Bern
80 Einsprachen gegen Provisorium
Von Christian Brönnimann. Aktualisiert am 28.10.2010 2 Kommentare
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Neubau am Breitenrainplatz
Am Breitenrainplatz plant die Migros für 58 Millionen Franken eine fünfstöckige Häuserzeile mit einer neuen Filiale, Büros und 60 Wohnungen. Gegen dieses Baugesuch sind 19 Einsprachen eingegangen. Das Bauinspektorat der Stadt Bern hat diese abgewiesen. Dieser Entscheid kann noch bis Ende Oktober beim Kanton angefochten werden. Die Erfahrung zeige, dass es Beschwerden geben werde, sagt Migros-Sprecher Thomas Bornhauser. Deshalb stehe der Termin für den Baubeginn noch nicht fest.
Die Kasernenwiese im Breitenrain ist ein Zankapfel. Seit Jahrzehnten kämpfen Anwohner dafür, die Grünfläche, die sich im Besitz des Kantons befindet, besser nutzen zu können – und stossen dabei meist auf Granit. Anders der Grossverteiler Migros. Er plant, seine Filiale am Breitenrainplatz total zu erneuern (siehe Kasten) und während der Bauzeit für zwei bis drei Jahre auf der Wiese ein Provisorium zu betreiben. Stadt und Kanton unterstützen die Übergangslösung.
Am Montag ist die Einsprachefrist für das Provisorium abgelaufen. Insgesamt sind laut dem städtischen Bauinspektor Martin Baumann fast 80 Einsprachen eingegangen. Sie teilen sich auf in eine Kollektiveinsprache mit sieben Unterschriften, 59 Standardeinsprachen, 13 Einzeleinsprachen und 4 Einsprachen von Organisationen. Letztere stammen vom VCS, vom Grünen Bündnis Stadt Bern, von der Grünen Partei Bern und von der SP Bern-Nord. Eine Standardeinsprache wurde vom Grünen Bündnis bereitgestellt. Die vielen Einsprachen zeugten davon, dass das Thema im Vorfeld breit diskutiert worden sei, sagt Baumann. Materiell drehten sich die meisten Eingaben um Punkte wie Mehrverkehr im Quartier, Lärmbelastung und die Zonenkonformität des Vorhabens.
Die Kasernenwiese ist als Freifläche A eingestuft, also als Zone für die öffentliche Nutzung. Die Einsprecher zweifeln am öffentlichen Interesse an einem Provisorium, das eine Ausnahmeregelung für die Nutzung der Wiese rechtfertigte. Einkaufsmöglichkeiten gebe es im Quartier ohnehin genug. Am Breitenrainplatz zum Beispiel betreibt auch Coop eine Filiale.
Präjudiz befürchtet . . .
«Wir befürchten, dass mit einem positiven Bauentscheid ein Präjudiz geschaffen würde für die Nutzung von Freiflächen in der Stadt Bern», sagt Lorenz Keller, Präsident der SP Bern-Nord. Eine Freifläche dürfe nicht bebaut werden, auch nicht im Rahmen eines mehrjährigen Provisoriums. Die Kasernenwiese sei ein wichtiger Grünraum im Quartier. Die hohe Anzahl der Einsprachen sei ein Zeichen dafür, dass die Migros nur für sich selber schaue und nicht auf die Bedürfnisse des Quartiers achte.
Will die Migros mit dem Provisorium also einfach verhindern, dass sie längerfristig Kunden verliert, die sich während der Bauzeit am Breitenrainplatz auf die Konkurrenz umgewöhnen? «Nein, diese Erklärung greift nicht», sagt Sprecher Thomas Bornhauser. Vielmehr wolle man der Quartierbevölkerung ermöglichen, auch während der Bauzeit in Gehdistanz in der Migros einkaufen zu können. Er rechne überdies nicht damit, dass das knapp 700 Quadratmeter grosse Provisorium allzu viele Autos in das Quartier bringen würde. Das Baugesuch sieht 30 Parkplätze vor. Für die Anlieferungen sind laut Bornhauser pro Tag im Durchschnitt fünf Lastwagenfahrten zu erwarten. Angesichts der Vorgeschichte habe mit dem Widerstand aus dem Quartier gerechnet werden müssen, sagt Bornhauser. Die Migros werde die Einsprachen nun zusammen mit der Stadt analysieren und das weitere Vorgehen besprechen. Ein Verzicht auf das Provisorium sei eine der Möglichkeiten.
. . . und Aufwertung erhofft
Keine Einsprache eingereicht hat die Quartierkommission Dialog Nordquartier. Die dafür erforderliche Dreiviertelmehrheit sei nicht zustande gekommen, sagt Sekretär Max Singer. Die Kommission habe von Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) die mündliche Zusage erhalten, dass die Kasernenwiese nach dem Provisorium auch für die Bevölkerung besser zugänglich gemacht und aufgewertet werde. Konkret seien ein neuer Eingang in der Ecke Kasernenstrasse/Beundenfeldstrasse, neue Sitzbänke und eine Sanierung von zwei Spielplätzen vorgesehen. Im Gespräch sind weiter ein Beachvolleyball-Feld und eine Grillstelle. «In gewissem Sinne nutzen wir die Gunst der Stunde», sagt Singer. Die Migros hat angekündigt, sich an den Kosten zu beteiligen. (Der Bund)
Erstellt: 28.10.2010, 08:38 Uhr
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