Disharmonisches in der Musikschule Köniz

Der plötzliche Abgang der Leiterin der Musikschule Köniz sorgt für Unruhe. Die Trägerschaft betont derweil die Normalität des personellen Wandels.

Verena Berger ist heutige Präsidentin des Trägervereins der Musikschule Köniz und gibt Auskunft über den plötzlichen Abgang der Schulleiterin: Es sei ein gegenseitiger Entschluss gewesen.

Verena Berger ist heutige Präsidentin des Trägervereins der Musikschule Köniz und gibt Auskunft über den plötzlichen Abgang der Schulleiterin: Es sei ein gegenseitiger Entschluss gewesen. Bild: Franziska Scheidegger

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Mit klanglichen Höhenflügen hat sich die Musikschule Köniz eben erst gefeiert. Das fulminante 40-Jahr-Jubiläum von Mitte Juni verdeutlichte auch die Bedeutung, die Grösse und den Facettenreichtum der Schule: In zehn Ortschaften und über zwanzig Lokalitäten begleiten 80 Lehrkräfte 1500 Lernende in die Welt der Klänge und Harmonien.

Wie es um die Harmonie ausserhalb der Unterrichtslokale steht, ist hingegen etwas unklar. Denn: Erst entschied sich die administrative Leiterin, die Musikschule auf Ende Monat zu verlassen, und letzte Woche teilte die Schule überraschend mit, aufs gleiche Datum hin werde auch Schulleiterin Sylvia Gmür ihr Engagement in Köniz beenden.

Zum plötzlichen Abgang der Schulleiterin liess der Trägerverein der Musikschule die Öffentlichkeit lediglich wissen, der Vorstand und die Schulleiterin seien übereingekommen, die Zusammenarbeit per 1. Juli 2016 zu beenden. Dies ermögliche es sowohl der Schulleiterin als auch der Musikschule, «die Planung der jeweiligen Zukunft ohne gegenseitige Verpflichtungen anzugehen».

Diese kryptisch anmutende Formulierung zwingt zur Nachfrage: Wo liegen die Gründe für die Trennung? Verena Berger, ehemalige SP-Gemeinderätin und heutige Präsidentin des Trägervereins, stellt zunächst dezidiert in Abrede, dass der Schulleiterin irgendeine Verfehlung oder ein Versäumnis vorzuwerfen sei: «Auch ihre fachliche und pädagogische Kompetenz ist völlig unbestritten.» Einzig eine besondere Konstellation habe beide Seiten dazu bewogen, eine Zäsur vorzunehmen.

Laut Berger habe einerseits die Schulleiterin offengelegt, dass sie nicht in Köniz bleiben wolle und spätestens Mitte 2017 ihr Amt abzulegen gedenke. Anderseits trete bereits übermorgen der neu gewählte administrative Leiter in Köniz sein Amt an, der von der Thuner Kulturabteilung nach Köniz wechselnde Stephan Schneider. Für die Anstellungsbehörde habe sich die knifflige Frage gestellt, was es denn für die Musikschule bedeute, wenn eine absprungbereite und sich emotional von Köniz lösende Schulleiterin ihren Führungspartner – den neuen administrativen Leiter – einzuarbeiten habe. Die Antwort, so Berger, sei der «gemeinsame Beschluss» gewesen, die Zusammenarbeit auf Ende Monat auslaufen zu lassen.

Lautstärke der Nebengeräusche

Nach Lesart der Präsidentin des Trägervereins liegt somit «ein ganz normaler Abgang» vor. Schulleiterin Sylvia Gmür selber will zu ihren Motiven öffentlich nichts sagen und verweist aufs vereinbarte Stillschweigen. Der Kontrast zu diesem Stillschweigen ist die Lautstärke der lebhaften Debatte über den personellen Umbruch.

Gewerweisst wird im Umfeld der Musikschule über allenfalls nicht genannte Gründe der Trennung und über die Modalitäten der Trennungsvereinbarung. Der Trägerverein der Musikschule sieht aber keinen Anlass, die Begleitgeräusche zu kommentieren, und wiederholt seine Kernbotschaft: Der Abgang sei ein «ganz normaler», der Schulbetrieb und dessen Qualität seien «in keiner Weise tangiert».

Verena Berger bestätigt zugleich, ihr sei die Nervosität – insbesondere jene in der Lehrerschaft – keineswegs entgangen. Die Ursache der Unruhe sei jedoch nicht in der Personalie Gmür zu suchen. Berger: «Musikschulen stehen ganz generell schwer im Umbruch, was vielerlei Veränderungsängste auslöst.»

Der Spardruck von Kanton und Gemeinde schlage auch auf die Musikschulen durch. Und gleichzeitig sei völlig unklar, wie und wann die vom Volk gutgeheissene Initiative «Jugend?+?Musik», die mehr Zusammenarbeit zwischen der Volksschule und den Musikschulen verlangt, umgesetzt werden solle. Über allen Musikschulen hänge somit derzeit ein grosses, dominierendes «Wohin?».

Unabhängig von der bildungspolitischen Grosswetterlage ist die Agenda für die Musikschule Köniz fürs Erste recht klar: Nach dem Abgang von Sylvia Gmür muss die Schule ihrem neuen adminis­trativen Leiter Stephan Schneider eine interimistische Schulleitung zu Seite stellen. Bis im nächsten Jahr, so hofft die Musikschule, ist dann wieder eine reguläre Führungscrew am Ruder.

Was also bleibt? Aussenstehenden bleiben die Deutungsversuche. Etwa dieser: Die nach der episch langen Ära des charismatischen Schulleiters Lorenz Hasler nach Köniz geholte Musikerin und Musikpädagogin Sylvia Gmür wurde hier schlicht nicht richtig glücklich. So real die derzeitige Unruhe also ist, so banal ist wahrscheinlich deren Ursache. (Der Bund)

Erstellt: 29.06.2016, 11:30 Uhr

Artikel zum Thema

Grosser Auftritt für jungen Cellisten

Die Musikschule Zollikofen-Bremgarten ist 40-jährig. Am Geburtstag erklingt eine Komposition, die eigens für den 14-jährigen Celloschüler Sebastian Wijnroks geschrieben wurde. Mehr...

Grosse Jamsession für die Kleinen

In der Enge wurde an Gitarren gezupft, auf Schlagzeugen gespielt und in die Tasten gegriffen. 3000 Eltern und Kinder besuchten die Informationsveranstaltung der Zürcher Musikschule. Mehr...

«Du hast eine Geige, beginnst zu spielen»

Lorenz Hasler hört auf: nicht als Geiger der Salonisti, aber als Leiter der erfolgreichen Musikschule Köniz – nach dreissig Jahren. «Wir neigen dazu, die Kinder zu unterschätzen», sagt er. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Immobilien

Kommentare

Die Welt in Bildern

Lichtermeer: Kinder rennen durch eine Licht-Installation im Zoo von Sydney (21. Mai 2017).
(Bild: Wendell Teodoro) Mehr...