Bern

«Es war ein grenzwertiger Einsatz»

Von Simona Benovici. Aktualisiert am 08.02.2012

120 Feuerwehrmänner kämpften in Rüfenacht gegen den Brand im Gasthaus zur Sonne. Die tiefen Temperaturen brachten die Einsatzkräfte und deren Gerätschaften an ihre Leistungsgrenzen.

1/12 Eingefrorener Feuerwehrmann: Kälte und das eigene Löschwasser brachten die Berufsfeuerwehr an ihre Leistungsgrenzen.
Bild: zvg

   

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Restaurant Sonne abgebrannt

Restaurant Sonne abgebrannt
In Rüfenacht brannte am Montag das Restaurant Sonne.

Es war ein Einsatz, der den Feuerwehrmännern alles abverlangte. Über Stunden schossen die Flammen am Montagabend aus dem Dachstock des Traditionsgasthauses zur Sonne und dem angebauten Stall des Hauses. Kurz nach 16.30 Uhr waren die ersten Einsatzkräfte der Feuerwehr Worb vor Ort – aber erst gestern Dienstag in den frühen Morgenstunden war der Brand unter Kontrolle. Die Bekämpfung von Glutnestern und die Nachlöscharbeiten dauerten bis 3 Uhr an, da das Feuer insbesondere im Stallgebäude immer wieder aufflammte. Um 4 Uhr rückte schliesslich auch die zu Hilfe geeilte Berufsfeuerwehr Bern ab.

Eingefrorene Atemschutzgeräte

Aber nicht nur die lange Dauer des Einsatzes, sondern auch die Umstände, unter denen er geleistet wurde, brachten Mensch und Gerätschaften an ihre Leistungsgrenzen. Bereits zu Beginn der Löscharbeiten zeigte das Thermometer in Rüfenacht minus 10 Grad Celsius an. Im Verlauf der Nacht wurde es noch kälter: Die Temperatur sank bei sternenklarem Himmel bis auf minus 15 Grad. «Es war ein grenzwertiger Einsatz», sagt der Kommandant der Worber Feuerwehr Titus Moser auf Anfrage. «Wir hatten extreme Verhältnisse mit starken Minustemperaturen und massiver Eisbildung.»

Den insgesamt 120 Mann der zum Brandort gerufenen Feuerwehren Worb, Rüfenacht, Allmendingen-Muri-Gümligen, Ostermundigen und Bern gefror die vom Löschwasser getränkte Schutzkleidung am Körper. Und auch die Rettungsgeräte und Einsatzmittel wurden in Mitleidenschaft gezogen: Das Eis setzte den Leitern und insbesondere dem Hubretter zu, wie Feuerwehrkommandant Moser sagt. Einige der automatischen Sensoren funktionierten nur noch fehlerhaft.

Ähnliches berichtet auch die Berufsfeuerwehr Bern. Funkgeräte waren teilweise nicht mehr funktionstüchtig, weil sie einfroren. Auch der Umgang mit den Atemschutzgeräten, die aufgrund der starken Rauchentwicklung eingesetzt werden mussten, gestaltete sich aufwendig. Der Wechsel der Sauerstoffflaschen war wegen der eisigen Temperaturen vor Ort nicht mehr möglich, wie Franz Märki, der Mediensprecher der Berufsfeuerwehr, sagt.

Die Berufsfeuerwehr musste darum während Stunden mit Atemschutzgeräten zwischen Bern und Rüfenacht pendeln: Ein Austausch der Geräte war nur im beheizten Feuerwehrmagazin in Bern möglich.

Grosslüfter als Wassersprenkler

Allein die Berufsfeuerwehr stand mit insgesamt 38 Mann und 16 Fahrzeugen im Einsatz – unter anderem drei Tanklöschfahrzeugen, einer Autodrehleiter, einem Atemschutzfahrzeug, einem Schlauchleger und einem mobilen Grosslüfter. Dieser wurde nicht als Gebläse, sondern als Wassersprenkler eingesetzt. So konnte die Feuerwehr grossflächig Wasser auf die angrenzenden Häuser sprühen, um ein Übergreifen der Flammen zu verhindern. Die Funken flogen bis zu 150 Meter weit.

Wirklich sichtbar wird das Ausmass des Brandes gestern Morgen bei Tagesanbruch. Das Feuer hat so stark gewütet, dass trotz Grosseinsatz der vereinten Feuerwehren die Gaststube und der Stall nicht gerettet werden konnten. Personen kamen zwar keine zu Schaden, das stattliche Haus ist aber komplett ausgebrannt. Dem Feuer standgehalten haben einzig die Grundmauern und einige Fensterläden. Noch immer verwandeln Reste des Löschwassers die Ruine in einen Eispalast.

Die Kantonspolizei geht von einem Sachschaden in Millionenhöhe aus. Was genau zum Brand geführt hat, ist noch unklar. Die Brandursache ist Gegenstand der eingeleiteten Ermittlungen. Ebenfalls abgeklärt wird derzeit, ob und wann das ausgebrannte Gebäude betreten und das angrenzende Wohnhaus allenfalls wieder bewohnt werden darf. Die Brandwache soll für mindestens weitere 24 Stunden aufrechterhalten bleiben. (Der Bund)

Erstellt: 08.02.2012, 07:38 Uhr

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