A5-Umfahrung wird Biel und Nidau verändern

Dank der Autobahnumfahrung können ganze Quartiere neu gestaltet werden.

Nun startet die öffentliche Mitwirkung zur Belgeitplanung A5-Westast.

Nun startet die öffentliche Mitwirkung zur Belgeitplanung A5-Westast. Bild: zvg

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«Die Autobahnumfahrung ist eine riesige Chance!» Was der Stadtpräsident von Biel und seine Nidauer Kollegin nicht genug betonen können, ist in den letzten Monaten arg in Zweifel gezogen worden. Ein Komitee hatte vor einigen Monaten plötzlich begonnen, die Schattenseiten des Megaprojekts aufzuzeigen, und konnte damit bereits über 1000 Mitglieder gewinnen.

Höchste Zeit für die Gemeinderäte der beiden hauptbetroffenen Städte, in die Gegenoffensive zu gehen. Am Dienstag haben sie aufgezeigt, welches städtebauliche Potenzial der Westast der Umfahrung birgt.

«Die positiven Effekte werden abseits der Baustellen spürbar sein», sagt Erich Fehr (SP), Stadtpräsident von Biel. Damit spricht er ein Dilemma an, in dem die Promotoren der Umfahrung stecken. Während die Gegner aufzeigen können, welche Häuser abgerissen werden, wo unschöne Gräben im Stadtbild entstehen, wie viele Bäume weg müssen und welche Quartiere unter dem Baulärm leiden werden, müssen die Befürworter die schwieriger beschreibbaren Vorteile darlegen.

Fehr fasst sie so zusammen: «Mehrere Quartiere werden deutlich vom Verkehr entlastet, für die Busse und den Langsamverkehr gibt es mehr Raum, und auch die Autofahrer kommen schneller an ihren Arbeitsplatz, weil sie nicht mehr ständig im Stau stecken.» Die A-5-Umfahrung soll nicht nur den Durchgangsverkehr, sondern dank der fünf Anschlüsse auch einen grossen Teil des Agglomerations- und Binnenverkehrs schlucken.

Schon ab diesem Sommer wird der Ostast die Schnellstrassen aus Richtung Bern, Solothurn und Jura miteinander verbinden. Für den Westast, der vom Anschlussknoten in Brügg bis zur A 5 in Richtung Neuenburg führen wird, liegt bereits ein bewilligtes generelles Projekt vor. Im Frühling wird der Kanton das detaillierte Ausführungsprojekt des 2-Milliarden-Bauwerks öffentlich auflegen. In gut drei Jahren soll dann mit dem Bau begonnen werden.

Beide Städte wollen profitieren

Parallel zum Strassenbauprojekt haben die Städte Biel und Nidau die sogenannte städtebauliche Begleitplanung vorangetrieben. Diese soll aufzeigen, welche Möglichkeiten die Umfahrung für die Entwicklung der angrenzenden Quartiere bietet. «Wir planen heute die Stadt, wie sie 2050 aussehen wird», sagt Sandra Hess (FDP), Nidaus Stadtpräsidentin. Beide Gemeinden wollen möglichst viel vom Autobahnbau profitieren.

Am stärksten entlastet wird das Hochhausquartier Weidteile, in dem ein Drittel der Nidauerinnen und Nidauer wohnt. Wo heute der ganze Verkehr aus und in Richtung Bern durchfliesst, soll auf der überdachten Umfahrung eine Parklandschaft mit Velo- und Fusswegen entstehen. Durch die Aufwertung werden Grundeigentümer motiviert, in die Wohnbauten zu investieren, was wiederum die soziale Durchmischung des Quartiers verbessern soll.

Viel Potenzial sehen die Planer auch um den vorgesehenen Anschluss Bienne-Centre hinter dem Bahnhof. Der hier offen geführte Autobahnabschnitt soll dicht mit prägnanten Büro-, Dienstleistungs- und Gewerbebauten «eingerahmt» werden, um die dahinterliegenden Gebiete vom Lärm abzuschirmen. So könnte hier ein ganz neues verdichtetes Quartier entstehen – mit optimalen Verkehrsanschlüssen. Zwischen A 5 und Bahnhof soll zudem der Bau eines Hochhauses ermöglicht werden.

In der Seevorstadt schliesslich, wo ein weiterer offener Anschluss entsteht, wollen die Planer die Verbindung zwischen Stadt und See verbessern. Die Bahnunterführung soll aufgeweitet und die Seevorstadt-Promenade bis zum Strandboden verlängert werden. Die Planer haben diese neue Flaniermeile ziemlich ambitioniert «Rambla» getauft. An der gestrigen Pressekonferenz war oft von Visionen die Rede.

Tatsächlich ist man sich in Biel und Nidau bewusst, dass die Realisierung all der Begleitprojekte stark von privaten Investoren und Grundeigentümern abhängt. Die Chance, die Städte im Zuge des Autobahnbaus einen Schritt vorwärts zu bringen, will man sich aber nicht entgehen lassen. Erich Fehr zeigt sich zuversichtlich: «Sollte jetzt tatsächlich Wachstumsfeindlichkeit dominieren, kommt sicher auch wieder eine Phase mit verstärktem Zukunftsglauben.»

Die Bevölkerung hat nun bis am 10. März die Möglichkeit, sich zur städtebaulichen Begleitplanung zu äussern.

Weitere Infos: www.biel-nidau-2050.ch (Der Bund)

Erstellt: 10.01.2017, 11:06 Uhr

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