Bern
Mühleberg: BKW will spätestens 2022 den Stecker ziehen
Aktualisiert am 20.03.2012 5 Kommentare
«Es braucht keine Gaskraftwerke»
Die Agentur für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz (A EE) ist überzeugt, dass nach der Abschaltung des Atomkraftwerks Mühleberg der Strombedarf allein durch erneuerbare Energien gedeckt werden kann. Gaskraftwerke brauche es dazu keine.Solche klimaschädigenden Übergangslösungen seien überflüssig, sagte A EE-Präsident David Stickelberger gemäss einer Mitteilung vom Dienstag. Gerade in der Photovoltaik könnten innert kurzer Zeit grosse Produktionskapazitäten geschaffen werden.
«Mit dem entsprechenden politischen Willen ist es möglich, den Strom aus den AKWs Mühleberg und Beznau I und II durch erneuerbare Energien zu ersetzen. Das ist keine Zukunftsmusik, sondern heute schon möglich», betonte A EE-Direktor Stefan Batzli. Um möglichst rasch aus der Atomenergie aussteigen zu können, sei es allerdings nötig, dass die Politik den Plafond der Kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) auf- oder zumindest anhebe. (sda)
Stichworte
Bildstrecke
Bildstrecke
Dossiers
Artikel zum Thema
- BKW ficht Mühleberg-Entscheid an
- AKW-Gegner prüfen jetzt auch rechtliche Schritte gegen Beznau
- «Die Schweiz ist sich das nicht gewohnt»
- «Ich schätze diese Arbeiten auf drei bis vier Jahre»
- «Ich halte den Entscheid für einen Skandal»
- «Ich glaube nicht, dass Mühleberg das schafft»
- AKW Mühleberg nur noch bis 2013 am Netz?
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Die BKW sieht das Ende des AKW Mühlebergs erst im Jahr 2022, wie sie in ihrer neuen Strategie «BKW 2030» festgelegt hat. In die Zukunft geht sie mit einem neuen Chef: Der bisherige Kurt Rohrbach wird nach einer Übergangszeit den Posten als Vorsitzender der Konzernleitung abgeben und danach hauptamtlicher zweiter Vizepräsident der BKW. Das teilte das Berner Unternehmen heute vor seiner Bilanzmedienkonferenz und vor Börsenbeginn mit.
Rohrbach soll in seiner neuen Funktion die nötigen organisatorischen Massnahmen vorantreiben. Es brauche für die neue Unternehmensstrategie auch eine neue Organisation. Der Posten des Chefs wird neu besetzt. Bis der neue Chef oder die neue Chefin ihre Stelle antritt, übt Rohrbach beide Funktionen aus. Wann die Ablösung an der BKW-Spitze erfolgen soll, steht nicht in der Medienmitteilung.
Richter erteilten Lizenz bis 2013
Das Bundesverwaltungsgericht entschied kürzlich, dass die BKW das Kernkraftwerk Mühleberg wegen offener Sicherheitsfragen nur bis Sommer 2013 betreiben darf – es sei denn, die BKW legt ein umfassendes Instandhaltungskonzept vor.
Die BKW hat am 14. März bekanntgegeben, dass sie dieses Konzept vorlegen will und den Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts vor Bundesgericht anficht. Das Unternehmen versorgt direkt und via Vertriebspartner über eine Million Menschen mit Energie, primär durch eigene Produktionsanlagen.
Im Fokus vor allem Wasserkraft und Wind
Bereits im März 2011, nach der Atomkatastrophe von Fukushima, hatte die BKW angekündigt, eine neue Strategie vorzulegen. Sie richtet sich auf den Übergang und die Zeit nach der Abschaltung des KKW Mühleberg aus. Gemäss diesem neuen Konzept «BKW 2030» setzt die BKW nun auf den effizienten und wirtschaftlichen Betrieb ihrer Kraftwerke und erweitert und vertieft rasch die Produktion erneuerbarer Energien, die zur Ablösung des Kernkraftwerks Mühleberg nötig sind.
Im Fokus hat die BKW vor allem Wasserkraft und Wind. Zudem will sie innovative Angebote und Modelle entwickeln, um ihre Kunden zum Energiesparen zu motivieren und eine hohe Energieeffizienz zu erreichen. Auf den Kauf fossil-thermischer Produktionsprojekte verzichtet die BKW – abgesehen von sich bereits im Bau befindlichen Anlagen.
Option Gaskraftwerke
Den Bau von bereits projektierten Gaskraftwerken in der Schweiz oder in Nachbarländern behält sie sich vor. Dies tue sie zur Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit und in Übereinstimmung mit der Energiestrategie 2050 des Bundes. Am Ziel einer CO2-neutralen Produktion hält die BKW fest.
Die BKW will auch ihre Netzinfrastruktur weiterentwickeln und sie mit neuen, innovativen Technologien auf die Herausforderungen eines modernen, vermehrt dezentralen Produktionsmixes ergänzen.
«Flyer»-Chef Schär soll in VR
Die neue BKW-Strategie will das bernische Unternehmen auch mit einem Mann umsetzen, dessen Namen für umweltfreundliche Mobilität steht: Mit dem Chef des Huttwiler Elektrovelo-Unternehmens «Flyer», Kurt Schär. Ihn wird der BKW-Verwaltungsrat im Mai an der Generalversammlung zur Wahl ins Aufsichtsgremium vorschlagen.
Unmut der Atom-Kritiker
AKW-Gegner zeigen sich schockiert über den Entscheid der BKW. Alexandra Ottinger vom Kollektiv AKW-Ade sagte gegenüber DerBund.ch/Newsnet: «Es ist mehr als stossend, dass die BKW der Profitmaximierung einen derart hohen Stellenwert einräumt.» Damit werde weitere Jahre die Gesundheit von Tausenden von Leuten aufs Spiel gesetzt.
