission Länggasse (QLä) habe sich einstimmig gegen einen Aula-Standort beim Grossen Länggass-Schulhaus ausgesprochen. «Der Gemeinderat kann diese Willensäusserung nicht einfach vom Tisch wischen», sagte Weder.

. . . und die «Seele des Quartiers»

«Es ist nie versucht worden, in die Seele des Quartiers hineinzuschauen und dessen Bedürfnisse ernst zu nehmen», sagte Rania Bahnan-Büchi (GFL). Die Berner Stadtbauten (Stabe) hätten keine umfassende Standortstudie unter Einbezug des Areals Hochfeld vorgenommen. Beim Widerstand gegen die Aula gehe es nicht um Rechthaberei, sondern um die Einhaltung eines demokratischen Prozesses. «Wir wollen, dass der Gemeinderat dem Stadtrat endlich zuhört.» SVP-Sprecher Ueli Jaisli bezeichnete den Planungsprozess als «Husarenstück». Man könne nicht einfach über den Lebensraum der Bürger entscheiden, ohne diese einzubeziehen.

Der einzige Votant für den Aula-Neubau beim Grossen Länggass-Schulhaus war Pascal Rub (FDP). «Die Schulinfrastruktur in der Länggasse ist in einem absolut desolaten Zustand.» Dringend nötige Sanierungen würden ständig hinausgeschoben. Der Bau einer Aula sei seit längerer Zeit überfällig. Auch wenn noch weitere Standorte abgeklärt würden, sei klar: «Irgendjemand wird immer dagegen sein», sagte Rub. Gemeinderätin Edith Olibet (SP) betonte, dass

es bei einer Annahme der Motionen Jahre dauern werde, bis die Länggasse eine Aula erhalte. Schulhausplätze seien primär für die Bedürfnisse der Schule da. Olibet kritisierte die «Alles-oder-nichts-Strategie» der Aula-Gegner. Der Gemeinderat habe Schritte gemacht und das Projekt angepasst. Das angepasste Projekt beinhalte nach wie vor einen Spielraum. Der Platz werde nicht zugebaut, sondern neu gestaltet. «Aber die andere Seite hat sich nicht bewegt.» Olibet stellte das Manko an Spielflächen in der Länggasse nicht in Abrede. «Man darf dieses Problem aber nicht auf dem Buckel der Schulkinder austragen.»

«Finanziell unverständlich»

Dieser Appell blieb jedoch ungehört: Der Stadtrat nahm die Motion für einen Stopp der Aula-Planung beim Grossen Länggass-Schulhaus mit 43 zu 8 Stimmen (bei 11 Enthaltungen) an. Der zweite Vorstoss für eine Neukonzeption der Schulanlage Hochfeld unter Einbezug einer Aula wurde mit 44 zu 10 Stimmen (bei 10 Enthaltungen) angenommen. Stimmenthaltungen gab es vor allem in Olibets Partei, der SP. Schulkommissionspräsident Cipriano Alvarez nahm die Entscheide «mit Bedauern» zur Kenntnis. Sie seien für die Schule, aber auch aus finanzieller Sicht unverständlich. Dabei gehe es nicht nur um die bisher investierten Projektkosten in der Höhe von 180 000 Franken. «Im Hochfeld soll nun eine intakte Schulanlage neu konzipiert werden, die zuletzt 2006 saniert wurde. Warum dies nötig sein soll, wird der Stadtrat den Stimmbürgern noch erklären müssen», sagte Alvarez. (Der Bund)

Erstellt: 16.08.2012, 22:41 Uhr

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