Barbara besucht Barbara — 50 Mineure jubeln

Die BLS feiert im Westen von Bern den Durchschlag des Rosshäuserntunnels. Der instabile Fels erforderte ein Sprengverfahren, das den Bau um eineinhalb Jahre verlängerte und um 75 Millionen Franken verteuerte.

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Der Projektleiter Markus Sägesser darf auf der Westseite der Tunnelmitte die letzte Sprengung auslösen. Dreimal stösst ein Mineur in ein kleines goldfarbenes Horn. Nun halten sich die fünfzig anwesenden Mineure die Ohren zu. Ein paar Sekunden später ertönt tief im Berg ein dumpfer Knall. Die Druckwelle fährt in die Knochen und lässt die Fahnen flattern – dies, obwohl die Sprengung auf der anderen Seite der Wand erfolgte.

Es folgen ein paar kleinere Sprengungen, bevor es still wird. Dichter, beissender Rauch mit Schwefelgeruch hängt im Stollen. Der Polier Stefano Romano klettert mit einer Holzstatue der heiligen Barbara im Arm auf den Geröllhaufen. Von der andern Seite her kommt Stephan Hartmann und umarmt Romano. Auch Hartmann trägt eine Barbara im Arm. Der Rosshäuserntunnel ist durchschlagen. Die Mineure jubeln und applaudieren, während ihre Kollegen einer nach dem andern von der Ostseite durch das Loch klettern.

Bröckliger Fels

«Ich bin erleichtert», sagt Romano, der noch immer die Barbarastatue im Arm hält. Seit 31 Jahren baue er Tunnel.Eineinhalb Jahre habe er auf der Baustelle in Rosshäusern gearbeitet. Es sei die perfekte Baustelle, doch er sei froh, dass alles gut gegangen sei. Dies war nicht immer so. Der aus Sandstein und Mergel bestehende Fels erwies sich als sehr bröcklig. Deshalb kamen die Vortriebsarbeiten zu Beginn nur langsam voran. Als sich schliesslich ein tragischer Unfall ereignete und ein Arbeiter starb, musste die BLS die Ausbruchsmethode umstellen. Dies verzögerte die Bauzeit um eineinhalb Jahre und erhöhte die Baukosten von ursprünglich 190 Millionen auf 265 Millionen.

Um die Sicherheit auf der Baustelle zu erhöhen, bohrten die Mineure im sogenannten Kalottenvortrieb für jede Sprengetappe etwa dreissig 15 Meter lange Stahlrohre in das Gewölbe des Tunnels. Diese füllten sie mit Zement. Danach wurden die Sprengladungen unterhalb des Gewölbes montiert und nur der obere Teil des Tunnels ausgebrochen. Das ausgebrochene Gewölbe wurde mit einem Stahlbogen und Spritzbeton gesichert. Wenn die Kalotte – so lautet der Fachbegriff für das Tunnelgewölbe – fertig ist, legen die Mineure den unteren Teil frei. Diese Arbeit steht nun bevor und wird mitsamt dem Einbau der Technik etwa drei Jahre dauern.

90 Sekunden schneller

Seit Frühling 2013 baut die BLS den fast zwei Kilometer langen Tunnel zwischen Mauss und Rosshäusern. Ende 2018 soll er in Betrieb gehen. Der doppelspurige Tunnel ersetzt den 110-jährigen einspurigen Tunnel. Dieser hätte saniert werden müssen. Mit den zwei Spuren zwischen Bern und Neuenburg will die BLS Zeit gewinnen und die Kapazität erhöhen. Allein der Tunnel führt zu einem Zeitgewinn von anderthalb Minuten. Aber auch auf der übrigen Strecke werden die Züge zwischen Bern und Neuenburg Zeit gewinnen, weil sie im Vergleich zu heute auf manchen Abschnitten viel schneller fahren können.

Die BLS baut die Strecke im Auftrag des Bundes aus. Die Kantone Bern, Freiburg und Neuenburg zahlen mit. Die ursprüngliche Anbindung ans Hochgeschwindigkeitsnetz mit dem TGV hat sich erübrigt, als Lyria die Strecke Bern Paris via Neuenburg eingestellt hat. Doch es sei eine Tatsache, dass der öffentliche Verkehr immer mehr Leute transportiere, sagte BLS-Sprecher Oliver Hilber gestern auf Anfrage. «Wenn die Kantone es wünschen, werden wir für den Halb- oder Viertelstundentakt bereit sein.» (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.06.2015, 18:43 Uhr

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