An der Forderung nach der sofortigen Abschaltung Mühlebergs ändere das Konzept «BKW 2030» freilich nichts. «Wir werden weiterhin Druck ausüben. Für die nächsten Wochen sind Protestaktionen angedacht», so Ottinger.
Greenpeace wirft der BKW vor, in der Umstellung auf erneuerbare Ideen «zu zögerlich vorzugehen». Als erstes müsse die BKW den «Bremsklotz Mühleberg» los werden, schreibt die Organisation in einer Mitteilung: «Fährt die BKW ohne angezogene Handbremse in die Energiezukunft, lässt sich Mühleberg innert weniger Jahre ersetzen.»
Hoffnung setzt Greenpeace in den künftigen Chef der BKW. Der CEO-Sessel müsse «mit einer zupackenden Persönlichkeit besetzt werden, die voll hinter den Ausbau der erneuerbaren Energien steht».
SP gratuliert
Die Grünen nehmen die neue Strategie der BKW mit gemischten Gefühlen entgegen. Die SP ist etwas weniger zurückhaltend und gratuliert «zum Schritt in die Energiezukunft».
Die Berner Sozialdemokraten zeigten sich in einer Mitteilung erfreut, dass damit langjährige Forderungen umgesetzt würden, etwa jene nach dem Atomausstieg oder der Neubesetzung des Chefsessels beim Energiekonzern.
Die rot-grüne Kantonsregierung habe in Sachen Unternehmensführung einen wichtigen Kompromiss durchgesetzt, betont die Partei in ihrer Mitteilung. Mehrheitsaktionär der BKW ist der Kanton Bern.
Für den Energiekonzern sei es nun zentral, dass eine Geschäftsführung gewählt werde, die die neue Strategie aktiv mittrage und das Unternehmen zukunftsträchtig aufstelle, heisst es in der Mitteilung der SP weiter.
Wichtig ist für die SP auch, dass die BKW nicht in veraltete Technologien investiert. Die neuen fossil-thermischen Grosskraftwerke, «die jetzt mit riesigen Wertberichtigungen das Konzernergebnis trüben, sollen die letzten fehlinvestierten Gelder sein», schreibt die Partei in ihrer Mitteilung weiter.
Die Wertberichtigungen, die das Ergebnis des Berner Energiekonzerns in vergangenen Jahr mitbeeinflussten, betrafen Anlagen in Deutschland und Italien. Für 2011 schreibt der Konzern einen Verlust von rund 66 Millionen Franken.
«Zu zögerlich»
Die Grünen Kanton Bern nahmen die neue Strategie laut Mitteilung vom Dienstag «mit gemischten Gefühlen» zur Kenntnis. Sie sei ein «allzu zögerlicher Schritt».
Begrüssenswert sei die Absicht, in intelligente Netzinfrastruktur, in Energieeffizienz, Wind- und Wasserenergie zu investieren sowie die Ablösung von BKW-Chef Kurt Rohrbach.
Wenig Verständnis haben die Grünen unter anderem aber dafür, dass die BKW in ihrer Strategie die Solarenergie ausblende und die Abschaltung des AKW Mühleberg weiter aufschiebe. Auch einen Wechsel von Rohrbach in den Verwaltungsrat kritisieren die Grünen. Rohrbach sei ein «Atomstrom-Urgestein».
Sicherheit geht vor
Die Grünliberalen Kanton Bern begrüssten die neue BKW-Strategie laut Mitteilung vom Dienstag. Die glp zeigte sich aber skeptisch, dass das AKW Mühleberg tatsächlich bis 2022 betrieben werden könne.
Für einen sicheren Betrieb des Kernkraftwerks wären nämlich grosse Nachrüstungsmassnahmen nötig, heisst es in der glp-Mitteilung weiter. Ein Weiterbetrieb der Anlage komme nur unter dem Motto «Sicherheit geht vor» in Frage.
BDP unterstützt Mühleberg-Abschaltung 2022
Dass die BKW ihr Atomkraftwerk Mühleberg längstens bis 2022 betreiben will, bezeichnete die Berner BDP am Dienstag in einer Mitteilung als «konstruktiven Beitrag in einer schwierigen Diskussion».
Die Partei unterstütze diese Zielsetzungen unter der Voraussetzung, dass das Werk sicher und wirtschaftlich betrieben werden könne.
(rub/sda)
Erstellt: 20.03.2012, 08:39 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
5 Kommentare
Und das soll mich jetzt beruhigen? Das sind immer noch 3650 Tage, an denen was passieren kann...
Welchen Teil des Urteils des Budnesverwaltungsgerichts hat dei BKW nicht verstanden? Und wann endlich wird die kantonale Regierung aktiv?
Antworten
Bis 20 Jahre dauert der Rückbau eines AKW`s und kostet rund eine Milliarde. Die Brennstäbe müssen 15 Jahre abgekühlt werden, ergo ist mit dem abstellen die Gefahr nicht gebannt. Was ist wenn die BKW diese Summe nicht aufbringen können? Der Steuerzahler muss ran, mit massiv höheren Energiekosten und abgaben. Antworten
Bern
Jetzt wechseln und sparen
Finden Sie in nur fünf einfachen Schritten die optimale Fahrzeugversicherung.
Flugpreise vergleichen
Vergleichen Sie die Flugpreise von verschiedenen Reiseanbietern und finden Sie das beste Angebot.


Bitte warten




























