Bern

Pferde sind nur zum Anschauen

Von Markus Dütschler. Aktualisiert am 04.03.2012

Nach langer Schliessungszeit hat das Restaurant Sensi in Gümligen unter neuer Leitung wieder aufgemacht.

Kein Chichi: Das Restaurant Sensi in Gümligen.

Kein Chichi: Das Restaurant Sensi in Gümligen.
Bild: zvg

Die Rechnung, bitte

Karte: Mediterran, reduced to the max: hochstehende Produkte, einfach und gut zubereitet, schön angerichtet. XXL-Angebot: 800-Gramm-Stück vom Angus Beef.

Preise: Nicht so teuer, wie das edle Ambiente befürchten lässt. Selbst bei den Weinen - zum Teil Raritäten - wird vernünftig kalkuliert.

Kundschaft: Geschäftsleute, Gourmets und Leute, die Pferde (nicht zum Essen) mögen.

Öffnungszeiten: Mo-Fr 11.30 bis 14 Uhr und 17.30 bis 23 Uhr; Sa 17.30 bis 23 Uhr (Gruppen auf Wunsch auch ausserhalb möglich).

Adresse: Restaurant Sensi, Feldstrasse 44, 3073 Gümligen; www.sensi-restaurant.ch; E-Mail: reservation@sensi-restaurant.ch.

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Nahe bei den Verkehrsströmen liegt das Restaurant Sensi in Gümligen, doch die vielen Autos, die täglich vorbeifahren, tun das auf der Autobahn. Wer das Restaurant Sensi aufsuchen will, findet es etwas Abseits auf dem Gümligenfeld hinter dem Media-Markt im Pferdezentrum. Immerhin ist das Etablissement gut ausgeschildert. Im Treppenhaus des Geschäftshauses riecht es dezent nach Pferden. Im Gastraum herrscht modernes Design vor, von einer raffinierten Beleuchtung ins richtige Licht gerückt.

Bei unserem Besuch ist es ruhig, auch wenn wir keineswegs die einzigen Gäste sind. Wir erhalten einen Zweiertisch direkt an der grossen Glasscheibe, die einen Blick in die Reithalle gewährt – wobei hier wirklich im Sägemehl geritten und keine Revolution ausgeheckt wird.

Mediterranes ist noch immer Trumpf

Nach langer Schliessungszeit hat das Sensi im Dezember unter neuer Leitung wieder aufgemacht. Mediterranes ist noch immer Trumpf, doch haben die neuen Beizer das Angebot reduziert, dafür mit dem Anspruch, alles im Hause und frisch zuzubereiten. Der freundliche Kellner führt uns zu einer Theke. Wie in einem Feinkostgeschäft wählen wir aus und lassen unsere Stücke abwägen: die Begleiterin eine Goldbrasse (Dorade royale), der Testesser Filet vom Angus Beef.

Wir setzen uns wieder an die Fensterfront, schauen den Rösslein zu, und schon kommt der Gruss aus der Küche: ein Tomaten-Orangen-Süppchen. Auf dem Tellerchen hat es eine frittierte Crevette. Sehr edel. Wir witzeln, wie es wohl wäre, wenn es Pferdesteaks auf der Karte hätte. Man würde - ähnlich wie bei einem Vivier in einem Fischrestaurant - durch die Scheibe auf den Schimmel oder den Rappen zeigen. Spass beiseite: Das gibt es hier nicht.

Flüssigwürze und Glutamatstreuer sind Tabubegriffe

Als Vorspeise wählt die Dame den kleinen Sensi-Salat (Fr. 8.-/gross 15.-), in feine Streifen geschnitten mit hervorragendem hausgemachtem Sensi-Dressing. Der Testesser nimmt die Fischsuppe St. Tropez (Fr. 16.-), die in einem Einmachglas serviert wird. Es ist eine leichte Suppe, in der edle Fischstücke schwimmen: Man lässt sich die Fänge aus der Bretagne täglich schicken. Die Begleiterin wählt zum Fisch Champagner-Risotto, er bekommt Sauerrahm-Stampfkartoffeln, beides ist mit Frühlingszwiebelringen dekoriert. Das Gegrillte schmeckt wunderbar. Auf dem Tisch hat es Fleur de Sel, ein sanftes Meersalz. Der Kellner hat aber recht: Man sollte das Gewürz zurückhaltend einsetzen, um den Eigengeschmack von Fisch und Fleisch nicht zu übertönen. Flüssigwürze und Glutamatstreuer sind hier Tabubegriffe.

Für Kinder gäbe es unter anderem den Räuberteller. Auf der Karte ist er mit einer schwarzen Null ausgezeichnet. Auch wenn Räuber dafür bekannt sind, alles zu nehmen, ohne zu bezahlen, tippen wir doch eher auf die Zahl 10.

Als Weisswein zur Vorspeise hat man uns einen Albarino aus Galizien (Fr. 6.50/dl) empfohlen. Die Begleiterin lässt sich den aromatischen Wein auch zum Fisch munden. Zum Fleisch, «saignant», passt die kräftige Assemblage aus Grenache, Syrah, Merlot und Cabernet aus der spanischen Region um Falset unweit von Tarragon (Fr. 9.50/dl). Um 21.14 Uhr zucken wir zusammen. Mit einem Schlag erlischt das Licht in der Reithalle. Es ist wie bei einem Fernseher, der im Esszimmer läuft: Eigentlich will man nicht hinsehen, tut es aber doch – und erschrickt, wenn ihn jemand ausmacht.

Es ist kein schweres Essen. Das gilt auch für die Sorbet-Sinfonie, die wir vernaschen: Mango mit Chili, Verveine (Eisenkraut), Schokoladensorbet mit Fleur de Sel und Cassissorbet mit Explosionspulver (Fr. 15.-). Wenn man lauscht, hört man ein leises Knistern, wie wenn man in der Aare den Kopf unter Wasser hält und die Steine rollen hört. Wir haben den Abend genossen: feine Kost, kein Chichi, lockere, aber freundliche Bedienung. Diese Adresse sollte man sich unbedingt merken. (Der Bund)

Erstellt: 03.03.2012, 20:27 Uhr

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