Bern

Aktion für «Pussy Riot» am Berner Münster

Von Katja Zellweger. Aktualisiert am 01.10.2012

Das «Freie Punk Komitee - Fuck Putin» (FPkFP) behängt das Berner Münster mit einem Transparent in 50 Meter Höhe und fordert die sofortige Freilassung der russischen Punkband «Pussy Riot».

1/7 Ein Transparent ziert das Berner Münster: Aktivisten fordern die Freilassung der Musikerinnen Marija Aljochina, Jekaterina Samuzewitsch und Nadeschda Tolokonnikowa.
Katja Zellweger

   

Die Transparent-Aktion gilt der heutigen Berufungsverhandlung des Urteils gegen die drei Sängerinnen der Punkband «Pussy Riot». Zwei Jahre Haft in einem Straflager wurde am 17. August über die jungen Bandmitglieder verhängt, die seit März hinter Gittern sitzen.

«Free Pussy Riot – Fuck Putin»

Nach der Urteilssprechung im August gründet sich das FPkFP, das schon drei Tage später die erste Aktion am Zürcher Grossmünster organisiert. Auch heute auf dem Münsterplatz fordern die Aktivisten lautstark und verstärkt «Free Pussy Riot – Fuck Putin», während sich in luftiger Höhe das Transparent langsam und unbewilligt entfaltet.

Die Solidarität mit den russischen Schwestern und Brüdern wird liederlich bekundet als auch farbige Kleidung und gestrickte Wollkappen mit Augen- und Mundöffnung an den Look der russischen Band gemahnen. Fäuste, Revolutionsparolen und das russische Lied des Anstosses werden vor dem jüngsten Gericht präsentiert. Sie sorgen für das nötige Mass an Spektakel, das auch Uninformierte anlockt. Das freie Punk Komitee steht ein für eine sofortige Freilassung und erwartet eine Stellungnahme von Seiten des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten EDA.

Fassadenprüfung steht noch aus

Zwanzig Minuten später setzen indes mehrere Polizisten der Aktion ein Ende. Per Telefon werden die Fasssadenkletterer zum Rückzug befehligt und beim Austritt aus der Kirche beklatscht. Ein sichtlich überrumpelter Sigrist erstattet Anzeige wegen Hausfriedensbruch – Eine Fassadenprüfung auf Schäden steht noch aus. Die Aktivisten wiederum werden mit dem Polizeibus weggefahren.

Auf «Rowdytum aus religiös motiviertem Hass» lautete das Urteil für eine in einer Moskauer Kirche abgehaltenen Live-Performance, die den zur Wiederwahl stehenden Wladimir Putin in einem Protestgebet anprangerte. Die russische-orthodoxe Kirche fordert Reue für die politisch motivierte Aktion. Ob allfälliges Bereuen das Strafmass allerdings lindern könnte, bleibt zu bezweifeln.

Heute nun, am internationalen Aktionstag – die website freepussyriot.org kündet fünfsprachig Aktionen von Washington über Syndey, Petersburg bis nach Europa an – wird bekannt, dass die Verhandlung um zehn Tage verschoben wird. Die inhaftierte Jekaterina Samuzewitsch beantragte wegen Differenzen den Anwalt wechseln zu dürfen, dem Antrag wurde stattgegeben. Mit einem Freispruch wird nicht gerechnet, allenfalls mit einer Strafmilderung.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.10.2012, 15:59 Uhr

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