«Müeti» Ruth Seiler ist tot

Die Gründerin der Heimschule Schlössli in Ins wurde 97 Jahre alt.

Ruth Seiler Schwab im Schlössliheim in Ins im Jahre 2003.

Ruth Seiler Schwab im Schlössliheim in Ins im Jahre 2003. Bild: Adrian Moser

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Kurz nach ihrem 97.Geburtstag ist Ruth Seiler Schwab gestorben, die einst zusammen mit ihrem Mann Robert die Heimschule Schlössli in Ins gründete. Die Todesanzeige wurde am Mittwoch publiziert.

Die Seeländer Bauerntochter, Kommunistin und Anthroposophin ist als «Müeti» einer breiten Öffentlichkeit bekannt, unter anderem auch durch den Dokumentarfilm «Müetis Kapital» aus dem Jahr 2008.

Ruth Schwab wuchs in einer Bauernfamilie in Kerzers auf und engagierte sich schon als Schülerin bei den antikapitalistisch gesinnten Jungbauern. Später fand sie den Weg zur sozialistischen Jugend.

Nach der Mobilmachung 1939 gründete sie einen Kinderhütedienst, um die Mütter in der Erntezeit zu entlasten. In den Kriegsjahren kämpfte sie gegen das bundesrätliche Verbot der Kommunistischen Partei. 1941 wurde sie wegen der Teilnahme an einem Treffen dieser Partei zu einer bedingten Gefängnisstrafe verurteilt.

Kurz darauf heiratete sie den Parteigenossen Robert Seiler, Lehrer im Oberaargau. Nach dem Zweiten Weltkrieg wandte sich das Paar vom Sozialismus ab und stellte sich hinter das anthroposophische Gedankengut von Rudolf Steiner. 1950 waren sie bereits eine Grossfamilie mit vier eigenen Kindern und einer Schar von Pflegekindern.

1953 zügelten sie in ein altes Patrizierhaus in Ins. Dort entstand später die weit herum bekannte Heimschule Schlössli, ein Zuhause für Kinder und Jugendliche, die aus unterschiedlichen Gründen nicht bei ihren Eltern leben konnten.

«Hier wurde Ruth Seiler-Schwab zum Müeti», schrieb die Zeitung Der Bund im Jahr 2008. Sie habe sich um das physische und psychische Wohl der Kindern kümmert, während Robert, der «Ätti», sich mit pädagogischen und baulichen Fragen beschäftigt habe.

Tod als Übergang

1972 übergaben Ruth und Robert Seiler die Schlössli-Leitung ihren Söhnen. Etwas später zogen sie nach Südfrankreich, ehe sie den Weg zurück nach Ins fanden, wo Robert 2001 verstarb. «Doch das», sagte die Filmemacherin Karoline Arn dem Bund, «war und ist für Ruth nicht endgültig. Für sie ist der Tod kein Ende, sondern ein Übergang.»

Das Ehepaar hatte fünf eigene Kinder. Die Todesanzeige unterzeichnet haben auch 14 Enkel- und 19 Urenkelkinder.

Das «Schlössli Ins» hat vor Jahresfrist seinen Betrieb eingestellt. Das kantonale Jugendamt als Aufsichtsbehörde schloss das Haus wegen der internen Konflikte zwischen Trägerverein und Stiftung. Nun sucht die Stiftung neue Nutzer für die Liegenschaften im Seeland. (spr/sda)

Erstellt: 08.07.2015, 10:56 Uhr

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