Auch rund um Bern gibt es Bodenschätze
Von Simon Wälti. Aktualisiert am 22.09.2011 1 Kommentar
Immer mehr Anhänger
Die Schweizerische Trüffelvereinigung wurde 2010 gegründet. «In anderthalb Jahren haben wir hundert neue Mitglieder begrüssen können», sagt Markus Nydegger, der Präsident der Vereinigung. «Wichtig ist vor allem, dass schonend getrüffelt wird. Wir wollen keinen Raubbau betreiben.» Die Trüffel sollen darum nur vorsichtig ausgegraben werden, danach muss das Loch wieder mit Erde gefüllt und mit Laub zugedeckt werden. Andernfalls trocknen die Feinwurzeln der Bäume und das Pilzmyzel aus.
Um das Wissen über Trüffel zu vergrössern, wendet sich die Trüffelvereinigung auch an die Öffentlichkeit. Am Samstag, 24. September, findet auf dem unteren Waisenhausplatz in Bern zwischen 9 und 17 Uhr der «Berner Trüffelmarkt» verbunden mit einer Pilzausstellung statt. Am 8. Oktober 2011 stellen die Trüffelfreunde ihre Stände dann am Ringplatz in der Bieler Altstadt auf.
www.schweizertrueffel.ch
Stichworte
Lange war es zu trocken, Anfang Woche hat es endlich ausgiebig geregnet. Das freut Pilzkenner wie Markus Nydegger aus Bremgarten. Kälte und Nässe seien gut für die Trüffel, sagt er. Der Präsident der Schweizerischen Trüffelvereinigung macht sich mit seinen beiden Hunden Vesca und Rosea auf die Suche nach den schwarzen Burgundertrüffeln (Tuber uncinatum), die auch in der Umgebung von Bern verborgen im Erdreich zu stattlicher Grösse heranwachsen können. Er zieht sich die hohen Gummistiefel an, steckt die Hosen in die Stiefel und versprüht ein penetrantes Parfüm. «So habe ich keine Probleme mit den Zecken», sagt der 63-Jährige.
Nydegger findet die begehrten Knollen auch dort, wo viele andere nur achtlos vorübergehen. Ein Laie hängt oft der Meinung an, er müsse sich zuerst ein einsames Plätzchen im Unterholz suchen, bevor er überhaupt an Trüffel oder andere schmackhafte Pilze zu denken wagt. Die Trüffel sind häufig auf kalkhaltigen Böden zu finden. Trüffel wachsen in Symbiose mit Laubbäumen wie Eichen, Buchen, Linden oder Haselsträuchern. Nydegger weiss, wo er suchen muss.
Trüffelsaison bis Ende Jahr
«Guet luege, suech», sagt Nydegger zu seinen beiden Appenzeller-Mischlingen. Bald beginnt die über 13-jährige, blinde Vesca im Laub zu graben. Man darf die Hunde nicht zu lange machen lassen, denn auch ihnen munden die Schlauchpilze. Nydegger nimmt seinen Schraubenzieher und beginnt im Kreis um die Fundstelle den Boden aufzulockern. «Man muss vorsichtig sein, sonst verletzt man das Pilzgeflecht, das Myzel.» Deshalb solle man auf keinen Fall mit einer Schaufel zu Werke gehen.
Derzeit seien die Trüffel noch etwas frühreif, sagt Nydegger. Eine Verletzung durch ein Tier oder ein Steinchen kann dafür sorgen, dass die Trüffel früher reif werden und ihren Duft verströmen. Die Trüffelsaison dauert bis Ende Jahr oder sogar noch länger. Ohne die gute Nase der Hunde wäre nicht viel zu machen. Wenn der Mensch aufs Geratewohl herumstochert, findet er zwar vielleicht Trüffel – aber solche, die noch nicht reif und darum wertlos sind. Rosea, die jüngere der beiden Hündinnen, hält sich beim Suchen und Anzeigen zurück: Sie steht in der Hierarchie tiefer und will Vesca nicht den Rang streitig machen.
Wer eine Hundeallergie hat oder ein Hundeverbot in seiner Wohnung, muss allerdings nicht unbedingt auf die Trüffelsuche verzichten – sofern er sich auf das «Flöigele» versteht. Man nimmt ein kleines Zweiglein und streicht damit über den Waldboden. Nun beobachtet man, wo die kleinen Trüffelfliegen aufsteigen. Am besten sind die Fliegen an kalten Morgen zu sehen, wenn die Sonne zu scheinen beginnt und kleine Dampfwölkchen über dem feuchten Waldboden schweben.
Trüffelhunde als Moderasse
Dass in der Schweiz intensiv nach den edlen Trüffeln gesucht wird, ist relativ neu und hängt auch mit dem Lagotto-Boom zusammen. Die italienische Hunderasse erfreut sich in der Schweiz zunehmender Beliebtheit. Man könne aber den meisten Hunden das Trüffelsuchen beibringen, sagt Nydegger. Ein Lagotto wäre ihm zu auffällig. «Da merken ja alle, wonach ich suche.» Trüffler halten ihre besten Plätze gerne geheim.
Früher wussten nur einige wenige Kenner, dass man für Trüffel nicht unbedingt ins Delikatessengeschäft, ins Piemont oder nach Südfrankreich gehen muss. «Vor wenigen Jahren waren wir ein halbes Dutzend, nun gibt es im Kanton Bern wohl 50 bis 100 Trüffelsucher.» Nicht zuletzt deshalb sei die Schweizerische Trüffelvereinigung ins Leben gerufen worden, um das Wissen um die verschiedenen Trüffelsorten zu verbreiten.
Die Burgundertrüffel erzielt zwar nicht so hohe Preise wie die weissen Albatrüffel aus Italien oder die Périgordtrüffel, billig sind sie aber nicht: Derzeit kostet ein Kilo Trüffel aus der Schweiz rund 600 Franken oder mehr, für die Albatrüffel sind je nach Saison und Qualität bis zu 9000 Franken pro Kilo zu zahlen. Trotz der hohen Preise betreibt Nydegger die Trüffelsuche vor allem für Bekannte zum Freundschaftstarif. Weltweit gibt es Dutzende von Trüffelarten, zusammengefasst in der Gattung Tuber. Nur wenige dieser Schlauchpilze sind jedoch kulinarisch wertvoll.
«Holzerei» als Feind
Schlecht zu sprechen ist Nydegger auf die Waldnutzung. «Der schlimmste Feind ist die Holzerei», sagt er. «Wenn ganze Waldstücke umgelegt werden, dann überwuchert alles.» Durch die grossen Maschinen werde der Boden aufgewühlt und viel zerstört. Nydegger versucht Gegensteuer zu geben. Stark verletzte oder verfaulte Trüffel wirft Nydegger an verschiedenen Stellen im Wald weg: Schnecken und Würmer, welche die Überreste fressen, verbreiten den Pilz dann weiter.
Auf diese Weise kann man sich seinen eigenen Trüffelplatz anlegen, man braucht aber eine gehörige Portion Geduld dazu. Denn, bis unter einer Buche Trüffel wachsen, dauert es etwa 10 Jahre, bei einer Eiche sind es sogar 15 Jahre. (Der Bund)
Erstellt: 22.09.2011, 07:05 Uhr
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1 Kommentar
Lieber Herr Nydegger, in der Tat brauchen Sie keinen Lagotto mehr um nicht aufzufallen - jetzt weiss auch 'tout Berne' wonach Sie suchen!!! Der Lagotto hat im Übrigen ganz viele andere tolle Eigenschaften was ihn zu einem beliebten Hund macht. Antworten
Bern
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