«Untergymer»: Gemeinde wartet ab
Von Timo Kollbrunner. Aktualisiert am 10.02.2012
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Bleibt er, oder wird er abgeschafft? Das ist die Frage, die Köniz umtreibt. Die Rede ist vom «Untergymer», den speziellen Sekundarklassen, die am Gymnasium Köniz-Lerbermatt geführt werden – parallel zum Spez-Sek-Unterricht an den Oberstufenschulen. Es ist ein Modell, das es nur noch hier in Köniz gibt. Ein unnötiger Luxus, sagen die einen. Ein entscheidender Standortvorteil, meinen die anderen.
Klar ist: Der «Untergymer» ist bei Schülern beliebt. Und er ist demokratisch legitimiert. 6779 Könizer stimmten im Jahr 2001 für die Beibehaltung der speziellen Sekundarklassen am Gymnasium, 5758 dagegen. Im letzten Jahr stellte der Gemeinderat die Abschaffung dennoch erneut zur Debatte – als Sparmassnahme. Die Diskussion wurde vertagt: In diesem Jahr, im Rahmen der Revision des Bildungsreglements, soll der Entscheid fallen. Nun also gilt es ernst.
«Ich will nicht vorgreifen»
Gestern hat die Könizer Bildungsdirektion ihre Vorschläge für die Revision des Bildungsreglements vorgestellt. Und, will die Gemeinde den «Untergymer» nun abschaffen oder nicht? Die Antwort ist: Sie sagt es nicht. Noch nicht.
Im Entwurf für das geänderte Bildungsreglement schlägt die Gemeinde nämlich weder die Abschaffung noch die Beibehaltung der Klassen vor. Sie listet stattdessen beide Möglichkeiten als Varianten auf. Heute wird der Entwurf an Parteien, Schulkommissionen, Elternräte und Schulleitungen verschickt. Bis am 10. Mai wird sich die Bildungsdirektion entscheiden, welche Version sie dem Parlament vorlegt. Dann erst wird klar sein, ob der «Untergymer» abgeschafft werden soll. Im August dann soll das Parlament über das neue Reglement befinden.
Sollten die Spez-Sek-Klassen am Gymnasium tatsächlich abgeschafft werden, geschähe dies im Sommer 2013. Gemeinderat Ueli Studer (SVP) sagte gestern auch nicht, ob er sich eine Abschaffung wünsche. Sondern lediglich: «Ich will nicht vorgreifen und sagen, welchem Modell ich mehr zugeneigt bin.» Es sei ihm bewusst, dass die Spezialklassen am Gymnasium durch eine Volksabstimmung legitimiert seien. «Aber nach elf Jahren darf man darüber auch wieder diskutieren.»
Dem Entwurf zum revidierten Reglement liegen zwei Stellungnahmen zur Weiterführung des «Untergymers» bei – jene der Vorsitzenden der Schulleitungskonferenz sowie jene des Rektorats des Gymnasiums Köniz-Lerbermatt. Die Positionen sind wenig überraschend: Die Schulleiter möchten den «Untergymer» abschaffen, das Rektorat möchte das nicht. Die Spezialklassen am Gymnasium machten das Bildungssystem in Köniz «kompliziert und unübersichtlich», weil dort nicht wie an den Oberstufen durchlässig unterrichtet werde, schreiben die Schulleiter. Und wenn die besten Schüler ans Gymnasium abwanderten, werde es für die Oberstufen schwieriger, eigene spezielle Sekundarklassen zu bilden. Der «Untergymer» stehe im Widerspruch zur übrigen Struktur der Volksschule.
Das Rektorat des Gymnasiums Köniz hält dem entgegen, dass gerade in den «leistungsmässig homogenen Klassen» am Untergymnasium «konstante und gute Lernerfolge» erzielt würden. Die Schüler könnten sich hier «schrittweise in den gymnasialen Schulbetrieb einleben». Und das Rektorat vermutet, dass sich bei einer Schliessung «vermögende Elternhäuser für Privatschulen entscheiden» dürften.
350 000 Franken Sparpotenzial
Der Spareffekt einer Abschaffung wurde gestern grösser beziffert als bis anhin. Bisher stand die Zahl 100 000 im Raum – so viele Franken Betriebskosten würden gespart. Mit dem neuen kantonalen Finanzierungsmodell der Volksschulen, das ab August in Kraft tritt, fiele die Schliessung von Klassen für Köniz aber auch finanziell positiv ins Gewicht. Für die 7. und die 8. Klassen am Gymnasium würde Köniz dem Kanton künftig insgesamt jährlich rund 500 000 Franken bezahlen müssen. Die Schaffung von zusätzlichen Lektionen an den anderen Sekundarschulhäusern und die eventuell nötige Schaffung von neuen Klassen würden klar weniger kosten. Die Gemeinde rechnet deshalb «vorsichtig» mit einer jährlichen Einsparung von insgesamt 350 000 Franken. (Der Bund)
Erstellt: 10.02.2012, 09:52 Uhr
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