«Kauft Schweizer Produkte!»
Von Renate Bühler. Aktualisiert am 13.09.2011 2 Kommentare
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Treichlen, Naturjuz, hellblaue Sennenhemden mit Edelweissmuster und Schweizer Fahnen: Am Samstag gaben diese Accessoires dem SVP-Fest auf dem Berner Bundesplatz ein eidgenössisch-heimatliches Gepräge. Am Montag kamen die gleichen Versatzstücke gleichenorts wieder zum Einsatz, diesmal als Kulisse für die Sichlete.
Schau soll Distanz überwinden
Ursprünglich war die Sichlete die bernische Variante zum Erntedankfest: Alle, die auf dem Bauernhof bei der Ernte mitgewirkt hatten, wurden zu einem Festmahl eingeladen. Die traditionelle Sichlete auf dem Bundesplatz richtet sich allerdings weniger an die mittlerweile häufig aus Osteuropa stammenden Erntehelferinnen und Erntehelfer: Eingeladen an die Stände und Tische sind vielmehr die Städterinnen und Städter.
«Die Sichlete soll dazu beitragen, einen direkten Kontakt zwischen den Bauern und den Konsumenten in der Stadt aufzubauen», sagt Walter Balmer, Präsident der Lobag. Das Wissen über die Produktionsbedingungen unserer Lebensmittel sei vielerorts erstaunlich gering. Mit der Schau auf dem Bundesplatz wolle man diese Distanz überwinden.
Eurokurs macht den Bauern zu schaffen
Aber worüber will die Bauernsame heuer mit der Stadtbevölkerung reden, was ist die Botschaft der diesjährigen Sichlete? Ganz klar, sagt Walter Balmer: «Kauft Schweizer Produkte!» Denn so romantisch-verklärend die Sichlete mit ihren Schafwoll-Schäfchen und gestrickten Bärchen, Mini-Bäumchen und edelweissgemusterten Objekten aller Art auch daherkommt: Die Landwirte schlagen sich mit aktuellen, gesamteuropäischen Problemen herum - insbesondere mit den Entwicklungen auf dem Währungsmarkt: «Der Eurokurs macht uns zu schaffen», sagt Balmer.
Im Speziellen die Fleischproduzenten, aber nicht nur sie, seien unter Druck, weil aufgrund der Frankenstärke viele Schweizerinnen und Schweizer im nahen Ausland einkauften. «Wir können nur darauf hinweisen, dass unsere Produktionsmethoden besser und tiergerechter sind», sagt Balmer, «und dass es unfair ist, mit einem Schweizer Lohn im Ausland einzukaufen und so die Arbeitsstelle des Kollegen zu gefährden.»
Ob die Botschaft angekommen ist? An der gestrigen Sichlete jedenfalls löst sich die vermutete Distanz zwischen produzierender Land- und konsumierender Stadtbevölkerung zumindest zeitweise in Minne auf: Obwohl der alles durchdringende Käseschnittenduft bei gut 30 Grad auf dem Gneis auch hartgesottene Käsefreunde auf eine schwere Probe stellt, sind alle Tische voll besetzt; munter spielen, probieren, staunen, degustieren und diskutieren Deuxpièces-Trägerinnen, Nationalräte, Bauern, Stadtkinder und Trachtenfrauen. (Der Bund)
Erstellt: 13.09.2011, 06:47 Uhr
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