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Auch ohne Vertrag: Die Reitschule will weitermachen wie bisher

Von Rahel Bucher. Aktualisiert am 30.11.2011 5 Kommentare

Wieso die Reitschule den Leistungsvertrag ablehnt und wie Basisdemokratie funktioniert, wurde an einer Medienkonferenz erläutert.

Die Reitschule erklären den Standpunkt des alternativen Kulturzentrums.

Die Reitschule erklären den Standpunkt des alternativen Kulturzentrums.
Bild: Manu Friederich

Im Dachstock der Reitschule, wo sonst Partys und Konzerte stattfinden, haben die Reitschüler gestern Journalisten empfangen. Dies um ihre Argumente für die Ablehnung des Leistungsvertrags mit der Stadt darzulegen. Dessen Verkürzung von vier auf ein Jahr sei nicht akzeptabel, weil das die Planungssicherheit und die Aufrechterhaltung der Infrastruktur verunmögliche, sagt Lonny Sommer von der Ikur (Interessengemeinschaft Kulturraum Reitschule).

Zudem sollen die Vertragsverhandlungen nicht für politische Zwecke missbraucht werden. Samuel Steiner von der Ikur sagt: «Wir wollen nicht in eine Spirale geraten, die dazu führt, dass wir den Vertrag jedes Jahr neu verhandeln müssen.» Auch sei ein einjähriger Leistungsvertrag nie Gegenstand der Gespräche gewesen. Stattdessen sei er der Reitschule vom Parlament aufgezwungen worden, so Steiner.

Kein Sicherheitskonzept

Der Stadtrat hat sich mit seinem Entscheid dem Gemeinderat widersetzt. Streitpunkt waren Sicherheitsfragen. Doch wieso ist die Reitschule nicht bereit – wie in der Motion Mozsa und vom Stadtrat gefordert –, einen Sicherheitsdienst zu engagieren und ein Sicherheitskonzept auszuarbeiten? «Einen uniformierten Sicherheitsdienst wollen wir nicht», sagt Steiner. Und ein Sicherheitskonzept mache für die Reitschule keinen Sinn, da je nach Situation anders gehandelt werden müsse. Auch habe die Reitschule immer wieder auf Entwicklungen reagiert. So etwa mit der Vorplatz-Präsenz, ein Team von Reitschülern, das dafür sorgt, dass auf dem Areal nicht gedealt wird. Oder mit dem Wellness-Team, das sich um das Wohlbefinden der Gäste kümmert.

Trotz Ablehnung des Leistungsvertrags sprechen die Reitschüler nicht von einem vertragslosen Zustand. Sie seien nach wie vor in Verhandlungen mit der Stadt. Der Betrieb soll so weitergeführt werden wie bisher und sich «weitgehend an die bisherige Praxis halten», sagt Steiner. Dies bedeutet auch, dass der Dialog mit der Stadt aufrechterhalten wird. Das weitere Vorgehen wollen die Reitschüler an der nächsten Vollversammlung erörtern. Schon jetzt ist klar, dass sie auch in Zukunft keinen einjährigen Vertrag unterschreiben werden, wie Steiner sagt.

Gelebte Basisdemokratie

Die Medienkonferenz fand im gleichen Raum statt wie letzten Sonntag die Vollversammlung, an welcher der Entscheid für die Ablehnung des Leistungsvertrags in einer basisdemokratischen Diskussion gefällt wurde. Da ist es wieder, dieses Wort, das für Aussenstehende ein grosses Rätsel bleibt: Basisdemokratie. Was bedeutet das genau? Das könne man auf Wikipedia nachlesen, sagt ein Reitschüler. Da steht: «Die Basisdemokratie (...) kommt (...) im Gegensatz zur repräsentativen Demokratie ohne Repräsentanten aus, da alle relevanten Entscheidungen von den Betroffenen selbst durch unmittelbare Beteiligung getroffen werden.»

Wie diese Definition in der Realität gelebt wird, kann anhand der letzten Vollversammlung veranschaulicht werden. Rund siebzig Personen haben laut Steiner daran teilgenommen. Alles Leute, die in einer der Reitschul-Arbeitsgruppen aktiv sind. Andere Personen dürfen nicht teilnehmen. Jede Vollversammlung wird von zwei Leuten geleitet und von einer Person protokolliert. Am Sonntag wurde damit eröffnet, dass jeder Teilnehmende seine Meinung äussern durfte. Danach wurden Themen gebündelt und in Kleingruppen besprochen. Jeweils ein Sprecher pro Gruppe hat die Ergebnisse schliesslich ins Plenum getragen. Dort wurde so lange diskutiert und nach einem Konsens gesucht, bis es keinen Einspruch mehr gab.

Fünfeinhalb Stunden inklusive Pause dauerte die Entscheidungsfindung, bis klar war, dass die Reitschule bezüglich Leistungsvertrag «die Notbremse zieht», wie es Steiner ausdrückt. Dieser Entscheid soll die Chance für einen Neuanfang bieten. (Der Bund)

Erstellt: 30.11.2011, 06:59 Uhr

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5 Kommentare

Jacqueline Gafner

30.11.2011, 10:49 Uhr
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Interessant, dass die sog. Vollversammlung der Reitschule, die im Namen der Institution Entscheide fällt, nicht mehr als rund 70 Köpfe zählt, also weniger als der Stadtrat mit seinen 80 Mitgliedern, die ihren Sitz und ihre Stimme im Rathaus immerhin einer Volkswahl verdanken. Unter "Vollversammlung" habe ich mir eigentlich ein deutlich breiter abgestütztes und legitimiertes Gremium vorgestellt. Antworten


johanna meyer

30.11.2011, 17:07 Uhr
Melden 4 Empfehlung

immerhin sind dies 70 Leute, die ein u.a. umfangreiches Konzertprogramm auf die Beine stellen. Theater und Klein-Kunst Anlässe organisieren. 1 Restaurant und 2 Bars betreiben. Das Sportprogramm, das Kinoprogramm und die Literatur im Infoladen bereitstellen. Dann gibts noch die Druckerei, grosse Halle, politisches und soziales Engagement und dies alles ohne oder zu einem schlechten Lohn!DANKE! Antworten



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