Wynauer Glocken bleiben verschollen

Von den vor fünf Tagen in Wynau gestohlenen Kirchenglocken fehlt jede Spur – genauso wie von den anderen bislang in der Schweiz entwendeten Geläuten.

Dieses Glockenpaar verschwand in der Nacht auf Sonntag in Wynau.

Dieses Glockenpaar verschwand in der Nacht auf Sonntag in Wynau. Bild: zvg

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Es war mitten in der Nacht, als mehrere Personen mit einem Lieferwagen auf den Hof der reformierten Kirche in Wynau fuhren, binnen Minuten zwei auf einem Betonsockel aufgestellte Glocken auf die Ladefläche ihres Fahrzeugs hievten und damit in Richtung Aarwangen verschwanden. Dies hat sich letzten Sonntag um 2 Uhr zugetragen. Ein Nachbar beobachtete gemäss einem Bericht der «Berner Zeitung» das Geschehen und alarmierte umgehend die Polizei. Diese ermittelt seither in alle Richtungen – wenn auch ohne Erfolg. Von den Glockendieben und ihrer Beute fehlte auch gestern noch jede Spur.

Beute wog fast eine halbe Tonne

Laut dem Wynauer Pfarrer Franz Winzeler zierten die beiden Glocken bereits seit fast 40 Jahren den Kirchenvorplatz. «Die Glocken waren nicht am Betonsockel befestigt», sagt er. «Das schien uns nicht nötig. Noch nie wurden sie auch nur verschoben.» Immerhin weist die grössere, im Jahr 1554 gegossene Glocke einen Durchmesser von 83 Zenitmeter auf und wiegt rund 300 Kilogramm. Die kleinere, um 1450 gefertigte Glocke bringt gut 160 Kilogramm auf die Waage.

Winzeler vermutete zunächst, die Glocken seien einer Bande anheimgefallen, die das alte, nicht mehr funktionstüchtige Geläut nach Osteuropa verschieben will. Fünf Tage nach dem Raub scheint dies dem Pfarrer nur mehr eines von mehreren möglichen Szenarien zu sein. Es sei auch denkbar, so der Pfarrer, dass die beiden Glocken ihres Materialwertes wegen entwendet wurden – auch wenn dieser nicht allzu hoch ist.

Gesteigerter ideeller Wert

Laut Gerhard Spielmann von der Aarauer Glockengiesserei H. Rüetschi bestehen die entwendeten Glocken aus einer Glockenbronze-Legierung, wie sie noch heute bei modernen Geläuten üblich ist: 79 Prozent Kupfer, 21 Prozent Zinn. Auf dem Altmetallmarkt brächten die beiden Glocken als Bronzeabfall gerade mal um die 1450 Franken ein – je nach Tageskurs.

Nicht zuletzt wegen des bescheidenen Betrags, der bei einer Wiederverwertung der Glocken anfallen würde, ist Pfarrer Winzeler die Tat unbegreiflich. Überdies komme den Glocken ein erhöhter ideeller Wert zu: Sie erinnerten an etwas Heiliges, läuteten einst der Gemeinde zum Gottesdienst. Der Diebstahl habe in Wynau denn auch eine grosse Betroffenheit ausgelöst. Er habe viele Zuschriften erhalten von Leuten, die sich über den Diebstahl schockiert zeigten, so der Pfarrer. «Viele verbinden mit den Glocken schöne Erinnerungen.»

Aus dem Kirchturm entwendet

Der Wynauer Glockendiebstahl ist wohl der erste seiner Art im Kanton Bern, nicht aber der erste in der Schweiz. In Graubünden sorgte 2010 ein regelrechter Glocken-Raubzug für Aufsehen. Im Frühjahr verschwanden damals im Raum Disentis gleich vier alte Glocken. Die Geläute waren zwar bedeutend kleiner als diejenigen in Wynau, wurden aber direkt aus den Glockentürmen entwendet. Die Diebstähle stellten die kantonalen Behörden damals wie heute vor ein Rätsel: Die Kantonspolizei Graubünden hat bislang keine verwertbaren Spuren sicherstellen können. Die Glocken sind bis heute verschollen, wie der Mediendienst bestätigte.

Ein ähnliches Schicksal kommt mehreren Kirchenglocken in Deutschland zu. In den letzten Jahren wurden dort mindestens sechs Glockendiebstähle verzeichnet, der letzte vor Monatsfrist in Hoogstede an der deutsch-holländischen Grenze. Dort wurde eine Stahlglocke wie im Wynauer Fall direkt vom Kirchenvorplatz gestohlen. Über den Verbleib der Glocke ist nichts bekannt, wie der dortige Pfarrer Günther ter Stal dem «Bund» auf Anfrage mitteilte. (Der Bund)

Erstellt: 19.10.2012, 10:30 Uhr

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