Am Boden
Mehr Passagiere und mehr Personal
Die Zeit, in der am meisten Fluggäste abgefertigt werden, dauert am Flughafen Bern-Belp von Mitte Juni bis Mitte Oktober, wie Heinz Kafader, Leiter Groundservices, sagt. In dieser Zeit seien am meisten zusätzliche Charterdestinationen im Programm. «An einem Sonntag im Juli haben wir doppelt bis dreimal so viele Passagiere wie an einem Sonntag im März», schätzt Kafader.
Der Flughafen hat während dieser Zeit deutlich mehr Personal im Einsatz als sonst. Einen Ferienstopp gibt es nicht, wie Kafader sagt. «Aber es ist in dieser Zeit besonders wichtig, dass die Mitarbeiter ihre Ferien aufeinander abstimmen.» Ausserdem seien einige Teilzeitmitarbeitende im Sommer und Herbst häufiger im Einsatz als sonst.
Der Flughafen Bern-Belp ist auf Expansionskurs. Im ersten Halbjahr 2011 hat die Flughafenbetreiberin Alpar 69?676 Passagiere abgefertigt. Das sind sage und schreibe 43 Prozent mehr als in der Vorjahresperiode. Das Jahresziel der Alpar ist die Abfertigung von 160'000 Passagiere. Weil die «sehr starken Monate» noch bevorstünden, liege dieses Ziel nach wie vor in Reichweite, teilte die Alpar vor kurzem mit. (amo)
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Als Kind wollte Simone Schüpbach Flight Attendant werden. Doch dann trat sie eine Stelle am Flughafen Zürich-Kloten an, bei der Post – und merkte, «dass es am Boden viel interessanter ist als in der Luft». Heute arbeitet die 30-Jährige am Flughafen Bern-Belp – zu 50 Prozent als Assistentin des Leiters Groundservices, Heinz Kafader, und zu 50 Prozent als Mitglied des Bodenpersonals. Als solches kümmert sie sich unter anderem um den Check-in und das Fundbüro, aber auch um das Wohl der Crew draussen im Flugzeug und vieles mehr.
Es ist Sommerferienzeit. Das bedeutet Hochbetrieb in Bern-Belp. «Für diese Jahreszeit stellen wir uns darauf ein, noch mehr Einsatz zu geben», sagt Schüpbach. Auch ausserhalb der bestfrequentierten Wochen ist sie immer wieder im Laufschritt unterwegs. Die Sommerferien aber bedeuten noch mehr rumrennen, mehr Stress und abends länger arbeiten. Ferien zu beziehen, sei für das Flughafenpersonal in dieser Zeit oft nicht möglich, auch wenn es keinen offiziellen Ferienstopp gebe, sagt Schüpbach. Für viele Arbeitnehmer wäre das ein Horrorszenario, besonders wenn die Kundschaft zum Grossteil aus Leuten besteht, die sich auf ihre Ferien freuen – auf die Ferien, die man selber nicht hat. Nicht so für Simone Schüpbach. «Das ist kein Problem», sagt sie. Im Gegenteil: «Es ist eine schöne Zeit. Die Leute sind aufgestellt, es herrscht eine gute Atmosphäre.»
Simone Schüpbach geht auf in ihrer Arbeit am Flughafen. Das sagt sie über sich selber. Und das merkt man ihr auch an. In 08/15-Bürojobs sei ihr immer langweilig geworden, sagt die gelernte Kauffrau. So war es schon in ihrer Ausbildung. Danach hat sie eine Stelle am Flughafen Zürich-Kloten angenommen. Und so war es auch, als sie in Bern für eine Versicherung arbeitete. «Als ich mit meinem Mann vor zwei Jahren nach Bern kam, habe ich gar nicht an den Flughafen gedacht», sagt sie. Dann habe sie mitbekommen, dass die Berner Fluggesellschaft Skywork und die Flughafenbetreiberin Alpar am Expandieren seien und zusätzliche Mitarbeiter suchten. «Ich habe mir gedacht, dass ich da eine Chance haben könnte.» Im vergangenen Winter trat sie ihre Stelle an. «Ich bin überglücklich», sagt sie.
Die Nachteile der Belpmoos’schen Beschaulichkeit
Schüpbach schätzt die familiäre Atmosphäre in Bern-Belp. «Man kennt alle Mitarbeiter – von der Putzfrau bis zur Direktion», sagt sie. Auch könne sie hier auf die Wünsche der Passagiere eingehen. Das sei in Zürich-Kloten oft nicht möglich gewesen. Die Belpmoos’sche Beschaulichkeit hat aber auch Nachteile: «Noch immer ist vielen Leuten gar nicht bewusst, dass sie auch ab Belp fliegen könnten», sagt Schüpbach. Und die, welche es tun, seien dann oft erstaunt, dass hier alles genauso läuft wie an einem grossen Flughafen – Check-in, Sicherheitskontrolle und so weiter.
Nein, sie kenne nicht alle Flugzeugtypen auswendig, sagt Schüpbach. «Aber ich interessiere mich für die Fliegerei.» Auch in dieser Hinsicht ist sie in Bern besser bedient als in Zürich. «Hier, wo ich in vielen Bereichen gleichzeitig tätig bin, bin ich viel mehr um die Flugzeuge herum», sagt sie. In Zürich-Kloten seien die Funktionen viel strikter getrennt gewesen. «Da war ich mehr auf Distanz.» Oft ist Schüpbach auch selber Flugpassagierin. «Ich habe schon unzählige Kilometer in der Luft zurückgelegt», sagt sie. Zuletzt war sie Ende Mai eine Woche in Ägypten in den Tauchferien. Vor zwei Jahren kehrte sie mit ihrem Mann von einer einjährigen Weltreise zurück, die sie nach Mittel- und Südamerika, Asien und Australien geführt hat. Im Oktober wird sie wieder abheben: wahrscheinlich Richtung Vietnam.
Simone Schüpbach arbeitet gerne. Da ist die Frage nach dem nächsten Aufstiegsziel nicht weit. Aber sie winkt ab: «Ich habe hier keine Karriereambitionen.» Eine erstaunliche Aussage für eine Person, die einen solchen Arbeitseifer an den Tag legt. Aber sie bleibt dabei. Sie will nicht missen, was sie heute hat. Ihr Job sei so abwechslungsreich, sagt sie. Und sie möge den Umgang mit verschiedenen Menschen – mit den Fluggästen und ihren Teamkollegen. «Das ist mir wichtiger als die Karriere.» (Der Bund)
Erstellt: 25.07.2011, 07:48 Uhr
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