Aufgetischt: Die Aussicht beim anderen Bund
Von Markus Dütschler. Aktualisiert am 08.10.2011 1 Kommentar
Die Rechnung, bitte
Karte: Schweizer Küche, Salatbuffet, warmes Büffet zum Selberzusammenstellen.
Preise: Günstig, wie es sich für Personalrestaurants gehört.
Kundschaft: BBL-Angestellte und zugewandte «Orte» in der Umgebung, deren Personal über einen Badge verfügt.
Öffnungszeiten: Mo–Fr 8–16 Uhr.
Adresse: Eurest Chez Gustave BBL, Fellerstrasse 21, 3027 Bern, Telefon 031 991 70 26; www.compass-group.ch/bbl.
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Wer Kühe beobachtet, weiss es: Am grünsten ist das Gras ausserhalb des Zauns. Auch wir lassen heute unser Personalrestaurant im Verlagshaus links liegen. (Vorsicht: Nie Kantine sagen in Hörweite von Angestellten!) Der Testesser reist in weiblicher Begleitung mit der Bahn nach Bümpliz-Nord, wo sich laut dem «Best of Swiss Gastro Guide 2011» ein «modernes und luftig-helles» Personalrestaurant mit Lounge, Café-Bar und «herrlicher Dachterrasse» befindet, weshalb «das Hausgemachte doppelt so gut» schmecke. Gäste haben es im Internet-Forum geradezu hymnisch gelobt: «Finde keine Worte, einfach nur fantastisch!» Wir dürfen es uns nicht so leicht machen, wir müssen Worte finden.
Nun stehen wir vor dem anderen Bund, jenem ohne Gänsefüsschen, genauer: vor dem Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL). Die Drehtür will uns nicht durchschleusen. Ein netter Angestellter zückt den Badge und lässt uns passieren. Mit dem Lift fahren wir in den sechsten Stock und betreten das riesige Restaurationslokal. Am Anschlagbrett studieren wir das Angebot. Heute gibt es Schweinsgeschnetzeltes Zürcher Art, Rösti und zweifarbige Karotten (Fr. 10.50 / Externe Fr. 13.–). Oder: Gemüsegratin mit Yasoya und Pilawreis (Fr. 11.50, Externe Fr. 14.–). Beide Gerichte werden von Tagessuppe oder Fruchtsaft komplettiert. Moment, da klingelt doch etwas. In unserem Espace-Verlagshaus war für heute ebenfalls Geschnetzeltes annonciert oder herbstlicher Gemüsegratin mit Yasoyawürfeln an leichter Kräutersauce. Kunststück: Beide Gaststätten werden vom Verpflegungsriesen Eurest Compass Group geführt. Die Begleiterin stellt sich am Salatbüffet (Fr. 30.–/kg) ein farbiges Potpourri zusammen von vitaminreichen Tomaten, grünen Salatblättern, Bohnen etc. Der Testesser lässt sich das Geschnetzelte schöpfen. Den Menüsalat (extra: Fr. 2.–) übergiesst er mit Himbeer-Balsamico-Essig. (Was die so alles haben!) Wir setzen uns auf die Terrasse, auf der sich Sonnenhungrige und Raucher tummeln. Während des Mahls bimmelt das Glockenspiel von Bethlehem eine Melodie. Unten rauschen Züge. Man könnte es hier lange aushalten. Wenn es dann kalt würde, liessen wir uns im modern designten Inneren nieder.
Gäste können am «Aujourd’hui»-Buffet auch Warmes nach freier Wahl schöpfen (Fr. 2.60/100g, Externe Fr. 3.–). Wir sind satt und suchen die bediente Kaffeestation auf. («Unser» Kaffee im Verlagshaus ist günstiger, aber wir müssen ihn selber abzapfen.) Dazu nehmen wir ein Vermicelles-Dessert (Fr. 3.50). Obwohl die Begleiterin schwört, sie sei nicht an Süssspeisen interessiert, wird sie am Schluss ein wenig Vermicelles naschen – die Frau, die das nicht tut, muss erst noch erfunden werden. Beim Durchqueren des Restaurants blicken wir ins Innere des Baus mit dem verglasten Innenhof. Einige Stockwerke weiter unten erblicken wir eine Pflanzenrabatte. Wir gehen nicht davon aus, dass es sich um eine Indoor-Hanfanlage handelt. Aus der Nähe ansehen können wir sie nicht, denn der Lift bringt uns direkt wieder hinunter zum Ausgang.
Wir waren zum letzten Mal hier, nicht etwa, weil es uns nicht geschmeckt hätte: Uns fehlt ein Badge. Offenbar war es ein Irrtum, dass die BBL-Beiz, der die Angestellten in einem Wettbewerb den Namen Chez Gustave verpasst haben, in den Gastroführer «gevotet» wurde, denn sie ist nicht öffentlich. Wir fahren zurück in unser Verlagshaus, satt und zufrieden. Dort hätten wir für das identische Menü nur Fr. 9.50 bezahlt. Aber die Aussicht hätten wir nicht gehabt. Das Gras ennet dem Zaun ist manchmal doch saftiger.
(Der Bund)
Erstellt: 08.10.2011, 10:47 Uhr
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