Zweiter Stock für Berner S-Bahnen

Von Dölf Barben. Aktualisiert am 21.03.2012

Die BLS erhält den «stärksten Regionalzug der Welt» – und hat im thurgauischen Erlen ihren ersten Doppelstockzug präsentiert.

1/7 Hier fährt er ein: Der neue Doppelstöcker der BLS.
Bild: Keystone

   

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Eingehüllt in Rauchschwaden und begleitet von Heavy-Metal-Musik hat er gestern eine Mauer aus Kunststoffelementen durchstossen: Der erste Doppelstockzug des bernischen Bahnunternehmens BLS absolvierte seinen sogenannten Roll-out auf dem Firmengelände von Stadler Rail im thurgauischen Erlen. Gebaut worden war er im Werk in Altenrhein (SG).

BLS-Direktor Bernard Guillelmon sprach von einem «historischen Moment für unser Unternehmen». Sein Publikum bestand vor allem aus Personen, die ins Projekt involviert sind. Lange Zeit seien Doppelstöcker für die BLS kein Thema gewesen – und jetzt erhalte sie dank ihnen «ein neues, modernes Gesicht». Guillelmon dankte insbesondere dem Kanton Bern, der das Vorhaben mit Weitsicht unterstützt habe.

Erste Komposition ab September

Die BLS hat bei Stadler Rail 28 «Dostos» bestellt. Der Name wird – ganz simpel – von der Bezeichnung Doppelstockzug abgeleitet. Die Fahrzeuge kosten 494 Millionen Franken. Die Finanzierung komme für die BLS einem Kraftakt gleich, sagte Guillelmon. Ausgeliefert werden die Züge schrittweise bis Ende 2014.

Die erste Komposition wird der BLS Anfang September in Bern im Rahmen eines «Roll-in» übergeben und anschliessend auf der Linie S31 (Belp–Bern–Münchenbuchsee) eingesetzt. Ab dem Fahrplanwechsel im Dezember werden die Züge sukzessive in Betrieb genommen. Fahren werden sie schliesslich auf den Linien S1 (Freiburg–Bern–Münsingen–Thun), S3 (Biel–Bern–Belp), S31 und S6 (Schwarzenburg–Bern). Noch nicht möglich ist der Betrieb auf der Linie S5 Bern-Neuenburg – weil sie nicht durch die Tunnel passen. Nicht eingesetzt werden sie auf den Linien Richtung Burgdorf (S4) und Langnau (S2), weil dort das Passagieraufkommen geringer ist.

Stetig steigende Passagierzahlen sind der Grund dafür, dass die BLS den Schritt hin zu Doppelstöckern «gewagt» hat, wie Guillelmon sagte. Ein solcher kann, verglichen mit einem ebenso langen Einstöcker, 30 bis 40 Prozent mehr Passagiere transportieren. Das heisst, die Kapazität kann gesteigert werden, ohne dass Perrons verlängert oder Schienen verlegt werden müssen – im Prinzip. Weil auf den Hauptlinien aber zwei Dostos aneinandergehängt werden sollen, müssen an einigen Stationen trotzdem die Perrons verlängert werden.

Komfort wo möglich gesteigert

Die BLS habe bei ihren Fahrzeugbeschaffungen immer wieder Massstäbe gesetzt, sagte Andreas Willich, Leiter Personenverkehr. Mit dem Dosto, «dem modernsten und stärksten Regionalzug der Welt», werde diese innovative Tradition fortgeführt. «Wir wollen mit diesem Zug einen neuen Standard setzen.»

Der neue Zug, der in den Farben Silber und Grün gehalten ist, hat eine Länge von 102 Metern. Er verfügt über 335 Sitz- und 110 Stehplätze. Gut ein Fünftel der Sitzplätze befinden sich in der 1. Klasse. Die Wünsche der Fahrgäste seien grossgeschrieben worden, sagte Willich. «Wo immer möglich» sei der Komfort gesteigert worden: Jeder Zug hat zwei Toiletten; eine neue Boden- und Seitenwandheizung erhöht die Beinfreiheit; Mehrzweckbereiche sorgen «für genügend Platz für alle Bedürfnisse». Neu sollen die Fahrgäste von den Leitstellen aus in Echtzeit informiert werden können. Dazu dienen zahlreiche Bildschirme. Allerdings ist im Dosto auch eine lückenlose Videoüberwachung vorgesehen.

Zudem erfüllt der Dosto auch erhöhte Sicherheitsanforderungen. Dank der Knautschzone übersteht er einen Zusammenstoss mit einem anderen Zug bis zu einer Geschwindigkeit von 36 Kilometern pro Stunde ohne grössere Schäden. Ein Crash-Balken sorgt zudem dafür, dass bis zu einer Geschwindigkeit von 110 Kilometern pro Stunde sogar Lastwagen von den Schienen gestossen werden – und die Führerkabine weitgehend unversehrt bleibt. (Der Bund)

Erstellt: 20.03.2012, 15:46 Uhr

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