«Das Gericht musste den Job des Ensi machen»

Jürg Buri, der Geschäftsführer der atomkritischen schweizerischen Energie-Stiftung, rechnet mit einem Weiterzug des Urteils zum AKW Mühleberg.

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Das Bundesverwaltungsgericht hat entschieden, dass Mühleberg aus Sicherheitsgründen vorerst nur bis 2013 betrieben werden darf. Ist es nicht Aufgabe der Aufsichtsbehörde, die AKW-Sicherheit zu beurteilen?
Das Gericht musste den Job des Nuklearsicherheitsinspektorats Ensi machen, weil dieses seine Aufgabe nicht wahrgenommen hat. Wie die Richter festgestellt haben, erteilte das Umweltdepartement gestützt auf die Einschätzung des Ensi dem AKW Mühleberg zu Unrecht eine unbefristete Betriebsbewilligung.

Trotzdem: Ein Gericht bewertet den Zustand eines AKW-Kernmantels und die Arbeit von Nuklearexperten. Fehlt den Richtern nicht die Kompetenz dazu?
Das Gericht hat nicht die technischen Mängel als solche bewertet, sondern geprüft, ob das Gesetz eingehalten wird. Die Mängel sind ja seit längerem bekannt und werden auch vom Ensi nicht bestritten. Die Richter kamen zum Schluss, dass es gesetzlich nicht zulässig ist, beim Vorliegen solcher Mängel eine unbefristete Betriebsbewilligung zu erteilen.

Geht Mühleberg 2013 vom Netz?
Ich bin sicher, dass die Berner Kraftwerke BKW um jeden Tag kämpfen werden, den sie Mühleberg länger am Netz lassen können. Jeder Betriebstag bringt der BKW mehrere Hunderttausend Franken. Ich rechne mit einem Weiterzug des Urteils.

Kann ein AKW von einem Tag auf den anderen abgestellt werden?
Eine Abschaltung ist technisch kein Problem. Für den Rückbau gibt es zwei Varianten: Entweder verschliesst man das AKW, lässt es bis zu 30 Jahre unberührt und beginnt nach einer gewissen Abnahme der Strahlung mit dem Abbau. Oder man beginnt direkt mit dem Rückbau, was technisch anspruchsvoller ist.

Wo soll man mit den atomaren Abfällen hin, die bei einem solchen Rückbau anfallen?
Wir sind für eine Entsorgung in der Schweiz. Diese darf aber nicht gegen den Willen der lokalen Bevölkerung geschehen. Deshalb muss ein überzeugendes Entsorgungskonzept her: Die heutige Idee eines Tiefenlagers ist nicht zu Ende gedacht. Vielmehr müssen die Abfälle so unter der Erdoberfläche gelagert werden, damit der Zugriff gewährleistet bleibt. Nur so kann ein Lager kontrolliert und repariert werden. Nur so kann das Bewusstsein über Generationen hinweg weitervermittelt werden, dass man zu diesen Abfällen Sorge tragen muss.

Mühleberg liefert fünf Prozent des in der Schweiz verbrauchten Stroms. Wie soll dieser Anteil ersetzt werden, wenn das AKW 2013 vom Netz muss?
Kurzfristig wird wohl mehr Strom importiert. Längerfristig lässt sich der Ausfall durch höhere Energieeffizienz und vermehrten Einsatz von erneuerbaren Energien mehr als ersetzen.

Sie sind für erneuerbare Energien - und bekämpfen gleichzeitig eine höhere Staumauer am Grimselpass.
Diese Staumauererhöhung bringt keine Mehrproduktion und widerspricht den Bestimmungen des Moorschutzes. Wir begrüssen aber Effizienzsteigerungen am Grimsel und bei allen anderen Wasserkraftwerken. Das heisst grössere Druckleitungen, effizientere Turbinen und bessere Steuerungen. (Der Bund)

Erstellt: 08.03.2012, 11:31 Uhr

Jürg Buri. (Bild: zvg)

Zur Person

Jürg Buri ist Geschäftsführer der Schweizerischen Energie-Stiftung und Präsident der Allianz «Nein zu neuen AKW».

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