Denkmalpflege als Familiensache

Die Hofenmühle in der Gemeinde Wohlen ist von der Eigentümerfamilie Baumgartner vorbildhaft restauriert worden. Sie erhält darum von der Denkmalpflege des Kantons Bern in diesem Jahr den Anerkennungspreis.

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Das alte Dach der Hofenmühle in Wohlen befand sich in fortgeschrittenem Verfall. Die Nägel mit denen die Ziegel an den Dachlatten befestigt waren, hatten viel Rost angesetzt. Die Ziegel rutschten ab, das Dach war undicht. Von der Feuchtigkeit begünstigt hatten sich Würmer breit gemacht, diese wiederum zogen Ratten an, die dem alten Holz mit ihren scharfen Zähnen zu Leibe rückten. Zudem hingen Wespennester an den Balken und Sparren. Das ganze Dach musste ersetzt und mit neuen Ziegeln gedeckt werden.

Im Familienverbund machten sich Baumgartners 2014 an die Arbeit. Regula Baumgartner übernahm als gelernte Hochbauzeichnerin die Bauleitung. Ihre Söhne, einer von ihnen ist Zimmermann und Holzbauingenieur, packten mit an und brachten auch Kollegen auf die Baustelle. «Es war eine ganz schöne Zeit», sagt Regula Baumgartner. Dabei gab es manche knifflige Aufgabe zu lösen. «Ohne gute Handwerker, die mitdenken, hätten wir das nicht geschafft.» Die Arbeiten hätten zweieinhalb Monate gedauert und rund 200 000 Franken gekostet, sagt Ehemann Niklaus Baumgartner. Die Restaurierung wurde von der Denkmalpflege des Kantons Bern begleitet und mit einem finanziellen Beitrag unterstützt.

Bis die Welt untergeht

Die alte Tragkonstruktion des Dachs wurde repariert, beschädigte Teile wurden ersetzt, Lattung und Ziegel dagegen sind neu. Zudem wurde ein Unterdach eingebaut. Die Gebäudehülle ist damit intakt und dicht. In diesem Fall machte der Umbau ein grosses und sicheres ­Gerüst nötig, deshalb entschlossen sich Baumgartners gleich auch noch die Fassade und die Ründe des Hauses, das 1834 errichtet worden war, zu erneuern. Auch die Malereien wurden aufgefrischt. Kernaussage des Spruchs an der Fassade ist, dass das Haus bestehen solle, «bis die Weld wirt untergechen».

Auf einen Ausbau des Dachstuhls verzichtete man auch aus finanziellen Gründen. «Die Hauptfrage ist für uns immer: Wo fängt man an, und wo hört man auf?», sagt Regula Baumgartner. Man wolle sich für die Zukunft nichts verbauen. Sanierung und Instandhaltung der imposanten Mühle und der dazugehörenden weiteren Gebäude werden von der Familie seit mehreren Generationen mit grossem Aufwand betrieben. Die Denkmalpflege sei dabei mit ihrem Spezialwissen und der Erfahrung eine grosse Hilfe.

Es handle sich um ein «sehr bedeutendes Ensemble», sagte Denkmalpfleger Michael Gerber gestern an einem Medienanlass. «Das Engagement der Eigentümer ist enorm hoch.» Der Denkmalpflegepreis sei ein Zeichen der Anerkennung für diese Identifikation der Eigentümer mit ihren Gebäuden. Die Hofenmühle besteht eigentlich aus drei Teilen: Der parallel zum Hang stehende älteste Teil wurde wahrscheinlich im 18. Jahrhundert errichtet. Die Mühle ist von einem Kranz weiterer Gebäude umgeben. Regula und Niklaus Baumgartner setzten beim Unterhalt der historischen Gebäude immer wieder Schwerpunkte und beschränkten die Eingriffe aufs Notwendige, lobt die Denkmalpflege. Das oberste Ziel sei die langfristige Erhaltung und Nutzbarkeit.

Das Haus «verlor» ein Stockwerk

Die erste Erwähnung der Mühle stammt von 1719, aus diesem Jahr datiert ein Plan, auf dem auch weitere Gewerbebetriebe wie Stampfi, Ribi und Sagi verzeichnet sind, die ebenfalls die Wasserkraft nutzten. Das Wasser für den Mühlebetrieb fliesst über einen rund 500 Meter langen Kanal in die Mühle, früher trieb das Wasser drei nacheinander angeordnete Wasserräder an, später, ab dem Jahr 1920, wurde es durch Druckleitungen in eine Turbine geleitet. Das Jahr 1920 war auch das Jahr, in dem sich die Landschaft markant und dauerhaft veränderte: Der Wohlensee wurde aufgestaut, die Aare trat über die Ufer und überflutete die Felder bis fast an die neue Strasse vor der Mühle. Wegen der Aufschüttung für diese Strasse verschwand das untere Sockelgeschoss im Boden. Zudem verlor die Familie mehrere Hektaren Landwirtschaftsland.

Die Denkmalpflege vergibt jeweils auch einen Spezialpreis für eine beispielhafte Restaurierung oder eine aussergewöhnliche Einzelmassnahme. Dieses Jahr geht dieser Preis in den Berner Jura. Dort hat eine Stiftung in Saicourt eine Sägerei aus dem 18. Jahrhundert zu neuem Leben erweckt. Freiwillige Helfer aus der Umgebung beteiligten sich an der aufwendigen Restaurierung. (Der Bund)

Erstellt: 08.05.2015, 11:08 Uhr

Ökostrom statt Mehl

Die Hofenmühle in Wohlen wird seit 1994 nicht mehr als eigentliche Mühle betrieben. Baumgartners haben aber die alte Maschinerie mit ihrer raffinierten Mechanik gepflegt und instand gehalten. Zur Freude des Publikums wird sie noch immer regelmässig als Schaumühle in Gang gesetzt, zum nächsten Mal am Mühlentag, der in diesem Jahr dem Thema Boden gewidmet ist. Die Wasserkraft des Mühlebachs wird heute für die Stromerzeugung genutzt. Das Kleinwasserkraftwerk liefert seit 2011 zuverlässig Elektrizität.


Die Hofenmühle kann am Mühlentag vom 16. Mai zwischen 9 und 17 Uhr besichtigt werden. Der Denkmalpflegepreis wird am 21. Mai, 18.30 Uhr im Kornhaus in Bern verliehen, der Anlass ist öffentlich. Dazu gibt es auch eine kleine Ausstellung in der Galerie des Kornhausforums, die vom 21. Mai bis 13. Juni geöffnet ist.
(wal)

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