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Tram Region Bern wird nicht in Köniz enden

Von Marc Lettau. Aktualisiert am 03.04.2012 3 Kommentare

Eines der grossen Fragezeichen im Projekt Tram Region Bern ist vom Tisch: Das Tram wird tatsächlich bis nach Schliern fahren und nicht bereits in Köniz wenden. Wenden in Köniz schüfe zu viele Probleme.

Ein Stück sattgrüne Idylle: Das Kulturland in Schliern, auf dem das Tram Region Bern wenden wird.

Ein Stück sattgrüne Idylle: Das Kulturland in Schliern, auf dem das Tram Region Bern wenden wird.

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Als uneingeschränkte Euphorie darf man die Reaktion der Könizerinnen und Könizer aufs Projekt Tram Region nicht bezeichnen. Völlig unbestritten ist die Verlängerung der Tramlinie nach Kleinwabern. Aber leidenschaftlich gestritten wurde bisher über die Frage, ob das Tram tatsächlich bis nach Schliern geführt werden soll. Auf Druck von Landschaftsschützern wurde deshalb untersucht, ob das Tram allenfalls bereits in Köniz wenden könnte, statt nach Schliern zu fahren. Doch die Untersuchung förderte fast nur Nachteile zutage. Deshalb hat sich die Behördendelegation, die das Tramprojekt steuert, jetzt entschieden, an der Anbindung Schlierns ans Tramnetz festzuhalten.

Strassenkapazität würde leiden

Genauer untersucht wurde, wo denn das Tram im bereits dicht überbauten Zentrum von Köniz wenden könnte. Als realisierbar erachten die mit der Untersuchung beauftragten Ingenieure eine einzige Variante: Das Tram ab dem Brühlplatz die Könizstrasse queren zu lassen und über dem Sonnenweg zum Bahnhof Köniz zu führen, dort einen neuen Umsteigeknoten zu schaffen und das Tram über die Schwarzenburgstrasse wieder in Richtung Zentrum fahren zu lassen. Für Rudolf Käser, den Leiter der Verkehrsabteilung der Gemeinde Köniz, zöge diese Lösung gewichtige Nachteile nach sich: «Der motorisierte Verkehr auf den Hauptachsen würde durch querende Trams und einbiegende Busse massiv gestört. Wir müssten davon ausgehen, dass die Kapazität der Schwarzenburgstrasse um bis zu 20 Prozent vermindert würde.» Das könne nicht das Ziel der Verkehrsplanung im Ortszentrum sein. Der neue Umsteigeknoten beim Bahnhof Köniz sei zwar machbar, komme aber einem völligen Strategiewechsel beim öffentlichen Verkehr gleich.

Heute werde das Ziel verfolgt, die Linien des öffentlichen Verkehrs möglichst direkt ins Zentrum zu führen. Auf den Skizzen der Ingenieure führt das Tram am Sonnenweg übrigens unschönerweise durch die Wohnzimmer von Anwohnern. Will heissen: Die Tramwendealternative in Köniz hätte den Abbruch privater Liegenschaften zur Folge. Darauf verweist auch Käser. Es sei sehr fraglich, ob man diese Gebäude überhaupt freihändig erwerben könnte. Der Landhandel könne sich über Jahre erstrecken.Landverbrauch wurde minimiertFür die Kritikerinnen und Kritiker des Kulturlandverlustes gibt es trotz des Entscheids, Schliern definitiv ans Tram anzubinden, etwas Trost: Dank Projektverbesserungen kann der Kulturlandverlust weiter reduziert werden. Bei der Endhaltestelle Schliern werden fast 600 Quadratmeter weniger Kulturland als befürchtet zerstört. Für die geplante Betriebswendeschlaufe Sandwürfi werden 900 Quadratmeter weniger grüne Wiese geopfert, weil kein zusätzliches Trottoir entlang der Muhlernstrasse geplant wird. Kritik wird dem Tramprojekt aber nicht nur wegen des unmittelbaren Kulturlandverlusts entgegengebracht.

Vielmehr gibt das Tram der Befürchtung Auftrieb, der Baudruck auf die Grünflächen zwischen Köniz und Schliern wachse wegen der verbesserten Erschliessung ganz generell. Für die Könizer Gemeinderätin und Planungsvorsteherin Katrin Sedlmayer (SP) ist diese Furcht unbegründet: «Bei der anstehenden Ortsplanungsrevision wird dort kein einziger Quadratmeter der Bauzone zugewiesen. Für den Gemeinderat ist das Gebiet nicht einmal langfristiges Siedlungserweiterungsgebiet.» Man könne also auch für das Tram nach Schliern sein und sich trotzdem für den Erhalt von Kulturland einsetzen.

Schliern nicht benachteiligen

Katrin Sedlmayer rückt anderes in den Mittelpunkt: Werde Schliern nicht ans Tram angebunden, verschlechtere sich die Anbindung dieses wichtigen Quartiers an den öffentlichen Verkehr. Das könne man nicht wirklich wollen: «Wir haben schon im Falle von Gurten-Gartenstadt erfahren, was es bedeutet, wenn die bestehende Erschliessung eines städtischen Quartiers durch den öffentlichen Verkehrs spürbar verschlechtert wird.» Den Tramgegnern schwebte vor, beispielsweise einen Shuttlebus zwischen Schliern und Köniz vorzusehen. Heute ist Schliern über die Bern-Mobil-Linie-10 direkt mit dem Stadtzentrum verbunden.

Phantom Südumfahrung

Die Könizer Gemeinderätin betont, der Ausbau des öffentlichen Verkehrs führe zwar zu Landverlust, der Landbedarf für den Ausbau des Strassennetzes vernichte aber ungleich mehr Boden. Eine Strassenbauvision, die es in der politischen Debatte immer wieder hochspült, ist beispielsweise die Südumfahrung von Köniz: Eine Verbindung zwischen der Schwarzenburgstrasse bis hin zur Landorfstrasse nach Niederwangen – quer durchs Ackerland zwischen Bindenhaus und Köniz. Der Gemeinderat will es nun genauer wissen und wird die Zweckmässigkeit einer solchen Strassenverbindung prüfen lassen. Weil einerseits die Bahnlinie gequert werden und anderseits eine Talsenke überwunden werden muss, dürfte der Kulturlandverlust für diesen Strassentraum erheblich sein. Sedlmayer lässt offen, ob die Behörde die umstrittene Vision justement jetzt durchrechnen lässt, um bessere Argumente fürs Tram in der Hand zu haben. Sie beschränkt sich auf die Aussage: «Im nächsten Jahr werden wir Genaueres wissen.» (Der Bund)

Erstellt: 03.04.2012, 06:43 Uhr

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3 Kommentare

Jacqueline Gafner

03.04.2012, 13:20 Uhr
Melden 1 Empfehlung 0

Darfs es bitzeli meh si? mag sich für die eine oder andere Dorfmetzgerei rechnen, im Fall des 550-Millionen-Projekts Tram Region Bern wird dieser Verkaufstrick kaum verfangen, besonders nicht bei der Stadtbevölkerung, die den Löwenanteil der auf die Gemeinden entfallenden Baukosten übernehmen soll, um sich dafür in erster Linie Nachteile (Tramwand in der Altstadt, Fällen von Alleen) einzuhandeln. Antworten



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