«Sie sagte, wos langgeht» – Marthe Gosteli ist gestorben

Die Berner Frauenrechtlerin und Gründerin des Gosteli-Archivs ist 99-jährig gestorben.

Die bekannte Frauenrechtlerin Marthe Gosteli ist 99-jährig verstorben.

Die bekannte Frauenrechtlerin Marthe Gosteli ist 99-jährig verstorben.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Noch vor kurzem verlieh die Burgergemeinde der Gosteli-Stiftung den mit 100 000 Franken dotierte Kulturpreis, nun ist die Gründerin der Stiftung verstorben. Marthe Gosteli ist in ihrem 100. Lebensjahr in der Nacht auf Freitag verstorben, teilt die Gemeinde Ittigen sowie die Gosteli-Stiftung gestern Abend mit. Sie befand sich nach einem Sturz in Pflege.

«Sie fehlt uns», sagt Silvia Bühler, Leiterin der Gosteli-Stiftung. Marthe Gosteli habe im Archiv gewohnt und sei sehr präsent gewesen. Bis zum Schluss habe sie sich für ihre Sache eingesetzt. «Sie sagte, wos langgeht.» Dabei sei sie aber stets humorvoll und lebendig geblieben. «Sie hatte ein bewegtes und erfülltes Leben», sagt Bühler.

«Gedächtnis der Frauen»

Gosteli war eine wichtige Figur der Schweizer Frauenbewegung. 1964 bis 1968 war sie Präsidentin des bernischen Frauenstimmrechtsvereins. 1982 gründete sie die Gosteli-Stiftung als Trägerin des Archivs zur Geschichte der schweizerischen Frauenbewegung. Stiftung und Archiv sind als «Gedächtnis der Schweizer Frauen» Aufbewahrungsort für über 400 Bestände von Frauenrechtsorganisationen, Frauenverbänden und einzelnen Frauen, die in Politik, Wirtschaft, Bildung, Kultur, Gesellschaft und Familie eine wichtige Rolle gespielt haben. Es sei wahnsinnig, was Frauen geleistet hätten, sagte Gosteli im Interview mit dem «Bund» im Jahr 2007. Dabei sei ihnen sogar die Bildungsfähigkeit abgesprochen worden. Auch heute seien die gesellschaftlichen Werte immer noch stark männlich geprägt. «Ich kämpfe dafür, dass der Blickwinkel der Frau in Ergänzung zur Sicht des Mannes auf allen Gebieten einbezogen wird», sagte die damals 89-Jährige. Gosteli blieb ihr Leben lang unverheiratet und engagierte sich für die Gleichstellung der Frauen. Sie wurde 1989 mit dem Trudi-Schlatter-Preis, 1992 mit der Burgermedaille der Burgergemeinde Bern, 2008 mit der Silbernen Verdienstmedaille der Oekonomischen und Gemeinnützigen Gesellschaft des Kantons Bern und 2011 mit dem Menschenrechtspreis der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte ausgezeichnet. 1995 erhielt sie den Ehrendoktor der Universität Bern. Der Stiftungsrat und das Team der Gosteli-Stiftung seien bestrebt, das Lebenswerk von Marthe Gosteli im Sinn der Gründerin und Stifterin weiterzuführen, hiess es gestern in einer Mitteilung.

Gosteli war mitten im ersten Weltkrieg kurz vor Weihnachten 1917 in Worblaufen auf dem Hof der Eltern zur Welt. Nach einer kaufmännischen Ausbildung machte sie Sprachaufenthalte in London und der Welschschweiz. Später arbeitete sie unter anderem für die amerikanische Botschaft. Gosteli blieb unverheiratet und engagierte sich zeitlebens für die Gleichstellung der Frauen. (nj/gbl)

2007 sprach der Bund im Samstagsinterview mit Marthe Gosteli. Hier gibt es das Interview zum Download (PDF).

(gbl/nj)

Erstellt: 07.04.2017, 18:32 Uhr

Artikel zum Thema

«Es formiert sich zurzeit eine neue Frauenbewegung»

Interview Der Kampf gegen subtile Unterdrückungsmechanismen sei ebenso wichtig wie die politische Forderung nach mehr Krippenplätzen, sagt Silvia Bühler, Leiterin der Gosteli-Stiftung. Mehr...

Gosteli-Stiftung erhält Kulturpreis der Berner Burgergemeinde

Die Gosteli-Stiftung erhält den Kulturpreis der Burgergemeinde Bern. Die Bernburger ehren damit die «beeindruckende und einmalige Dokumentation» der Geschichte der Schweizer Frauenbewegung. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Tierisch viele Angebote

Die Berner Publikumsmesse BEA präsentiert vom 28. April bis 7. Mai 2017 die ganze Fülle von Trends und Traditionen.

Blogs

Mamablog Best of: Das arme Kind darf keinen Zucker

Outdoor Gnadenlos erniedrigend: Die Laufanalyse

Werbung

Immobilien

Die Welt in Bildern

Der alte Zopf erlebt derzeit eine Renaissance: Besucherinnen des Coachella Valley Music & Art Festivals 2017 im Empire Polo Club in Indio, Kalifornien. Das Festival findet jährlich statt und dauert über zwei Wochenenden. Es zählt weltweit zu den grössten Festivals. (22. April 2017)
(Bild: Rich Fury / Getty) Mehr...